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Foto: Diakon Simon Hof

„Auf meinem Collarkragen steht: »Ich bin für dich da. Sprich mich an«“

Interview mit Diakon Simon Hof zur bevorstehenden Priesterweihe und Primiz

 

Am Samstag, den 11. Juli 2015 wird der Diakon und gebürtige Stuttgarter Simon Hof gemeinsam mit vier weiteren Männern in Ellwangen zum Priester geweiht. Eine Woche später, am Sonntag, den 19. Juli feiert er in seiner Heimatgemeinde St. Josef in Stuttgart-Heslach Primiz - seine erste Eucharistiefeier als Priester. Ein Gespräch darüber, wie er zu seiner Berufung gefunden hat, was ihn auf seinem Weg zum Priester besonders stärkte und wie für ihn die Kirche der Zukunft aussieht:

Frage: Mit Ihrer Priesterweihe steht ein für Sie einschneidendes Ereignis bevor. Wie fühlen Sie sich so kurz vor dem Termin am 11. Juli?

Simon Hof: Ich kann es kaum noch erwarten und die Zeit bis zur Weihe kann gar nicht schnell genug vorbeigehen. Ich freue mich wie verrückt auf dieses Ereignis, auf das ich mich nun immerhin schon seit vier Jahren vorbereite. Im Gegensatz zur Diakonenweihe, die ich im März 2014 empfangen habe, bin ich dieses Mal deutlich weniger aufgeregt. Das Zölibatsversprechen, vor dem ich mit am meisten Respekt und Bammel hatte, habe ich mit der Diakonenweihe bereits geleistet. Somit kommt mit der Priesterweihe für mich kein weiteres Versprechen hinzu, sondern ich werde für den Dienst beauftragt, den ich fortan mein Leben lang tun möchte: Eucharistie feiern, Beichte hören und kranken Menschen durch das Sakrament der Krankensalbung Kraft spenden. Das ist es, worauf ich mich freue.

Frage: Wie bereiten Sie sich auf Ihre Weihe und Primiz vor?

Simon Hof: Wirklich innerlich vorbereiten werde ich mich auf die Weihe vor allem durch die Weiheexerzitien, die ich zusammen mit meinen Weihekollegen in der Woche vor der Weihe ausübe. Auf die Primiz dagegen bereite ich mich vor allem organisatorisch vor. Kelch, Gewand, Liedheftchen, Catering und so weiter wollen alle geplant, gestaltet und fertig gestellt werden. Deswegen träume ich auch bereits seit Wochen von diesem für mich so großen Fest und hoffe natürlich vor allem, dass alles gut gehen wird.

Frage: Welchen geistlichen Wahlspruch haben Sie sich für Ihr priesterliches Leben gegeben?

Simon Hof: Als Primizspruch habe ich mir einen Vers aus dem Matthäusevangelium gewählt: „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.“ (Mt 22,39) Hier steckt für mich einerseits der Auftrag von Jesus selbst drin, den jeder für seine Mitmenschen erfüllen soll und gleichzeitig die Warnung, dass man aber auch nicht über die Grenzen der eigenen Belastbarkeit hinausgehen soll. Das ist speziell in den sozialen und pastoralen Berufen ein verhältnismäßig weit verbreitetes Phänomen.

Frage: Wann haben Sie sich entschieden, den Weg zum Priestertum einzuschlagen?

Simon Hof: Meine Zeit der Vorbereitung war durchaus beträchtlich, doch nicht so lange, wie es für gewöhnlich dauert, um Priester zu werden. Die „normale“ Zeit der Vorbereitung beträgt mindestens sieben, eher acht Jahre, aufgeteilt in Studium und praktische Ausbildung. Eigentlich wollte ich ursprünglich Pastoralreferent werden. Also habe ich mit dem Studium der Katholischen Theologie in Tübingen angefangen. Erst in meinem neunten Semester – also nach immerhin vier Jahren Studium – merkte ich, dass mir das nicht reichte.

Es war im November 2011, als sich alles ändern sollte. Als ich meinen Wunsch nach Frau und Familie aufgab und mich dazu entschied, Priester zu werden und in den Dienst für Jesus und vor allem für seine Menschen einzutreten. Nachdem meine Eltern und ich einen Gottesdienst in der Konkathedrale St. Eberhard besucht hatten, trafen wir auf ein Gemeindemitglied und unterhielten uns darüber, wie viel in unserer Kirche schief läuft und dass wir mehr gute Priester bräuchten.

Es war in diesem Moment, als ich in mir die Frage hörte: „Siehst du nicht, wie sehr ich dich brauche?“ Die Frage ging mir durch Mark und Bein. Bis heute bin ich felsenfest davon überzeugt, dass es Jesus war, der mir diese Frage gestellt hat. Und das war auch das Schöne daran: er hat nicht gesagt „Du wirst jetzt Priester, weil ich das so will!“ Nein, er hat mich gefragt, ob ich ihm nicht helfen will an seiner Kirche mitzuarbeiten. Und nach einigen Wochen intensiver Bedenkzeit musste ich mir eingestehen, dass ich es mir vorstellen konnte, „Ja“ zu diesem Dienst zu sagen und auf Frau und Familie zu verzichten.

Frage: Was sind die Personen und Ereignisse, die Sie auf diesem Weg besonders gestützt und bestärkt haben?

Simon Hof: Sehr wichtig für mich auf diesem Weg war ohne Zweifel meine Mutter, die mich geprägt hat – obwohl sie nicht unbedingt wollte, dass ich diesen Weg einschlage. Natürlich ist mir auch der Rest meiner Familie, mein Vater und meine Schwester, sowie mein engster Freundeskreis enorm wichtig und haben mich bestärkt. Sie stehen voll und ganz hinter meiner Entscheidung – auch wenn sie es teilweise nicht verstehen können. Darüber hinaus gab es auch zwei Priester, die mich seit Jahren begleiten und von denen ich viel gelernt habe.

Frage: Hat es auch Momente des Zweifelns oder Wankens gegeben? Wenn ja, welche?

Simon Hof: Ja, diese Momente hat es gegeben und ich nehme stark an, dass es sie auch in Zukunft geben wird. Zum Beispiel als ich ins Wilhelmsstift in Tübingen zog. Als ich an meinem ersten Abend die Türe hinter mir schloss und in meinem Zimmer stand, wäre ich am liebsten wieder umgedreht und weggelaufen. Nur mit großer Mühe konnte ich mich selbst davon überzeugen, dass es richtig war, was ich tat. Sehr hilfreich dabei war für mich mein Berufungserlebnis. Weil ich davon überzeugt bin, dass ich wirklich dazu berufen bin diesen Dienst zu tun, laufe ich nicht weg.

Frage: Welches theologische Fachgebiet hat Sie warum am meisten fasziniert?

Simon Hof: Vor allem die Kirchengeschichte hat mich tief beeindruckt. Aber auch die Philosophie war für mich immer sehr spannend und interessant. Dagegen gab es auch andere Gebiete, mit denen ich deutlich weniger anfangen konnte und deren Arbeitsweise mir über weite Strecken sehr fragwürdig vorgekommen sind.

Frage: Hat Sie ein bestimmter Theologe oder Philosoph im Studium besonders begeistert?

Simon Hof: Abgesehen von Papst Benedikt XVI., der, glaube ich, beinahe in jeder Vorlesung zitiert wurde, haben mich vor allem die alten Kirchenväter beeindruckt. Antonius, Augustinus aber auch Thomas von Aquin haben mich fasziniert. Obwohl sie schon vor so vielen Jahrhunderten gelebt haben, ist das was sie damals von sich gegeben haben – oder zumindest Vieles davon – schlicht und ergreifend brillant und heute noch gültig.

Frage: Welche Bedeutung hat Ihre Heimatgemeinde St. Josef in Stuttgart-Heslach auf dem Weg ins Priesteramt für Sie gehabt?

Simon Hof: Von klein auf habe ich mich in dieser Gemeinde geborgen gefühlt. Ich sage immer, dass meine „kirchliche Karriere“ gewissermaßen als Schäfchen beim Krippenspiel begonnen hat. Angefangen von der Krabbelgruppe bis hin zu den Ministranten, bei denen ich über zehn Jahre lang mitgewirkt habe, war ich sehr aktiv in meiner Heimat. Mit zunehmendem Alter sind dann aber auch immer wieder kritische Fragen aufgekommen, sodass ich nicht mit allen Entscheidungen mitgehen konnte, die getroffen wurden. Auch theologische Fragen haben sich dabei für mich mehr und mehr aufgeworfen, die ich beantwortet haben wollte. Vermutlich war das auch mit ein Grund, warum ich mit dem Studium der Katholischen Theologie begonnen habe.

Frage: Pfarrer Paul Kugler hat mir verraten, dass Ihre Primiz für die Gemeinde von St. Josef die erste nach gut 60 Jahren ist. Wie erleben Sie die Menschen aus Ihrer Heimatgemeinde im Vorfeld dieses besonderen Gottesdienstes?

Simon Hof: Das ist einfach der Wahnsinn. Wenn ich mir überlege, wie lange das her ist. Vermutlich gibt es in unserer Gemeinde nicht mehr allzu Viele, die sich an damals erinnern können. Deswegen wird es sicherlich auch für die Menschen etwas Besonderes, das man eben nicht jeden Tag erlebt. Was die Vorbereitung auf meine Primiz angeht, so kann ich nur sagen, dass ich überaus dankbar bin, wie viel hier mitgedacht und mitorganisiert wird. Das ist absolut nicht selbstverständlich und macht mich wirklich sehr dankbar. Egal, ob es mein Heimatpfarrer Kugler, unsere Pfarramtssekretärin oder mein Organisations- und Helferteam – ohne die Hilfe dieser Menschen wäre dieses Fest gar nicht möglich. Und wenn ich mit befreundeten Familien rede, merke ich, dass sich die Leute freuen und auch neugierig sind, wie das wohl werden wird und wie dieser Simon Gottesdienst feiern wird, der da als Kleinkind mit Schafspelz über den Kirchenboden gekrabbelt ist.

Frage: Wie viele Gäste erwarten Sie zur Feier Ihrer Primiz?

Simon Hof: Das ist eine schwierige Frage. Denn einerseits gibt es natürlich Leute, die ich eingeladen habe. Freunde, Familie, Kollegen. Auf der anderen Seite ist da die Gemeinde und Menschen, die einfach kommen wollen und diesen Gottesdienst miterleben und mitfeiern möchten. Da ich aber auch noch ein wenig „privat“ feiern möchte, freue ich mich darauf, mit meinen Freunden und Angehörigen zu feiern. Und das werden wohl etwa 130 Personen werden.

Frage: Welche Fähigkeiten sind für einen jungen Priester heute in Ihren Augen besonders wichtig?

Simon Hof: Glaubwürdig sein. Es kann nicht sein, dass ein Priester etwas predigt und sich selber nicht dran hält. Wegweisend ist in diesem Zusammenhang für mich ein Satz von Franz von Assisi geworden: „Verkündet das Evangelium, wenn nötig benutzt Worte.“ Die Leute merken das nämlich sehr schnell ob da einer ist, der glaubwürdig ist.

Darüber hinaus halte ich es für ungemein wichtig, dass sich die Priester den Menschen zuwenden. Und das passiert schon in so kleinen Zeichen wie dem Tragen des Collarkragens, den leider viel zu wenig Priester anziehen. Was dieses kleine Stück Plastik für eine Wirkung hat, ist unwahrscheinlich. Im Alltag in der Gemeinde habe ich den immer an. Da steht sozusagen drauf: „Ich bin für dich da. Sprich mich an.“ Bereits in der kurzen Zeit im Diakonat konnte ich diese Erfahrung machen. Die Fähigkeit, auf Menschen zu zugehen, mit Menschen freundlich und offen in Kontakt zu treten, muss eine Hauptqualität eines Priesters von heute sein.

Frage: Wovor haben Sie als baldiger Neupriester den größten Respekt

Simon Hof: Ich habe großen Respekt vor der Verantwortung, die ich durch diesen Beruf übernehme. Sei es als Zelebrant in der Messe oder vor allem als Beichtvater. Denn die Menschen haben trotz aller Skandale, die die Kirche im Laufe von 2000 Jahren erschüttert haben, nach wie vor ein gewisses Grundvertrauen in uns. Und dieses Vertrauen zu würdigen und zurückzuzahlen wird, denke ich, zentral sein. Davor habe ich ganz gehörigen Respekt.
Frage: Wenn Sie selbst den Ort aussuchen dürften, wo wäre Ihre erste Stelle? Oder steht das etwa schon fest?

Simon Hof: Ich nehme an, dass sich der Bischof das schon gut überlegt hat wo er uns hinschicken wird. Dennoch würde ich natürlich am Liebsten in meine Diakonatsgemeinde nach Ditzingen zurückkehren, wo ich eine unfassbar schöne Zeit verbringen durfte.

Frage: Was erwartet Sie unmittelbar nach der Primiz? Können Sie sich dann erst einmal eine Auszeit gönnen?

Simon Hof: Nein da wird es für mich keine Auszeit geben. Und das will ich ehrlich gesagt auch gar nicht. Ich habe mich nun so lange auf diesen Job vorbereitet, da will ich jetzt endlich auch anfangen, ihn auszuüben. Natürlich habe ich dann einige Tage frei. Das wird auch nötig sein, um die ganzen Eindrücke und Begegnungen zu verarbeiten, die bei diesen beiden Festen auf mich einströmen werden. Und dann darf ich auch schon direkt anfangen, zu arbeiten. Erst als Sommervertretung für meinen ehemaligen Chef in Ditzingen und dann ab Anfang September an der neuen Stelle – wo immer das auch sein wird.

Frage: Wo liegen Ihrer Meinung nach gegenwärtig die größten Herausforderungen für die katholische Kirche in Deutschland?

Simon Hof: Die größten Herausforderungen liegen in meinen Augen darin, aus unserem theologischen Elfenbeinturm wieder heraus und auf die Menschen zu zukommen. Wir haben uns viel zu lange hinter theologischen Formulierungen versteckt, die besonders intelligent oder besonders fromm klingen sollen, die aber vollkommen an der Sprache und der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei gehen.

Für mich ist der Satz von Papst Franziskus in diesem Kontext wichtig geworden: „Die Hirten sollen den Stallgeruch der Schafe annehmen“. Wir müssen eben wieder dahin gehen, wo die Menschen sind. Ich zum Beispiel gehe immer wieder ins Stadion, auf den Wasen, in Clubs und Diskotheken. Natürlich in erster Linie, um selbst Spaß zu haben, aber eben auch, um mir anzuschauen, was die Menschen und speziell die jungen Menschen so beschäftigt. Wie sonst können wir Ahnung von der Welt haben, wenn wir nicht rausgehen und uns lieber hinter unseren Schriften und theologischen Traktaten verstecken?

Frage: Welche Schwerpunkte planen Sie innerhalb Ihres pastoralen Wirkens zu setzen?

Simon Hof: In den ersten vier Jahren als Vikar habe ich noch nicht allzu viele Freiheiten, um selber Schwerpunkte zu setzen, sondern werde auf die Freiräume angewiesen sein, die mir mein Prinzipal lassen wird. Erst als Pfarrer, als Leiter einer eigenen Seelsorgeeinheit, werde ich wirklich ein eigenes pastorales Konzept entwickeln können. In jedem Fall möchte ich aber versuchen, das Beichtehören wieder ins Bewusstsein der Menschen zu rücken, weil ich davon überzeugt bin, dass sehr viele Menschen ein großes Bedürfnis nach einem geschützten Rahmen haben, wo sie einfach alles sagen dürfen.

Frage: Wie muss in Ihren Augen die Kirche der Zukunft aussehen?
Simon Hof: Prinzipiell muss sie, glaube ich, gar nicht so anders aussehen. Ich glaube, dass in der Kirche schon sehr viel Gutes und sehr viel Richtiges passiert, was aber leider viel zu oft von irgendwelchen Eskapaden und Skandalen überfrachtet wird. Ich glaube, dass es wichtig ist, wieder ein freundliches Gesicht zu zeigen.

Kein Mensch wird uns abnehmen, dass wir Spaß und Freude an unserem Glauben haben, wenn wir mit einer Miene wie drei Tage Regenwetter rum laufen. Glaubwürdig den Glauben verkünden: Das fängt bei der Art und Weise an, wie ich den Menschen begegne. Wir haben allen Grund zur Freude! Warum zeigen wir das nicht, indem wir den Menschen mit einem Lächeln begegnen? Rausgehen zu den Menschen und das Evangelium verkünden. Das ist es, was unser Grundauftrag von Jesus selber ist. Wenn wir das nicht tun, dann braucht es uns nicht.

(Katholisches Stadtdekanat Stuttgart, 03.07.2015)


Zur Person:

Simon Hof, am 26.01.88 in Stuttgart im Marienhospital als Sohn eines

Orthopädiemechanikers und einer Realschullehrerin geboren. 2007 Abitur. Danach Aufnahme des Studiums der Katholischen Theologie in Tübingen.

2012 Eintritt ins Wilhelmsstift in Tübingen mit dem Wunsch, Priester zu werden. Juli 2013 Abschluss des Studiums. 15. März 2014 Diakonenweihe in St. Eberhard in Stuttgart. Diakonatsjahr in Ditzingen und Gerlingen.

Simon Hof spielt leidenschaftlich gerne Fußball, ist großer VfB Stuttgart Fan, hört viel Musik, vor allem Hip Hop und Electro, und hat ein Herz für guten Film.

 

Termine:

Die Priesterweihe findet am Samstag, 11. Juli 2015, um 9.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Vitus (Marktplatz 1, 73479 Ellwangen) in Ellwangen statt.

Die Primiz wird am Sonntag, 19. Juli 2015, um 10.30 Uhr in der Kirche St. Josef (Finkenstraße 36, 70199 Stuttgart) in Stuttgart-Heslach gefeiert.

Anschließend wird es einen Umtrunk auf dem Kirchplatz und am Nachmittag ein Beisammensein im Gemeindesaal geben. Die Dankandacht wird am Sonntagabend um 17 Uhr in St. Josef gefeiert. Im Anschluss wird Simon Hof den Primizsegen spenden.


 
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