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Landtagspräsidentin Muhterem Aras beim Osterempfang

Deutliche Worte gegen die Leitkultur-Debatte

260 Gäste aus Politik, Kultur, Kirche und dem Sozialen sind am Mittwochabend der Einladung zum Osterempfang der katholischen Kirche in Stuttgart gefolgt. Gastrednerin war die Landtagspräsidentin Muhterem Aras, die der Kirche für ihr soziales Engagement dankte, aber auch eine kirchlich-politische Wachsamkeit" einforderte. Auf die sich durch den Abend ziehende Frage "Was uns zusammenhält", antwortete Aras in ihrer Rede im Haus der Katholischen Kirche: die aktuelle Debatte über die Leitkultur sei es nicht, vielmehr seien es Werte wie Respekt, Solidarität, Offenheit, Verantwortung und eine streitbare Demokratie".

In ihrer phasenweise sehr persönlichen Rede distanzierte sich die Landtagspräsidentin Muhterem Aras deutlich von der Leitkultur-Diskussion: Die aktuelle Debatte grenzt aus, ist überflüssig und nicht zielführend." Sie plädierte dafür, wieder Werte in den Mittelpunkt zu stellen, das Sozialstaatsprinzip hoch zu halten und Bildungsgerechtigkeit zu fördern. Sie forderte ein Einwanderungsgesetz auf Bundesebene, plädierte für die Einführung von muttersprachlichem Unterricht unter staatlicher Aufsicht im Land und für eine flächendeckende Ausweitung des islamischen Religionsunterrichts an den Schulen in Baden-Württemberg. Die Kirchen sieht Aras als wichtigen Garanten für mehr soziale Gerechtigkeit in der Gesellschaft: Sie müssen die Finger an die Stellen legen, die ausgeblendet werden und weiter den Menschen, die am Rande stehen, eine Stimme geben. Wir müssen zu mehr sozialer Gerechtigkeit zurückfinden."

Aras dankte der katholischen Kirche ausdrücklich für ihr Engagement bei der Integration von Flüchtlingen und führte das von der Caritas betriebene Haus Martinus in Stuttgart als gutes Beispiel an. Dessen Neubau ist um Monate verschoben worden, damit das Haus übergangsweise als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden konnte. Sie dankte dem Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes zudem für seine deutliche Positionierung gegen rechtsnationale Kräfte, durch die der bestehende Wertekonsens in Frage gestellt werde. Die Landtagspräsidentin nahm den Osterempfang aber auch zum Anlass für eine kritische Botschaft an die Adresse der katholischen Kirche: Sie müssen sich Gedanken über die Rolle der Frauen in ihrer Kirche machen", so Muhterem Aras. Sie freue sich über den Vorstoß von Bischof Gebhard Fürst, das Diakonat für Frauen einzuführen und stellte fest: Auch dies ist für den Zusammenhalt wichtig."

Der katholische Stadtdekan Christian Hermes kam in seiner Begrüßungsrede ebenfalls auf die Debatte zur Leitkultur zu sprechen, wenn auch auf sehr humorvolle Weise. Das Osterlachen, das in früheren Zeiten sogar Pflicht war - der Pfarrer musste am Ende der Ostermesse die Gemeinde zum Lachen bringen - ist für uns als Christen Ausdruck der Osterfreude und des Auslachens des Todes." Ganz in diesem Sinne und mit Blick auf eine aktuelle Untersuchung, wonach in den 1950er Jahren die Deutschen dreimal so viel gelacht hätten, brachte er die Gäste des Osterempfangs zum Lachen, indem er feststellte: Früher war mehr Lachen. Um so trauriger, dass der für seinen Humor berühmte Bundesinnenminister de Maizière bei seinen zehn Geboten nicht den Mut hatte, klar und unmissverständlich zu postulieren: Lachen ist Leitkultur! Es muss wieder mehr gelacht werden in diesem Land!"

Deutlich ernster wurde der Stadtdekan bei einem anderen Thema: der Kampagne der AfD gegen den Stuttgarter Caritasverband. Nachdem es in der vergangenen Woche im Zusammenhang mit einer Demonstration gegen die AfD zu einem tätlichen Angriff gegen einen ihrer Stadträte in Zuffenhausen gekommen war, wurde und wird der Caritasverband von einem Shitstorm überzogen. Ich verurteile als Stadtdekan und Vorsitzender des Caritasrates die Diffamierung unseres Verbandes und die Verleumdung, die Leitung des Verbandes hätte gewaltsame Übergriffe begünstigt oder toleriert, aufs Schärfste", sagte Hermes.  Die Reaktion der AfD zeige, dass es richtig und wichtig sei, friedlichen Protest gegen diese rechtsnationale Bewegung zu unterstützen. Ebenso verurteilen wir selbstverständlich die inakzeptablen Übergriffe von Linksradikalen. Wir brauchen in dieser Stadt keine Hetzer und Schläger, von keiner politischen Seite", so der Stadtdekan.

Abschließend beantwortete auch der Gastgeber Hermes die Frage danach, was uns zusammenhält: Es wird niemanden wundern, dass ich das christliche Menschenbild und das damit verbundene Ethos zu dem zähle, was gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken kann."

(Text: Nicole Höfle, katholisches Stadtdekanat, Fotos: Martin Stollberg, 4. Mai 2017)

 

 

 


 
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