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Bald wird der erste Gast in dem Sessel Platz nehmen.

Talk am Dom startet mit Wieland Backes und seinem Gottesbild

Der katholische Stadtdekan Christian Hermes startet im März mit einem neuen Talkformat im Haus der katholischen Kirche. Beim „Talk am Dom“ schlüpft der Theologe in die Rolle des Gastgebers und Gesprächspartners. Der erste Gast am Mittwoch, 29. März, um 19 Uhr, ist Wieland Backes, der Altmeister der Talkshow, der selbst lange Jahre das Nachtcafé moderiert hat. Unterhalten werden sich die beiden über Gottesbilder, gute und schlechte Erfahrungen mit Kirche und gute und schlechte Gründe, ein Atheist zu sein. Der Titel des ersten Talks am Dom lautet: Abschied vom lieben Gott. Im Interview erklärt Christian Hermes, was sich hinter der neuen Gesprächsreihe verbirgt.

Warum braucht es einen Talk am Dom, Herr Hermes?

In meiner Rolle als Stadtdekan treffe ich viele interessante und spannende Menschen aus der Stadtgesellschaft. Diese Begegnungen mit Kulturschaffenden, Wirtschaftsvertretern, Politikern, Städteplanern, sozial und gesellschaftlich Engagierten, Vertretern anderer Religionen empfinde ich als sehr bereichernd und stelle immer wieder fest, dass sich tolle Schnittpunkte zur Kirche ergeben. Der Austausch mit den Menschen bereitet mir Vergnügen und er bringt viele neue Ideen hervor. Das war für mich der Anlass, ein solches Veranstaltungsformat einfach mal auszuprobieren.

Was unterscheidet den Talk am Dom von anderen Talkshows?

Das Besondere an diesem Talk besteht darin, dass ich selbst Gastgeber und Gesprächspartner bin, nicht nur neutraler Moderator. Der Talk am Dom soll ein echter inhaltlicher Dialog werden. Ich bin ein großer Fan der sokratischen Methode des Dialogs und bin überzeugt davon, dass man dadurch weiterkommt. Das heißt nicht, dass man sofort eine Lösung präsentieren kann, aber im besten Fall können durch den Austausch von Argumenten und Betrachtungsweisen vielleicht tatsächlich Perspektiven für Lösungen aufgezeigt werden. Oder man macht einfach nur deutlich, es gibt eben verschiedene Blickwinkel auf ein Thema.

Die Besucher können also mit vielen Streitgesprächen rechnen?

Es geht um Menschen, die Argumente und Ansichten ins Gespräch bringen. Wenn man sich dabei nur gegenseitig streicheln und bestätigen würde, wäre das für die Gäste sicher auch langweilig. Die Erfahrung im persönlichen Gespräch zeigt mir, dass viele es sogar erwarten, dass sich die Kirche mit ihren bisweilen widerständigen Positionen in die Diskussion einbringt. Klar ist aber auch, dass es für die Gesprächspartner und die Gäste ein angenehmer und anregender Abend werden soll und sie vielleicht mit neuen Einsichten nach Hause gehen.


Um welche Themen wird es gehen?

Es wird um alle Themen gehen können, die gerade aktuell sind in unserer Stadtgesellschaft. Das Spektrum werden wir bewusst breit halten und Menschen aus dem Kulturbereich, dem Sozialen genauso einladen wie aus der Wirtschaft. Es kann um Ökologie gehen, um soziale Gerechtigkeit, um Stadtentwicklung, um Kunst. Es bleibt kein Bereich ausgeschlossen. Vor allem: Wir möchten mit diesem Format auch kurzfristig auf Themen reagieren, die Stadtgespräch sind und uns umtreiben.

Wie sieht es mit kritischen innerkirchlichen Fragen aus? Werden diese ausgespart?

Natürlich nicht. Die Glaubwürdigkeit dieses Talkformates hängt davon ab, dass die Gäste das Gefühl haben, gut behandelt zu werden und mit ihren Positionen zu Wort zu kommen. Zum zweiten dürfen kritische kirchliche Themen nicht ausgespart bleiben. Auch ich möchte mich bewusst den Fragen und kritischen Sichtweisen anderer aussetzen, das kann uns ja nur weiterbringen. Es geht im Talk am Dom nicht darum, die Kirche super aussehen zu lassen, wo sie nicht super aussieht, vielmehr müssen in einer offenen Aufrichtigkeit schwierige Themen innerhalb der Kirche angesprochen werden.


Sie treten als Stadtdekan schon jetzt sehr politisch auf. Wie viel Politik lässt ihr Amt als katholischer Stadtdekan zu?

 
Politik ist ja nicht die Spezialaufgabe von Experten oder gewählten Politikern, auch nicht das Monopol von Parteien. Die Polis ist die staatliche Gemeinschaft und die „Res Publica“ ist die Sache aller Bürger. Insofern sind alle Bürger dazu berufen, sich für das Gemeinwesen zu engagieren. Wer sagt, die Kirche soll sich raushalten, sich aufs Beten konzentrieren, betet kirchenfeindliche Propagandasprüche aus der Kirchenkampfzeit des 19. Jahrhunderts oder aus der DDR nach. Religion ist aber eben keine Privatsache, es geht um das Wohl und Heil der Menschen und zwar nicht erst im Jenseits und nicht nur individuell. Wir dürfen uns nicht in religiöse Kuschelnischen zurückziehen, sondern die relevanten Themen unserer Zeit ansprechen.

Der erste Gast wird Wieland Backes sein. Was werden Sie ihn fragen?

Ich freue mich zunächst einmal sehr, dass zum Auftakt Wieland Backes kommt. Er ist der Master of Talk hier in Baden-Württemberg, das ist eine Ehre und große Freude für mich. Wir werden aber gar nicht über das Talken talken, sondern über den sogenannten „Lieben Gott“ sprechen, ein Thema, zu dem man Wieland Backes noch nicht oft gehört hat, wozu er aber eine sehr klare und für manche sicherlich auch unbequeme Position hat. Ist der „liebe Gott“, mit dem viele aufgewachsen sind, überhaupt so lieb? Muss man sich von bestimmten Gottesbildern verabschieden, oder von einem Gottesglauben überhaupt? Ich bin sicher, es wird ein spannender und unterhaltsamer Abend.  

(Die Fragen stellte Nicole Höfle, 16. März 2017)

 

 


 
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