Ute Wolff geht in Ruhestand

Das Gesicht der Klinikseelsorge

Sie ist eine Frau, die ihren Weg in der katholischen Kirche gefunden hat: erst Haushalts- und Ernährungsingenieurin, dann Theologin, ehemalige Nonne, Pfarrhaushälterin und schließlich Klinikseelsorgerin. Im Krankenhaus hat Ute Wolff ihre Berufung entdeckt. Jetzt geht die 65-Jährige in den Ruhestand. Aber sie bleibt Seelsorgerin.

Die Klinikseelsorge war Ute Wolff quasi in die Wiege gelegt worden. Denn ihre Mutter war Säuglingsschwester und ihr Bruder wurde Chirurg. „Das soziale Engagement ist in unserer Familie verankert gewesen“, erzählt Ute Wolff. Als sie ihr Studium der Haushalts- und Ernährungstechnik in Sigmaringen abgeschlossen hatte, wurde ihr klar, dass ihr Weg nicht in die Lebensmittelindustrie führen konnte, wo doch „zwei Drittel der Menschheit hungert“. Aber wohin dann? In ihrer Orientierungsphase arbeitete sie ein halbes Jahr als Pfarrhaushälterin und versorgte in der Zeit auch Obdachlose im Pfarrhaus. Und eines Tages saß sie in der Stille in der Kapelle und dachte: „Warum studierst du nicht Theologie?“  Und ihr Ziel im Hinterkopf: Krankenhausseelsorge.

Vom Kloster in die Klinikseelsorge

Doch ihr Weg führte sie erstmal in den Orden der Franziskanerinnen von Sießen, in dem sie insgesamt elf Jahre blieb und auch als Pastoralassistentin arbeitete. Doch dann kam der Wendepunkt: Zwar hatte sie zum Schluss auch eine Klinikseelsorgestelle in Saulgau in der orthopädischen Rehaklinik und in der Psychosomatischen Klinik inne. Doch vor der ewigen Profess wurde ihr klar: „Es ist nicht mein Weg.“ Ute Wolff verließ das Kloster und konzentrierte sich ganz auf die Klinikseelsorge.

Die eigenen Lebensumbrüche sind für Ute Wolff eine wertvolle Ressource für ihre Arbeit in der Klinik. Denn dort begegnet sie Menschen in Lebenskrisen und in Umbrüchen. Die Aufgabe sei es, daran zu reifen, sagt sie. Dabei denkt Ute Wolff auch dankbar an ihre Zeit im Kloster, in der sie ihre Lebensgeschichte aufgearbeitet hat und die ihr Leben spirituell geprägt hat.

Klinikseelsorge, das ist für sie immer Beziehung und Begegnung auf Augenhöhe. Wenn sie in ein Zimmer kommt, setzt sie sich, wenn es geht, ans Bett und hört aktiv zu, wie der Patient seine Geschichte verarbeitet. „Und manchmal lernt die Seelsorgerin vom Patienten mehr als umgekehrt“, sagt sie. Eine Herausforderung sei es vor allem, die dunklen Seiten auszuhalten, ohne sofort Antworten geben zu können.

Mit versöhntem Herzen für Frauen kämpfen

19 Jahren war sie im Paracelsus-Krankenhaus, heute Medius-Klinik, in Ostfildern mit dem Schwerpunkt der seelsorglichen Begleitung von onkologischen Patienten und Palliativpatienten. Sie baute in Ruit die Hospizarbeit auf und leitete den ökumenischen Hospizverein. Mit knapp 60 Jahren startete sie noch einmal durch und wechselte ins Stuttgarter Marienhospital, wo sie die vergangenen sechs Jahre als Seelsorgerin am Bett der Patienten saß und zugleich im Leitungsteam der Krankenhausseelsorger im Dekanat Stuttgart „das Gesicht der Klinikseelsorge“ war, wie sie selbst es nennt.

Seelsorge wird weiter ein Herzensanliegen für Ute Wolff bleiben. Sie hat sich als geistliche Begleiterin fortbilden lassen und wird auch Exerzitien leiten. Dass Frauen wie sie in der Kirche eine wichtige Rolle spielen, davon ist die 65-Jährige überzeugt. „Wenn es keine Frauen in der Kirche gäbe, könnte die Kirche zu machen“, sagt sie. Frauen seien kompetent und in der Lage, in der Kirche  Leitungsaufgaben zu übernehmen, zum Beispiel für Gemeinden, und sie sollten dies auf andere Weise tun als Männer, findet Ute Wolff. „Man muss um Gleichberechtigung kämpfen“, sagt sie daher und fügt hinzu, „aber mit versöhntem Herzen und mit Liebe zur Kirche.“

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