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Der Sessel ist frei für den nächsten Gast.

Kein Leben ohne Kunst heißt es beim nächsten Talk

Beim nächsten Talk am Dom geht es um die Kunst. Christiane Lange, die Direktorin der Staatsgalerie, wird erzählen, warum sie sich ein Leben ohne Kunst nicht vorstellen kann. Der katholische Stadtdekan Christian Hermes empfängt die Kulturschaffende am Donnerstag, 20. Juli, um 19 Uhr im Haus der Katholischen Kirche zum lockeren Gespräch. Die neue Gesprächsreihe, in der der Stadtdekan in die Rolle des Gastgebers und Moderators schlüpft, ist in diesem Frühjahr gestartet. Was es mit dem Talk am Dom auf sich hat, erklärt Christian Hermes im Interview. 

Warum braucht es einen Talk am Dom, Herr Hermes?

In meiner Rolle als Stadtdekan treffe ich viele interessante und spannende Menschen aus der Stadtgesellschaft. Diese Begegnungen mit Kulturschaffenden, Wirtschaftsvertretern, Politikern, Städteplanern, sozial und gesellschaftlich Engagierten, Vertretern anderer Religionen empfinde ich als sehr bereichernd und stelle immer wieder fest, dass sich tolle Schnittpunkte zur Kirche ergeben. Der Austausch mit den Menschen bereitet mir Vergnügen und er bringt viele neue Ideen hervor. Das war für mich der Anlass, ein solches Veranstaltungsformat einfach mal auszuprobieren.

Was unterscheidet den Talk am Dom von anderen Talkshows?

Das Besondere an diesem Talk besteht darin, dass ich selbst Gastgeber und Gesprächspartner bin, nicht nur neutraler Moderator. Der Talk am Dom soll ein echter inhaltlicher Dialog werden. Ich bin ein großer Fan der sokratischen Methode des Dialogs und bin überzeugt davon, dass man dadurch weiterkommt. Das heißt nicht, dass man sofort eine Lösung präsentieren kann, aber im besten Fall können durch den Austausch von Argumenten und Betrachtungsweisen vielleicht tatsächlich Perspektiven für Lösungen aufgezeigt werden. Oder man macht einfach nur deutlich, es gibt eben verschiedene Blickwinkel auf ein Thema.

Die Besucher können also mit vielen Streitgesprächen rechnen?

Es geht um Menschen, die Argumente und Ansichten ins Gespräch bringen. Wenn man sich dabei nur gegenseitig streicheln und bestätigen würde, wäre das für die Gäste sicher auch langweilig. Die Erfahrung im persönlichen Gespräch zeigt mir, dass viele es sogar erwarten, dass sich die Kirche mit ihren bisweilen widerständigen Positionen in die Diskussion einbringt. Klar ist aber auch, dass es für die Gesprächspartner und die Gäste ein angenehmer und anregender Abend werden soll und sie vielleicht mit neuen Einsichten nach Hause gehen.


Um welche Themen wird es gehen?

Es wird um alle Themen gehen können, die gerade aktuell sind in unserer Stadtgesellschaft. Das Spektrum werden wir bewusst breit halten und Menschen aus dem Kulturbereich, dem Sozialen genauso einladen wie aus der Wirtschaft. Es kann um Ökologie gehen, um soziale Gerechtigkeit, um Stadtentwicklung, um Kunst. Es bleibt kein Bereich ausgeschlossen. Vor allem: Wir möchten mit diesem Format auch kurzfristig auf Themen reagieren, die Stadtgespräch sind und uns umtreiben.

Wie sieht es mit kritischen innerkirchlichen Fragen aus? Werden diese ausgespart?

Natürlich nicht. Die Glaubwürdigkeit dieses Talkformates hängt davon ab, dass die Gäste das Gefühl haben, gut behandelt zu werden und mit ihren Positionen zu Wort zu kommen. Zum zweiten dürfen kritische kirchliche Themen nicht ausgespart bleiben. Auch ich möchte mich bewusst den Fragen und kritischen Sichtweisen anderer aussetzen, das kann uns ja nur weiterbringen. Es geht im Talk am Dom nicht darum, die Kirche super aussehen zu lassen, wo sie nicht super aussieht, vielmehr müssen in einer offenen Aufrichtigkeit schwierige Themen innerhalb der Kirche angesprochen werden.


Sie treten als Stadtdekan schon jetzt sehr politisch auf. Wie viel Politik lässt ihr Amt als katholischer Stadtdekan zu?

 
Politik ist ja nicht die Spezialaufgabe von Experten oder gewählten Politikern, auch nicht das Monopol von Parteien. Die Polis ist die staatliche Gemeinschaft und die „Res Publica“ ist die Sache aller Bürger. Insofern sind alle Bürger dazu berufen, sich für das Gemeinwesen zu engagieren. Wer sagt, die Kirche soll sich raushalten, sich aufs Beten konzentrieren, betet kirchenfeindliche Propagandasprüche aus der Kirchenkampfzeit des 19. Jahrhunderts oder aus der DDR nach. Religion ist aber eben keine Privatsache, es geht um das Wohl und Heil der Menschen und zwar nicht erst im Jenseits und nicht nur individuell. Wir dürfen uns nicht in religiöse Kuschelnischen zurückziehen, sondern die relevanten Themen unserer Zeit ansprechen.



Wer den ersten Talk am Dom auf Facebook nachträglich anschauen möchte, hat auf der Facebook-Seite der katholischen Kirche in Stuttgart die Gelegenheit dazu https://www.facebook.com/kathStadtdekanatStuttgart/?ref=bookmarks. 

 

Die nächsten Gäste sind:

Christiane Lange, die Direktorin der Staatsgalerie, ist am Donnerstag, 20. Juli, um 19 Uhr zu Gast. Der Titel lautet: "Kein Leben ohne Kunst"

Monika Stolz, Landtagsabgeordente, Ministerin a.D. und Vorsitzende der Kommission sexueller Missbrauch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, wird am Donnerstag, 21. September, um 19 Uhr über den Umgang der Kirche mit dem Thema Kindesmissbrauch sprechen. Der Titel des Abends: "Kinderschutz - was die Kirche lernen muss!"

Christoph Reisinger, Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten, stellt sich am Donnerstag, 23. November, um 19 Uhr der Frage: "News, Fake, Lügenpresse -  Ist der Journalismus am Ende?"

 

(Die Fragen stellte Nicole Höfle)

 

 


 
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