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St. Maria soll sich verändern, aber geweihter Ort bleiben.

Gemeinde sucht Ideen für die Zukunft von St. Maria

Bürgerbeteiligung und katholische Kirche, das dürfte für viele Menschen nicht so leicht zusammengehen. Die katholische Kirche in Stuttgart macht jetzt den Versuch am Beispiel von St. Maria. Die Marienkirche in der Tübinger Straße ist ein architektonisches Schmuckstück in Zentrumsnähe, aber das Gotteshaus ist innen stark renovierungsbedürftig. Zudem ist die Kirche für die Bedürfnisse der Gemeinde zu groß geworden. Die Gemeinde und das Stadtdekanat haben dies zum Anlass genommen, eine Bürgerbeteiligung im Kleinen anzustoßen. St. Maria wird ein geweihter Ort bleiben, die Gemeinde wird dort auch weiterhin ihre Gottesdienste feiern. Welche Nutzungen aber sind darüber hinaus möglich?

Mit dem Projekt angesprochen werden sollen Menschen, die an Kirche und Stadtentwicklung interessiert und die bereit sind, Ideen für den Kirchenraum zu entwickeln. Bei dem Projekt unterstützt wird die   katholische Kirche von dem Verein Stadtlücken.


Ideenschenker und die weitere Ideensuche


Um einen Anstoß zu geben, haben in den vergangenen Wochen 60 Ideenschenker aus Politik, Kultur, Verwaltung und dem Sozialen ein Päckchen erhalten, in dem sich Pläne der Marienkirche, Buntstifte, ein Teebeutel und ein Stick fanden. Darin enthalten war auch die herzliche Einladung, Vorschläge zu entwickeln, wie das Gotteshaus in der Tübinger Straße über die regelmäßigen Gottesdienste hinaus genutzt werden könnte. Erste Ideen sind in dieser Woche auch bereits zurückgekommen. Diese sehen St. Maria auch als Ort für Kunstausstellungen und Kunstprojekte, als Ort interreligiöser Treffen, als Ort der Tischgemeinschaft und Gastronomie, als seelsorgerlich-therapeutisches Zentrum oder als caritativen Begegnungsort. Da über die Ideenschenker hinaus alle an der kirchlichen Entwicklung interessierten Menschen angesprochen werden sollen, schließt sich in den nächsten Wochen eine offene Beteiligung an. Von Samstag, 20. Mai, bis Samstag, 3. Juni, wird es in der Marienkirche eine Werkstatt geben, in der Besucher Vorschläge malen, beschreiben oder basteln können. In dieser Zeit werden von Dienstag bis Sonntag zwischen 12 bis 18 Uhr Ansprechpartner aus der Gemeinde in der Kirche sein. Am Montag bleibt die Kirche geschlossen. Einige der eingegangenen Ideen werden in der Kirche ausgestellt. Wer nicht in die Tübinger Straße kommen kann, hat über die Facebook-Seite St. Maria (www.facebook.com/stmariaals) die Möglichkeit, Vorschläge einzubringen. Darüber, welche Ideen umgesetzt und finanziert werden, entscheiden die Gemeinde und das Stadtdekanat Stuttgart im Einvernehmen mit der Diözese.


St. Maria - prominentes Beispiel für die Standortentwicklung der katholischen Kirche Stuttgart

 

Die katholische Kirche in Stuttgart befindet sich an vielen Orten im Aufbruch. Mehr als 20 Standorte werden parallel weiterentwickelt, einer davon ist die Marienkirche. St. Maria ist eine der architektonisch wertvollsten katholischen Kirche in Stuttgart, die mit hohem Aufwand außen saniert worden ist. Schon jetzt ist absehbar, dass die Innensanierung des neugotischen Gotteshauses hohe Kosten mit sich bringen wird. „Eine einfache Standortsanierung bliebe unter dem Potential dieser architektonisch herausragenden Kirche, der noch dazu durch ihre prominente Lage in der Innenstadt eine besondere Bedeutung zukommt“, sagt der katholische Stadtdekan Christian Hermes. Die Kirche ist nicht nur für die Gemeindemitglieder, sondern für viele Menschen im Süden ein wichtiger Ort. „Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, den Horizont so weit wie möglich zu öffnen. Wir sehen uns als Kirche in der Stadt und wollen uns nicht auf eine Nische zurückziehen, sondern im Gegenteil die Stadtgesellschaft einbeziehen.“ Hermes sieht den Beteiligungsprozess als Experiment. „Wenn wir gute Erfahrungen machen, kann ich mir eine solche Ideenfindung auch andernorts vorstellen.“

Für Paul Kugler, den leitenden Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Süd, ist St. Maria eine typische Großstadtgemeinde – mit allen Vor- und Nachteilen. „Viele Menschen kommen tagsüber als Besucher in die Kirche, weil die Tübinger Straße für Fußgänger und Radfahrer die Verbindungsstraße zwischen der Innenstadt und dem Süden ist. Die Kirche ist gut frequentiert, aber unsere Gemeindemitglieder wohnen nicht mehr in der Nähe der Kirche, was für das Gemeindeleben schwierig ist“, so Kugler. Auch ist die Kirche für die Bedürfnisse der Gemeinde alleine zu groß, deshalb sieht der leitende Pfarrer die offene Ideenfindung als große Chance für die Gesamtkirchengemeinde und für den Stadtbezirk. Rund um die Kirche ist in den vergangenen Jahren viel passiert, mit den Veränderungen an der Paulinenbrücke, dem Neubau des Gerber. „Jetzt muss auch bei uns etwas passieren“, so Kugler.

Auch Domenik Schleicher, der zweite Vorsitzende von St. Maria, stellt fest, dass das klassische Gemeindeleben in St. Maria nicht mehr funktioniere, weil viele der treuen und aktiven Ehrenamtlichen wegen hoher Immobilienpreise an den Stadtrand gezogen seien. „Wir verfallen deswegen nicht in Depression, sondern suchen nach neuen Wegen“, so Schleicher. Er hofft, dass mit St. Maria neben den Zentren für Jugendpastoral und Kirchenmusik und dem geplanten Spirituellen Zentrum ein weiterer kirchlicher Leuchtturm in der Stadt entstehen wird.

Den Beteiligungsprozess maßgeblich mitgestaltet haben die Mitglieder des Vereins Stadtlücken, die im vergangenen Jahr mit einer zweiwöchigen Aktion rund um den Österreichischen Platz auf sich und ihre Interessen aufmerksam gemacht haben. Die Akteure der Stadtlücken haben sich 2016 zusammengefunden, aus dem Bedürfnis heraus, den städtischen Lebensraum mitzugestalten und Aufmerksamkeit für den Stadtraum zu wecken. Sie haben die Idee von „St. Maria als“ entwickelt: „Uns ist es wichtig, dass es Orte gibt, an denen der persönliche Kontakt zwischen Menschen entstehen kann und wir wieder miteinander ins Gespräch kommen können“, sagt Sebastian Klawiter von den Stadtlücken. Für die jungen Stadtplaner, Gestalter und Architekten ist allein schon der Kirchenraum spannend. „Diesen großzügigen Raum zu betreten löst viele Gefühle aus, einmal aufgrund der gebauten Atmosphäre, zum anderen aufgrund der Werte, die mit einem Kirchenraum verknüpft sind“, so Klawiter.


Geschichte der Marienkirche mit Zahlen und Fakten zur Gemeinde

 

St. Maria, erbaut in den Jahren 1871 bis1879 im neugotischen Stil, wurde nach der Eberhardskirche als erster Neubau einer katholischen Kirche in Stuttgart nach der Reformation errichtet, damals nahezu am Stadtrand. Im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, wurde sie bis 1950 wiederaufgebaut und schließlich um die Jahrtausendwende außen umfassend renoviert. Die Innenrenovierung soll in den nächsten Jahren folgen. Da die Untersuchungen von Decken und Wänden der Kirche noch nicht abgeschlossen sind, ist noch nicht klar, wie hoch die Umbaukosten sein werden. St. Maria gehört heute mit den Gemeinden St. Josef in Heslach und St. Antonius von Padua in Kaltental zur Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Süd mit insgesamt 12 000 Katholiken, von denen rund 6000 auf dem Gemeindegebiet von St. Maria leben. Flächenmäßig zieht sich das Gemeindegebiet St. Maria vom Heusteig- und Leonhardsviertel bis zum Lehenviertel am Marienplatz. Die Marienkirche wird auch von der englischen Gemeinde als Gottesdienstort genutzt. Die Gemeinde hat sich im Jahr 2015 von ihren Gemeinderäumen in der Fangelsbachstraße getrennt und hofft, mit dem Umbau der Marienkirche wieder Räumlichkeiten zu erhalten.


Veranstaltungsreihe rund um die Ideensuche


 - Die Ausstellung in der Marienkirche wird am Samstag, 20. Mai, 17 Uhr, offiziell eröffnet. Es gibt Reden, einen kleinen Imbiss und die Möglichkeit, in der Werkstatt weitere Ideen einzubringen. Bei Einbruch der Dunkelheit wird der Stuttgarter Lichtkünstler Laurenz Theinert das Gotteshaus mit seinem selbst erfundenen Lichtpiano beleuchten.


-  Am Mittwoch, 24. Mai, heißt es um 18 Uhr „Jazzen und Schmatzen mit Loretta“. Die Stuttgarter Gastronomin lädt bei Jazzmusik zur Tischgemeinschaft.


-  Am Donnerstag, 25. Mai, um 19 Uhr laden die Stadtlücken unter dem Motto „Einmal im Monat“ zu einem Diskussionsabend zu dem Thema, wie Kirchen genutzt werden können.


-  Am Samstag, 27. Mai, 20 Uhr, tritt der australische Liedermacher Tim McMillan in St. Maria auf.


-  Am Dienstag, 30. Mai, um 20 Uhr werden sich der Domorganist Johannes Mayr und der Performancekünstler Thomas Putze auf ungewöhnliche Weise mit der Grablegung Jesu beschäftigen.


-  An den Sonntagen, 21. Mai und 28. Mai, lädt die Gemeinde um 11 Uhr zum Gottesdienst. Am 28. Mai wird im Gottesdienst ein Kind getauft. Auch zum Abschluss der Veranstaltungsreihe wird am Samstag, 3. Juni, um 21 Uhr ein ökumenischer "abendrot.Gottesdienst" zum Thema "Pfingsten - Wenn die Funken fliegen" gerfeiert. Die "abendrot"-Gottesdienste richten sich an junge und junggebliebene Menschen verschiedener Konfessionen und werden gestaltet von katholischen und evangelischen Theologen und Ehrenamtlichen aus Bad Cannstatt.

(Nicole Höfle, katholisches Stadtdekanat, 11. Mai 2017)


 
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