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Un Joo Kim hat sich an Ostern in St. Eberhard taufen lassen.

Über die Architektur zum katholischen Glauben

Die gebürtige Koreanerin Un Joo Kim hat sich in der Osternacht taufen lassen. „Es waren die Kirchenräume, die mein Interesse an der christlichen Religion geweckt haben“, erzählt die 50-Jährige Stuttgarterin, die gerade dabei ist, ihre zweite Promotion zu beenden. 120 Kirchen und Kapellen, entworfen von einem deutschen Benediktinerpater, hat sie in den vergangenen Jahren in ihrem Geburtsland Südkorea für ihre wissenschaftliche Arbeit besucht und dokumentiert. „Meine Forschungsreisen sind zu einer Wallfahrt geworden“, sagt sie.  Traditionell werden in der Osternacht nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene getauft, die sich für den katholischen Glauben entscheiden.

Un Joo Kim ist in die entlegensten Dörfer Südkoreas gefahren, um sich die von Alwin Schmid gestalteten Kirchen und Kapellen anzuschauen. Sie hat vermessen, dokumentiert, nach Plänen gesucht und die Räume auf sich wirken lassen. „Ich bin noch immer fasziniert von der Schlichtheit und der Schönheit der Räume“, erzählt die Architektin und Innenarchitektin, die seit Jahren zwischen ihrem Heimatland - in dem rund 30 Prozent der Bevölkerung Christen sind -  und Stuttgart pendelt. Um die Kirchenräume zu verstehen, hat Kim angefangen, in der Bibel zu lesen. Aus dem wissenschaftlichen Interesse erwuchs irgendwann eine persönliche Entscheidung, die sie traf, als sie die Heimatabteil von Alwin Schmid im fränkischen Münsterschwarzach besuchte. „Die Mönche haben mich gefragt, ob ich schon einmal darüber nachgedacht habe, den katholischen Glauben anzunehmen“, erzählt die Stuttgarterin. Nachtgedacht hatte sie schon oft darüber, aber immer mit dem Gedanken, später einmal. „Die Pater wollten wissen, warum nicht jetzt und ich dachte, ja warum eigentlich nicht jetzt?“

Zurück in Stuttgart suchte sich die 50-Jährige, die bisher keiner Religion angehört, einen Glaubenskurs in St. Eberhard und sah sich mit deutschen Vokabeln konfrontiert, die sie vorher nie gebraucht hatte: Tabernakel, Ambo, Hostie. „Ich musste wieder Wörter lernen, um über meinen Glauben überhaupt sprechen zu können.“ Zusammen mit den anderen Teilnehmern des Kurses lernte sie das Alte und das Neue Testament kennen, übte unterschiedliche Formen des Gebets und unterhielt sich mit den anderen über christliche Ethik. „Eine wichtige Erfahrung“, sagt Un Joo Kim. Sie freut sich, dass sie nach ihrer Taufe in der Osternachtsfeier in St. Eberhard, jetzt selbst die Kommunion empfangen kann. „Bisher war ich immer nur Zuschauerin“, sagt die 50-Jährige.

Auch nach ihrer Taufe wandert Un Joo Kim noch einige Monate weiter auf den Spuren des Benediktinerpaters Alwin Schmid, bis zum Ende ihrer Promotion in dem Fachbereich Bauforschung und Denkmalpflege an der Universität Bamberg. „Es ist beeindruckend zu erleben, wie stark im Glauben Alwin Schmid ruhte.“ Kim erzählt von den Jahren, die der Ordensmann in der Mandschurei verbrachte, dort drei Kirchen baute und wegen seines Glaubens und seiner Bauten auch im Gefängnis saß. In den 1960er Jahren ließ er sich in Südkorea nieder, um dort Kirchen und Kapellen zu bauen. Für die Stuttgarter Architektin ist es schön zu sehen, dass die meisten seiner Kirchen in ihrer alten Heimat noch bestehen, was sie allerdings schmerzt, ist der Umgang der dortigen Gemeinden mit den Bauten. „Die meisten Kirchen sind stark verändert worden, allerdings leider ohne Rücksicht auf das Original.“ Aus Sicht von Un Joo Kim gibt es in Sachen Denkmalschutz in Südkorea noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Nach ihrer zweiten Promotion will sie deshalb mit einem eigenen Architekturbüro nicht nur in Stuttgart, sondern auch in Südkorea arbeiten – und in beiden Ländern ihren Glauben leben.

Die gebürtige Koreanerin ist eine von zwölf Männern und Frauen, die in den vergangenen Monaten einen Kurs besucht haben, um die Grundlagen des katholischen Glaubens kennenzulernen. „Seit gut einem Jahr koordinieren wir die Glaubenskurse stadtweit“, erklärt die Dekanatsreferentin Kirstin Kruger-Weiß. Künftig sollen im Frühjahr und im Herbst jeweils in zwei Gemeinden Glaubenskurse starten, beteiligt sind die Gemeinden St. Eberhard in der Innenstadt, St. Martin in Bad Cannstatt und St. Hedwig in Möhringen. „Auch Erwachsene brauchen eine Vorbereitungszeit, um die Grundlagen des katholischen Glaubens kennenzulernen und sich dann bewusst  für den Empfang der Sakramente von Taufe, Firmung und Eucharistie entscheiden zu können“, so die Theologin. Auch die muttersprachlichen Gemeinden, beispielsweise die Italiener, bieten regelmäßig Glaubenskurse an.

Der Grund dafür, dass bis heute viele Erwachsenentaufen in der Osternacht stattfinden, liegt in der Geschichte des Christentums. In der Alten Kirche wurde nur an Ostern getauft. Da die Vorstellung einer bewussten Entscheidung für den christlichen Glauben vorherrschte, wurden hauptsächlich Erwachsene getauft. Mit der zunehmenden Verbreitung des Christentums im Römischen Reich kam es aber immer häufiger vor, dass sich auch ganze Familien mit Kindern und Hauspersonal taufen ließen. Daraus entstand im Laufe des vierten Jahrhunderts dann schließlich die Säuglingstaufe.

(Nicole Höfle, katholisches Stadtdekanat, 7. April 2017)


 
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