Trauerfeier für Sternenkinder

Abschied von den still geborenen Kindern

Sie heißen Sternenkinder, still Geborene oder Schmetterlingskinder: Fehlgeburten bis zur 24. Schwangerschaftswoche und unter 500 Gramm Gewicht ist lange Zeit das Personsein abgesprochen worden. Dabei ist es für die Frauen ein riesiger Schock, wenn sie ihr Kind tot zur Welt bringen müssen. Umso wichtiger ist es, Abschied nehmen zu können. Zwei Mal im Jahr werden Eltern und Angehörige zu einer Trauerfeier und Urnenbestattung für die Kleinsten der Kleinen auf den Pragfriedhof geladen. Die nächste findet am Mittwoch, 20. November, um 15 Uhr statt.

Gräberfeld der Sternenkinder auf dem Pragfriedhof

Zu der Trauerfeier kommen Frauen, die eine Fehlgeburt hinter sich haben oder auch einen Schwangerschaftsabbruch. Wie die katholische Klinikseelsorgerin an der Frauenklinik Stuttgart, Christine Kaier erzählt, kommen manche auch erst nach einem Jahr, weil sie es im Jahr der Fehlgeburt nicht geschafft haben teilzunehmen. Manche, zu deren Zeit die Bestattung noch nicht üblich war, kommen sogar noch Jahre später, um einen Ort der Trauer finden zu können. 2001 fand die erste Feier auf dem Pragfriedhof statt, wo die Stadt Stuttgart einen Ort zur Verfügung stellt. Die Eltern haben das Recht, ihr Kind auch individuell zu bestatten. Falls sie das nicht wollen, sind die Kliniken zu einer Sammelbestattung verpflichtet. Seit 2012 ist gesetzlich geregelt, dass die Sternenkinder auch ins Personenstandregister eingetragen werden können.

Früher wurden Kinder im Klinikmüll entsorgt

Wurden früher solche Kinder im Kliniksondermüll entsorgt, so werden sie heute liebevoll verabschiedet. Das tote Kind wird gewaschen und gewogen, angezogen und in ein Körbchen gelegt. Die Eltern können es so auch noch eine Nacht oder einen Tag bei sich behalten. Es gibt aber auch Mütter und Väter, die das Kind nicht mehr anschauen wollen, berichtet Christine Kaier. „Jeder Mensch hat seine eigene Art und Weise mit dem Tod umzugehen.“ Kontakt zur Seelsorge wird allen Frauen angeboten. Die Klinikseelsorge bietet neben unterstützenden Gesprächen auch an, das Kind zu segnen. Bei dieser Segensfeier sind oft Geschwister oder Großeltern dabei.

Eltern in der Trauer begleiten

Wichtig ist Christine Kaier, die Eltern zu begleiten. Denn für diese breche eine Welt zusammen. Schlimm sei für die Frauen auch, wenn sie das tote Kind unter Wehen zur Welt bringen müssen. Schmerzen zu erleiden und dabei zu wissen, dass das Kind tot ist, das sei furchtbar. Manche Frauen empfänden es aber auch als eine „letzte Zeit mit ihrem Kind“, erzählt die Seelsorgerin.

Für den Trauerprozess entscheidend sei es, einen Ort zu haben, an dem der Tod des Kindes real wird. Die Zeit mit dem Kind war kurz, umso wichtiger sei es, einen Platz zu haben, der zeige: Es ist wirklich geschehen. So werde das Kind gewürdigt, sagt Christine Kaier.

Trauerfeier auf dem Pragfriedhof

Am Mittwoch, 20. November 2019, 15 Uhr ist die nächste Bestattung. Eingeladen sind Eltern, Verwandte und Freunde, die im letzten halben Jahr ein Kind während der Schwangerschaft durch Fehlgeburt oder Abbruch verloren haben. Die Trauerfeier beginnt an der großen Treppe vor der Feierhalle. Von dort aus geht man gemeinsam zum Grab.

Klinikseelsorgerinnen und -seelsorger aus Stuttgart und dem Rems-Murr-Kreis gestalten diese ökumenische Feier und haben anschließend Zeit für ein persönliches Gespräch. Im Pragfriedhof werden Kinder aus dem Marienhospital, der Frauenklinik, der Anna-Klinik, dem Robert-Bosch-Krankenhaus und den Rems-Murr-Kliniken bestattet. In diesem Herbst wird die Trauerfeier von der katholischen Klinikseelsorgerin Sabine Mader und der evangelischen Pfarrerin Corinna Schmohl geleitet.

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