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Kirche St. Stefan wird zum Ort für Bücher, Familien und Kultur

Das Gotteshaus im Westen ist profaniert

  
In den vergangenen drei Jahren hat die Kirche St. Stefan in der Rotenwaldstraße im Stuttgarter Westen die meiste Zeit leer gestanden. Ende Dezember wurde die Kirche mit ihren 120 Plätzen profaniert. Nach einem kurzen Umbau wird im März die Buchhandlung „Buch und Spiel“ mit begleitendem Kulturprogramm offiziell eröffnen. Die Buchhandlung soll zu einem kleinen Begegnungszentrum für den Stadtteil werden, eine enge Kooperation mit dem Kinderhaus und Familienzentrum St. Stefan ist geplant. „Auch wenn der Abschied von der Kirche schwer fällt, freuen wir uns, dass St. Stefan zu einem Ort der Literatur, Musik und Kultur und zu einem Ort der Begegnung für Familien wird“, sagt Werner Laub, der leitende Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-West/Botnang, zu der St. Stefan gehört. 

Am Ende des Profanierungsgottesdienstes hat die Gemeinde das Kreuz aus der Kirche getragen – als sichtbares Zeichen dafür, dass St. Stefan kein geweihter Ort mehr ist. Im Kirchenraum bleiben Altar, Tabernakel und Ambo zurück, die alle künftigen Besucher der Buchhandlung an das Gotteshaus erinnern werden. „Es ist wunderbar, dass diese sakralen Gegenstände bleiben, wir werden einen würdigen Rahmen schaffen.  Was in dem Raum ist, hat unsere Kultur und damit auch uns geprägt“, sagt die Lektorin, Verlagsgründerin und Inhaberin der Buchhandlung „Buch und Spiel“, Marie-Luise Zeuch. Der 64-Jährigen ist es ein Anliegen, nicht nur Buchhandlung zu sein, sondern ein Begegnungszentrum für den Stadtteil. „Ich möchte die Kirchentür weit öffnen und auch Menschen begrüßen, die Ruhe suchen, die eine halbe Stunde Zeit für sich brauchen oder die nur ein bisschen Stöbern möchten.“ Anfang März soll die Eröffnung gefeiert werden, der genaue Termin ist davon abhängig, wie lange die erforderlichen Umbauarbeiten dauern werden.

Pfarrer Werner Laub sieht die Kirche St. Stefan künftig als Ort der Kultur und der Begegnung. „Ich sehe ,Buch und Spiel´ als Bereicherung für das benachbarte Familienzentrum und das Kinderhaus St. Stefan.“ Im Januar werden sich alle Beteiligten treffen und ausloten, welche Kooperationen möglich sind. Gedacht ist beispielsweise an Spielenachmittage für Kinder und Erwachsene, an Bilderbuch-Lese-Nachmittage, auch ein Lesekreis soll sich in St. Stefan ansiedeln. Geplant sind aber auch andere musikalische und literarische Veranstaltungen. „Wir haben als Gemeinde lange nach einer Lösung für die Kirche gesucht und sind froh, einen guten Weg gefunden zu haben“, so Werner Laub.

Die Kirche St. Stefan ist 1976 als Filialkirche von St. Elisabeth eröffnet worden mit dem klaren Ziel, die größte katholische Gemeinde im Stuttgarter Westen zu entlasten. In dem Wohngebiet nahe dem Westbahnhof lebten damals viele Katholiken, die die Kirche, Gemeindezentrum und den Kindergarten dankbar annahmen. „Viele Jahrzehnte lang gab es in St. Stefan ein reges Gemeindeleben, nicht nur das Stefansfest war legendär“, erzählt Pfarrer Laub. In den vergangenen Jahren aber zogen viele junge Familien ins Umland und die Gemeinde wurde immer kleiner. Zuletzt waren die Gottesdienste in St. Stefan nur mehr spärlich besucht, so dass der Kirchengemeinderat von St. Elisabeth vor drei Jahren entschied, dort keine Gottesdienste mehr anzubieten.

(Nicole Höfle, katholisches Stadtdekanat, Dezember 2017)


 
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