Begegnung

Catrin Misselhorn ist zu Gast beim nächsten Talk am Dom

Die Frage passt zur Autostadt Stuttgart: Für wen bremst mein Auto? Maschinen und Moral. Das ist der Titel des nächsten Talk am Dom am Donnerstag, 20. September, und es ist eine der Fragen, die die Stuttgarter Philosphieprofessorin Catrin Misselhorn an diesen Abend beantworten wird. Sie beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit philosophischen Problemen der künstlichen Intelligenz. Catrin Misselhorn hat ganz aktuell ein Buch zu den Grundfragen der Maschinenethik vorgelegt, das es auch schon in die Sachbuchbestenliste von Deutschlandfunk Kultur, ZDF und Zeit geschafft hat. Die Direktorin des Instituts für Philosphie der Universität Stuttgart und der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes werden sich beim nächsten Talk am Dom über künstliche Intelligenz und ihre Folgen unterhalten. Beginn ist um 19 Uhr im Haus der Katholischen Kirche in der Königstraße 7.

Gerlinde Kretschmann und Wieland Backes ist schon da gewesen. Der frühere Oberbürgermeister Wolfgang Schuster hat über die Chancen und Risiken der Digitalisierung philosphiert und Christoph Reisinger, der Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten, über die schwierige Zukunft des Journalismus nachgedacht. Der nächste Gast, den Stadtdekan Christian Hermes beim Talk am Dom begrüßen wird, ist Catrin Misselhorn. Die Stuttgarter Philosophieprofessorin und Gastgeber Christian Hermes werden sich einen Abend lang über die Grundfragen der Maschinenethik unterhalten. Wie kontrovers es beim Talk am Dom zugehen kann, zeigt der Video-Rückblick auf den Abend mit Gerlinde Kretschmann. Was es ganz generell mit der Gesprächsreihe auf sich hat, verrät der Gastgeber Christan Hermes im nachfolgenden Interview.

 

Warum braucht es einen Talk am Dom, Herr Hermes?

In meiner Rolle als Stadtdekan treffe ich viele interessante und spannende Menschen aus der Stadtgesellschaft. Diese Begegnungen mit Kulturschaffenden, Wirtschaftsvertretern, Politikern, Städteplanern, sozial und gesellschaftlich Engagierten, Vertretern anderer Religionen empfinde ich als sehr bereichernd und stelle immer wieder fest, dass sich tolle Schnittpunkte zur Kirche ergeben. Der Austausch mit den Menschen bereitet mir Vergnügen und er bringt viele neue Ideen hervor. Das war für mich der Anlass, ein solches Veranstaltungsformat einfach mal auszuprobieren. Und die Praxis zeigt, das Format bewährt sich. Wir saßen nie alleine da, im Gegenteil, alle Abende waren sehr gut besucht.

Was unterscheidet den Talk am Dom von anderen Talkshows?

Das Besondere an diesem Talk besteht darin, dass ich selbst Gastgeber und Gesprächspartner bin, nicht nur neutraler Moderator. Der Talk am Dom soll ein echter inhaltlicher Dialog sein. Der Gast hat natürlich die Gelegenheit, sich mit seinen Überzeugungen zu präsentieren, aber ich bringe mich als Moderator, Mensch und Kirchenmann eben auch in den Dialog ein. Ich bin ein großer Fan der sokratischen Methode des Dialogs und bin überzeugt davon, dass man dadurch weiterkommt. Das heißt nicht, dass man sofort eine Lösung präsentieren kann, aber im besten Fall können durch den Austausch von Argumenten und Betrachtungsweisen vielleicht tatsächlich Perspektiven für Lösungen aufgezeigt werden. Oder man macht einfach nur deutlich, es gibt eben verschiedene Blickwinkel auf ein Thema. Im besten Fall gehen die Zuhörer mit neuen Einsichten nach Hause.


Um welche Themen geht es beim Talk am Dom?

Um alle Themen, die gerade aktuell sind in unserer Stadtgesellschaft. Wir halten das Spektrum bewusst breit und laden Menschen aus dem Kulturbereich, dem Sozialen genauso ein wie aus der Wirtschaft. Es kann um Ökologie gehen, um soziale Gerechtigkeit, um Stadtentwicklung, um Kunst. Es bleibt kein Bereich ausgeschlossen. Vor allem: Wir möchten mit diesem Format auch kurzfristig auf Themen reagieren, die Stadtgespräch sind und uns umtreiben.

Wer war ihr bisheriger Lieblingsgast?

Mir waren alle Gäste hoch willkommen und jedes Thema war interessant. Es gab überhaupt keinen Gast, bei dem ich es hinterher bereut habe, ihn eingeladen zu haben.

Was war die kniffligste Situation als Moderator und Gastgeber?

Der schwierigste Abend war der mit Monika Stolz, der früheren Sozialministerin und Vorsitzenden der Kommission sexueller Missbrauch unserer Diözese. Das lag aber nicht an Monika Stolz, sondern am Thema. Über sexuellen Missbrauch in der Kirche zu sprechen, macht die Zuschauer und macht einen auch selbst ganz unmittelbar betroffen. Das ist kein Thema, über das man so locker hinweg moderiert. Es war auch schnell erkennbar, dass Betroffene im Publikum saßen, die dann auch hinterher auf uns zugekommen sind. An diesem Abend kam meine Rolle als Stadtdekan in der Institution Kirche auch noch einmal ganz anders zum Tragen. Ich bin eben nicht der investigative Journalist, der von außen in einer moralisch erhabenen Position über die Kirche spricht, sondern es ist meine Kirche, um die es geht.

Sie nehmen sich ganz bewusst auch innerkirchlich heikler Themen an. Warum?

Es wäre höchst vermessen nur über kritische Themen außerhalb der Kirche zu sprechen und die heiklen Fragen, die wir in der Kirche selber zu lösen haben, auszusparen. Das ist auch eine Frage der Glaubwürdigkeit. Ich möchte mich bewusst den Fragen und kritischen Sichtweisen anderer aussetzen, das kann uns ja nur weiterbringen. Aber ich stelle auch fest, dass man es von außen betrachtet für viel kritischer hält, innerhalb der Kirche über ein strittiges Thema zu diskutieren. Es läuft seit vielen Jahren eine innerkirchliche Diskussion über das Thema sexueller Missbrauch, es sind zahlreiche Schutzmaßnahmen umgesetzt worden, das Thema ist in unser aller Bewusstsein. Es ist eben kein Tabuthema, das weggedrückt wird. Das gilt genauso für die Rolle der Frauen in der Kirche. Es wird nirgendwo so viel darüber diskutiert wie in der Kirche selber. Insofern ist es ein wichtiges Zeichen nach innen wie nach außen, dass wir solche Themen nicht aussparen. Es geht im Talk am Dom nicht darum, die Kirche super aussehen zu lassen, wo sie nicht super aussieht.

Wer ist der Gast, den Sie unbedingt einmal begrüßen möchten?

Harald Schmidt wäre cool. Ich gehöre zu den Menschen, die seine Late Night Show regelmäßig angeschaut haben. Er hatte amerikanische Vorbilder, aber er hat es geschafft, das Format Talkshow auf ein ganz anderes Niveau zu bringen. Er ist ein blitzgescheiter, in jeder Hinsicht kulturell versierter und kritischer Geist mit schwäbischen Ursprüngen. Ich würde mich freuen, wenn Harald Schmidt ins Haus der Katholischen Kirche käme.

Was erlebt man Backstage als Moderator mit seinen Gästen?

Wirklich lustig war es, Gerlinde Kretschmann zu Gast zu haben. Jeder, der sie kennt, weiß, dass Gerlinde Kretschmann ein unglaublich kommunikativer Mensch ist, der sofort und überall mit Menschen ins Gespräch kommt. Wie kommunikativ, das durfte ich ganz anschaulich erleben. Zum Talk lade ich immer auch Schülerinnen des Agnesgymnaisums ein, die sich mit ihren eigenen Fragen einbringen. An diesem Abend waren sowohl Gerlinde Kretschmann und als auch die Gymnasiastinnen eine ganze Ecke zu früh da. Als ich schließlich dazukam, saßen alle schon gequetscht auf dem Sofa im Dompfarramt, hatten ein großes Hallo und haben sich prima verstanden. Es war ein schönes Bild, die Landesmutter ganz locker und unverkrampft mit den 16- und 17-Jährigen Gymnasiastinnen zusammensitzen zu sehen.

Talk am Dom auf Facebook: Wer nachträglich einen der Gesprächsabende anschauen möchte, hat auf der Facebook-Seite der Katholischen Kirche in Stuttgart die Gelegenheit dazu. https://www.facebook.com/kathStadtdekanatStuttgart/?ref=bookmarks. 

Der nächste Gast ist:

Catrin Misselhorn Für wen bremst mein Auto? Maschinen und Moral Donnerstag, 20. September, 19 Uhr Haus der Katholischen Kirche

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