Abschied von Hubert Hiller

Auch in der Verwaltung kann ein christlicher Geist wehen

Hubert Hiller hat das katholische Verwaltungszentrum 15 Jahre lang geleitet. Er hat Strukturen geschaffen, Dienstgespräche geführt, mit Kirchengemeinden verhandelt, Probleme gelöst – und ist dabei immer sehr menschlich und sehr katholisch geblieben. „Schon als Kind habe ich mit meiner Familie im Pfarrhaus gleich neben der Kirche gewohnt, weil mein Großvater nebenberuflich als Mesner gearbeitet hat“, erzählt Hiller. Der Glockenschlag hat ihn schon als Junge begleitet und gehört bis heute zu seinem Leben dazu. Hubert Hiller wird am Dienstag, 16. Juli, um 19.45 Uhr im Haus der Katholischen Kirche offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Im Verwaltungsdienst ist er noch bis Ende August, ehrenamtlich wird er sich auch weiter für die Kirche engagieren.

Der Verwaltungschef Hubert Hiller bei einer Gremiensitzung im katholischen Verwaltungszentrum.

Hubert Hiller ist ein zurückhaltender Mensch. Keiner, der die große Bühne sucht oder sich in den Vordergrund drängt. Sein Chefbüro hat er bereits für seine Nachfolgerin Regina Neuhöfer geräumt und sich für die letzten Wochen in einem Besprechungszimmer eingerichtet. Dort, im dritten Stock des katholischen Verwaltungszentrums im Stuttgarter Osten, empfängt er in den letzten Wochen seine Besucher. Der 63-Jährige ist in einem Pfarrhaus bei Schwäbisch Gmünd aufgewachsen, ministriert hat er schon mit sechs Jahren vor seiner Erstkommunion. Mit dem Pfarrer musste er Latein lernen, um die Gebete sprechen zu können. Später hat der Geistliche ihn gefragt, ob er nicht Priester werden möchte, aber Hubert Hiller hat sich für den gehobenen nicht-technischen Verwaltungsdienst entschieden. 25 Jahre hat er dann im Rathaus von Schwäbisch Gmünd gearbeitet, zuletzt als Sozialamtsleiter, bevor er 2004 in die kirchliche Verwaltung nach Stuttgart wechselte. 

Hubert Hiller hat viele Umbrüche in der Kirche begleitet

Die erste Herausforderung wartete schon auf Hubert Hiller: die Aufgabe, die vier katholischen Dekanate Nord, Filder, Bad Cannstatt und Mitte zu einem Stuttgarter Stadtdekanat zusammenzuführen und eine neue übergeordnete Verwaltungsstruktur zu schaffen. Im Jahr 2010 wurde Hubert Hiller dann einstimmig zum Verwaltungsdirektor in dem neu geschaffenen Stadtdekanat gewählt. Auch in den folgenden Jahren fehlte es nicht an großen Aufgaben. Die katholische Kirche in Stuttgart hat den Prozess Aufbrechen gestartet, zu dem es auch gehörte, alle Gebäude der 42 Kirchengemeinden zu bewerten und festzulegen, welche Standorte langfristig erhalten und welche aufgegeben werden müssen. Schwerpunktorte wie das Spirituelle Zentrum und das Jugendpastorale Zentrum YouCh wurden beschlossen und mussten geplant werden. Die Zusammenfassung der 42 Gemeinden zu Gesamtkirchengemeinden folgte. „Das waren keine leichten Prozesse, dennoch habe ich immer eine große Solidarität der Kirchengemeinden untereinander wahrgenommen“, sagt Hiller. Überhaupt schätzt es der Verwaltungschef bis heute, dass in den kirchlichen Gremien keine Parteipolitik betrieben wird – anders als in kommunalen Gremien. „Das macht die Arbeit der Verwaltung viel einfacher, weil kein Wahlkampf in den Sitzungen stattfindet.“

Auch in schwierigen Situationen den Menschen sehen

In den 15 Jahren sind viele Aufgaben aus den Gemeinden in das kirchliche Verwaltungszentrum gewandert. Vieles, was noch vor Jahren ehrenamtlich in den Gemeinden erledigt wurde, liegt heute zentral im Verwaltungszentrum. Fragt man Hubert Hiller nach den Momenten, die ihm in besonderer Erinnerung geblieben sind, dann sind es nicht die vielen großen Bauvorhaben und die strukturellen Veränderungen, die ihm in den Sinn kommen, sondern die menschlichen Begegnungen. Zwei Mitarbeiter hat er nach schwerer Krankheit verloren. „Die Gespräche mit ihnen werde ich nie vergessen. Auch die Trauerfeiern nicht.“ Unvergessen ist ihm auch das Gespräch mit einem Mesner, der des Diebstahls überführt worden war. „Ich habe nie wieder erlebt, wie ein Mensch in kürzester Zeit so in sich zusammengesackt ist“, so Hiller. Dem 63-Jährigen war es immer wichtig, auch in solchen Situationen Verwaltungschef und Christ zu sein und den Menschen zu sehen. „Im Verwaltungszentrum weht ein christlicher Geist und das nicht nur während der geistlichen Impulse, zu denen wir einmal im Monat einladen“, ist Hubert Hiller überzeugt. Was ihn bestätigt, ist die Treue der Mitarbeiter. „Wir haben eine geringe Fluktuation, dafür viele langjährige Mitarbeiter, die teils lange Anfahrtswege in Kauf nehmen.“ Hubert Hiller, der mit seiner Familie in Schwäbisch Gmünd lebt, gehört selbst dazu.

Sein Leben lang mit der katholischen Kirche verbunden

Beruflich war Hiller 15 Jahre mit der Kirche verbunden, privat ist er es schon sein ganzes Leben lang. In seiner Biografie spiegelt sich der Wandel der der Gesellschaft. Sein Großvater war nebenberuflicher Mesner, sein Vater hat als Schuhmacher im Kloster der Franziskanerinnen von Sießen die abgelaufenen Absätze der Ordensfrauen repariert und war stolz auf seine Arbeit. Hubert Hillers Mutter hat sich jahrzehntelang ehrenamtlich in der Kirchengemeinde St. Maria in Schwäbisch Gmünd engagiert, hat kranke und alte Menschen besucht und mehr als 15 Jahre im Kirchenchor gesungen und Kuchen für Gemeindefeste gebacken. Eine offizielle Funktion hatte sie nie: „In den 60er Jahren fand man noch keine Frauen in den Kirchengemeinderäten.“ Anders Hubert Hiller: Er gehört dem Kirchengemeinderat seiner Heimatgemeinde St. Maria seit 43 Jahren an, seine Frau arbeitet bis heute als Pfarramtssekretärin. „Mir war es mir immer wichtig, nah an der Basis zu sein und zu wissen, wo in den Gemeinden der Schuh drückt. Als Verwaltungschef bekommt man viele Dinge erst mit, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. So habe ich viele Entwicklungen frühzeitig gesehen.“

Auch vor den Hillers macht die Säkularisierung nicht halt

Aber auch vor Familie Hiller macht die nachlassende Kirchenbindung nicht halt. „Für meine vier Kinder spielt Kirche keine so große Rolle mehr“, stellt der 63-Jährige mit Bedauern fest. Immerhin organisiert ein Sohn mit ihm gemeinsam den einmal im Jahr stattfindenden Kolomanritt mit Pferdesegnung. „Es sind andere Zeiten“, sagt Hubert Hiller, der auch im Ruhestand als ehrenamtlicher Kirchengemeinderat und als Diözesanrat weitermachen wird. „Ich habe in meinem Leben Kraft und Halt im Glauben gefunden, deshalb werde ich mich weiter für die Kirche engagieren.“ Noch einmal wird der Verwaltungsmann ganz persönlich: „Als meine Schwester mit 18 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist, war es die Gemeinschaft, die mich getragen hat, die Begegnungen mit Jugendpfarrern und jungen Leuten bei Besinnungstagen. Der Glaube hat mir geholfen, mit dem Tod meiner Schwester umzugehen.“         

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