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Flüchtlingsgespräche – Vom Weggehen und Ankommen

„Das Leben ist ein kurzes Wort, aber so lang an Erfahrungen“

 

Von Ende Januar bis Anfang Februar haben Autoren, Musiker und internationale Gäste aus Politik, Wissenschaft sowie Journalismus unter dem Motto „Flüchtlingsgespräche – Vom Weggehen und Ankommen“ auf den Stuttgarter Flüchtlingsgesprächen von ihren Erfahrungen von Flucht, Vertreibung und Ausgrenzung berichtet. Herzstück dieser „Flüchtlingsgespräche“ ist die literarische Schreibwerkstatt gewesen, die im November und Dezember 2014 vom Literaturhaus Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Stiftung Katholische Kirche in Stuttgart und dem Katholischen Bildungswerk Stuttgart e.V. stattgefunden hat.

Dabei konnten Asylanten und Flüchtlinge von ihrer Heimat, ihrem Weggehen und Ankommen in Stuttgart erzählen. Es war ein Experiment unter Leitung des Schriftstellers José F. A. Oliver, das am vergangenen Sonntag, den 01. Februar 2015 im Literaturhaus im Beisein von acht Flüchtlingen zu einem berührenden Abschluss kam.

Dreimal hat sich Oliver mit neun Flüchtlingen aus Pakistan, Indien, Serbien, Georgien, Algerien und Kirgistan getroffen. Zunächst wurde erzählt – von sich, von Gründen der Flucht, ohne ins Detail zu gehen. Denn die genauen Umstände zu erzählen, die die Einzelnen bewogen und gezwungen hatten zu flüchten, sind eine Frage von beidseitigem Vertrauen und der „Offenheit“ desjenigen, der zuhört. Dieses Vertrauen musste wachsen. Erst nach und nach fügte es sich, dass die Erzählungen der jeweiligen Flucht und der so unterschiedlichen Gründe, die „Heimat“ zu verlassen, besprochen und zu Papier gebracht werden konnten. Die Autoren möchten nicht namentlich genannt werden, um sich und ihre Angehörigen zu schützen.

 

Textproben aus der Schreibwerkstatt:

Brief an die Mutter

Dieser Brief ist an dich gerichtet, liebe Mutter. Du fehlst mir, weil ich dich in dieser Lebensphase nicht sehen kann. Wie geht es dir, Mutter? Ich hoffe, du bist gesund. Wie geht es zu Hause? Was machen mein Vater, meine Brüder? Es fehlt mir, bei euch zu sitzen, mit euch zu sprechen, gemeinsam zu lachen. Ich schreibe dir diese Zeilen, weil ich mir vorstellen kann, wie schwer es auch für dich ist, mich nicht zu sehen. Wenn eine Mutter ihre Kinder nicht sieht, dann wird das Leben wertlos für sie – das weiß ich. Aber mir geht es gut, Mutter. Beunruhige dich nicht. Ich bin gesund. Der Tag wird kommen, an dem du mich sehen und mich in deine Arme schließen und an deine empfindsame Brust drücken kannst. Dann wirst du glücklich und stolz auf mich sein. Ich danke dir für alles, Mutter.

Text eines Flüchtlings aus Algerien (28)

 

Brief über das Leben

Das Leben ist schön und birgt viele Unwägbarkeiten. Die guten und die schlechten. Es gibt Erinnerungen, die furchtbar sind, aber auch andere, die glücklich machen. Das Leben ist ein kurzes Wort, aber so lang an Erfahrungen. Es muss immer der Liebe gewidmet sein und schreibt sich in die Arbeit und den Glauben ein. Das macht es so schwer. Aber umso schöner, wenn der Mensch es zu meistern weiß, denn das Leben liebt den Menschen, und für den Menschen ist das Leben das größte Bedürfnis.

Text eines Flüchtlings aus Algerien (21)

 

Freiheit

Ich brauche Freiheit für alles, was ich schreibe.
Ich brauche Freiheit für meine Religion.
Ich brauche Freiheit für mein Leben.
Ich brauche Freiheit für meine Familie.
Ich brauche Freiheit für die Liebe.
Ich brauche Freiheit, um sagen zu können, was ich denke.
Ich brauche Freiheit, um spazieren gehen zu können ohne Angst.
Ich brauche Freiheit, um mit meiner Familie zusammen bleiben zu können.
Ich brauch Freiheit, damit ichkeine Angst mehr haben muss.

Ich werde immer für die Freiheit kämpfen.

Text eines Flüchtlings aus Pakistan (22)

 

Das gesamte Programm der Flüchtlingsgespräche können Sie unter www.literaturhaus-stuttgart.de finden.

(Katholisches Stadtdekanat Stuttgart, 03.02.2015)


 
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