KGR-Wahl

Erstes Ergebnis liegt vor

Auch die Kirchengemeinderatswahlen standen im Zeichen von Corona. Wegen der Ansteckungsgefahr ist erstmals nur Briefwahl möglich gewesen. 404 Frauen und Männer wurden in den vergangenen 14 Tagen in die Kirchengemeinderäte der 42 Stuttgarter Gemeinden gewählt. Hinzu kommen 157 Frauen und Männer in den Pastoralräten der muttersprachlichen Gemeinden. „Glückwunsch an die Gewählten. Wir freuen uns auf ihre Ideen und ihr Engagement“, sagt Stuttgarts Stadtdekan Christian Hermes. Noch sind nicht alle Stuttgarter Gemeinden komplett ausgezählt. 

Gewählt werden sollte eigentlich am 24. März. Wegen der Corona-Pandemie wurde auf die Präsenzwahl in den Kirchen verzichtet und das Verfahren komplett auf Briefwahl umgestellt. Auswirkungen hatte die Pandemie auch auf die Auszählung: teils ließen die Gemeinden die Briefe eine Woche liegen, um sicherzustellen, dass keine Übertragung der Viren stattfinden kann, teils wanderten die Briefe für einige Minuten in den Backofen, um mögliche Erreger abzutöten. Inzwischen jedenfalls sind fast alle 42 Stuttgarter Gemeinden ausgezählt und auch aus den 17 muttersprachlichen Gemeinden liegen fast alle Ergebnisse vor.

Wahlbeteiligung nach jetzigem Stand bei 11,6 Prozent

Zur Wahl aufgerufen waren etwas mehr als 100 000 Stuttgarter Katholikinnen und Katholiken. Kandidiert hatten 351 Frauen und 378 Männer für einen Sitz in den Kirchengemeinde- und den Pastoralräten. In die neuen Kirchengemeinderäte gewählt wurden insgesamt 404 Frauen und Männer, hinzu kommen 157 Gewählte  in den Pastoralräten der muttersprachlichen Gemeinden. Die Wahlbeteiligung zu den Kirchengemeinderäten liegt nach jetzigem Stand bei 11,6 Prozent und damit nur wenig unter der Beteiligung von vor fünf Jahren (12,25 Prozent im Jahr 2015). Über die höchste Wahlbeteiligung mit 27,5 Prozent kann sich in Stuttgart die Gemeinde St. Barbara in Hofen freuen. Nur in der Kirchengemeinde Bruder Klaus im Stuttgarter Osten fand eine Wahl ohne Bindung statt, weil weniger Kandidaten als Sitze vorhanden waren. In diesem Fall durften die Wähler sowohl Kandidaten auf der Liste ankreuzen als auch weitere Namen hinzufügen.

Erfreulich hohe Zahl an Kandidatinnen und Kandidaten

Wegen der Corona-Pandemie war aus Sicht von Stadtdekan Hermes keine hohe Wahlbeteiligung zu erwarten. Sein Fazit: „Vergessen wir die überhaupt und verstärkt durch Corona schlechte Wahlbeteiligung: Was mich freut, ist die große Zahl von fast 730 Katholikinnen und Katholiken in Stuttgart, die für die 561 Mandate kandidiert haben.“

Ausgeglichenes Verhältnis zwischen Neugewählten und erfahrenen Vertretern

Etwa 55 Prozent der jetzt Gewählten sind bereits Vertreter in einem Kirchengemeinderat und bringen damit viel Erfahrung mit, der Anteil der Neugewählten liegt bei etwa 45 Prozent. Auch das Verhältnis von Frauen und Männern ist mit derzeit 55 zu 45 Prozent gut ausbalanciert. „In den meisten Kirchengemeinderäten werden Frauen und Männer, neue und erfahrene Gremienmitglieder in einem ausgewogenen Verhältnis die Pastoral der Gemeinden mitbestimmen“, stellt Stadtdekan Hermes fest. Das Durchschnittsalter der Kirchengemeinderäte liegt bei 51 Jahren. Die Kirchengemeinde Heilig Kreuz im Sommerrain darf sich über das jüngste Gremium freuen: Dort liegt der Altersdurchschnitt bei 44 Jahren. Junge Erwachsene zwischen 18 und 27 Jahren finden sich auch in anderen Kirchengemeinderäten: In mehr als die Hälfte der 42 Kirchengemeinderäte wurden Jugendvertreter gewählt. In zwei Dritteln der neu gewählten Kirchengemeinderäte finden sich zudem Gremienmitglieder mit Migrationshintergrund.

Gremien konstituieren sich nach dem 15. Juni

Die neuen Kirchengemeinderäte und auch die Pastoralräte werden sich – auch dies eine Auswirkung von Corona – erst nach dem 15. Juni konstituieren. Bis dahin bleiben die bisherigen Vertreter im Amt. Ein Endergebnis für Stuttgart wird erst nach Ostern vorliegen. 

Portrait einer Kirchengemeinderätin

„Nur wer drin bleibt, kann verändern“

Im März werden auch in Stuttgart neue Kirchengemeindräte gewählt. Magda Dentler aus Bad Cannstatt erzählt, warum die Gremienarbeit Vergnügen bereiten und frauenbewegt sein kann. Das Portrait einer Kirchengemeinderätin, die seit 34 Jahren dabei ist.

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Zeichen und Werkzeug des Heils

Eine Kirchengemeinde ist aber nicht nur eine Organisation, sie soll vielmehr „Zeichen und Werkzeug des Heilswirken Gottes in Jesus Christus“ sein, heißt es in der Kirchengemeindeordnung. Die Kirchengemeinde solle dazu beitragen, dass Menschen wieder zum Leben finden und einander helfen, zum Leben zu kommen. Und dazu sind aufgrund der Taufe alle Gläubigen berufen. Deshalb dürfen alle Katholiken ab 18 Jahren für den Kirchengemeinderat kandidieren und ab 16 Jahren den Kirchengemeinderat (KGR) wählen. Die Mitglieder einer Gemeinde für Katholiken anderer Muttersprache wählen zusätzlich zum örtlichen Kirchengemeinderat einen Pastoralrat, der sich um ihre Belange kümmert und der beratendes Stimmrecht innehat.

Die Geschichte des Kirchengemeinderates

Als der evangelische König Staat und Kirche trennte 

Die Ursprünge der demokratischen Verfassung der katholischen Kirchengemeinde liegen im 19. Jahrhundert. Ausgerechnet dem evangelischen König verdanken es die Katholiken in der Diözese-Rottenburg-Stuttgart, dass sie einen Kirchengemeinderat wählen, der nicht nur über pastorale, sondern auch finanzielle Belange entscheidet.

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Leitung ist Teamaufgabe

Betont wird in der Kirchengemeindeordnung, dass Pfarrer und Kirchengemeinderat gemeinsam und kooperativ die Gemeinde leiten. Der bisherige 2. Vorsitzende heißt daher nun "Gewählter Vorsitzender", der auf Augenhöhe mit dem Pfarrer den Vorsitz des Rates hat. Da auch zwei Stellvertreter benannt werden können, ist die Leitungsaufgabe zur Teamaufgabe geworden. Der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes freut sich daher über jeden Katholiken, der bereit ist, sich in die Leitung der Kirchengemeinde einzubringen. „Die Kirche muss sich um das kümmern, was den Menschen tatsächlich wichtig ist und dazu brauchen wir engagierte Laien, die ihre Lebensperspektiven in die Gemeindeleitung einbringen“, sagt er.

Wer sich für die Aufgabe des Kirchengemeinderats interessiert, muss nicht warten, bis er gefragt wird. Alle volljährigen Mitglieder einer Kirchengemeinde können sich bis 2. Februar an den Wahlausschuss, an einen Kirchengemeinderat, an den Pfarrer oder das Pfarrbüro wenden, um ihre Bereitschaft zur Kandidatur zu signalisieren. Insgesamt dürfen in dem Gremium auch zwei Fünftel der Mitglieder aus anderen Kirchengemeinden stammen. Kandidierende, die nicht gewählt wurden, können auch als beratende Teilnehmer hinzugerufen werden, die Vorsitzende der Sachausschüsse sind ebenfalls als beratende Mitglieder berufen. Insgesamt sollten zwei Vertreter der Jugend im Gremium sitzen. Daher heißt es, einfach aufkreuzen und mitmachen. Wen die Kirche begeistert, aber auch wer sich an ihr reibt, kann im KGR das kirchliche Leben vor Ort gestalten.

Die Zahl der Kirchengemeinderäte bestimmt sich nach der Zahl der Kirchengemeindemitglieder: Bis 1200 Katholiken sind es vier Kirchengemeinderäte, zwischen 1201 und 2500 Katholiken sechs Mitglieder, zwischen 2501 und 4000 sind es acht, zwischen 4001 und 6000 sind es zehn und bei mehr als 6000 Katholiken sind es zwölf Kirchengemeinderätinnen und –räte.

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WIE SIEHTS AUS

KIRCHE AM ORT

Vier Fragen an vier Räte

Was bewegt Menschen, sich in der Kirche zu engagieren, ihre Zeit in Gremien zu verbringen und das Gemeindeleben mitzugestalten? Drei Frauen und ein Mann beantworten stellvertretend für die vielen Kirchengemeinderäte vier Fragen, die sich neue Kandidatinnen und Kandidaten stellen könnten. Eines zeigt sich dabei klar: Alle sind mit dem Herzen dabei und bringen ihre je eigenen Talente ein.

„Wir brauchen unterschiedliche Blickwinkel“

Elisabeth Schick-Ebert (52), Unternehmensberaterin und Kirchengemeinderätin in Maximilian Kolbe

Man kann eine Menge bewegen, denn man gestaltet das Gemeindeleben aktiv mit. Man kann Gruppen ins Leben rufen, neue Formate gründen, Gottesdienst-Formen anpassen oder eine Vortragsreihe mit tollen Referenten konzipieren. Auch die Diskussion im KGR ist wichtig. Schließlich geht es darum, was mit der Kirchengemeinde passiert.

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„Da konnte ich mich gut einbringen“

Sabine Andrä, 45 Jahre, Juristin und Kirchengemeinderätin in in St. Theresia (Weilimdorf)

Alle grundlegenden Entscheidungen werden im KGR getroffen. Mir ist zum Beispiel sehr stark im Gedächtnis, dass wir den gesamten Gottesdienstplan, sowohl für die gewöhnlichen Sonntage und die Werktage, als auch für die Festtage neu aufstellen und mit den Gottesdienstplänen der anderen Kirchen der Gesamtkirchengemeinde abstimmen musste. Der Gottesdienstplan prägt eine Gemeinde sehr stark. Da konnte ich mich gut einbringen, zumal ich auch Vorsitzende des Vorstands unseres Kirchenchors bin und so die Wünsche des Chors berücksichtigt werden konnten. Ich denke, wir haben letztendlich eine gute Lösung gefunden, auch wenn immer der eine oder andere unzufrieden sein wird.

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„Jeder bringt auch sein persönliches Netzwerk mit“

Matthias Feist, 51 Jahre, Betriebswirt und System-Integrator und Kirchengemeinderat in St. Elisabeth

Als ich vor 19 Jahren neu in den Kirchengemeinderat kam, musste ich mich erst mal in dem Gremium zurecht finden. Aber es war von Anfang an so, dass man eigene Vorschläge einbringen konnte und die eigene Meinung erwünscht war. Beim Haushalt fällt das am Anfang etwas schwer, aber in Punkto Gemeindeleben kann man gut neue Ideen und Formen vorschlagen. Aktuell haben wir das neue Gemeindehaus auf der Agenda und überlegen, wie wir es mit Leben füllen können.

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„Mein Herz hängt an der Kirche“

Miriam Stenzel, 44, Pharmazeutisch-Technische Assistentin (PTA) und Kirchengemeinderätin in der Heilige Familie in Rohr

Natürlich steht das Ganze mit dem leitenden Pfarrer vor Ort. Aber bei uns ist es eine sehr gute Zusammenarbeit. Ich mache zum Beispiel Familienarbeit in der Gesamtkirchengemeinde und da stand mir unser Pfarrer mit Rat und Tat zur Seite. Also wenn der Pfarrer auch etwas bewegen will, dann kann etwas daraus werden.

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