Haushalt verabschiedet

„Das Vertrauen der Menschen ist unser Kapital“

Der Stadtdekanatsrat hat in seiner jüngsten Sitzung im Dezember den kirchlichen Haushalt für 2019 mit einem Volumen von 68,6 Millionen Euro verabschiedet. Die gute Konjunktur und die gestiegenen Kirchensteuereinnahmen sind für Stadtdekan Christian Hermes kein Anlass, sich zurückzulehnen, im Gegenteil: „Wir müssen weiterhin so verantwortlich wie möglich mit den Beiträgen unserer Mitglieder arbeiten, um so viel Gutes wie möglich bewirken zu können.“ Viel wichtiger als die finanzielle Entwicklung ist für den Stadtdekan die Glaubwürdigkeit der Kirche, die in den vergangenen Monaten schwer gelitten hat: „Das Vertrauen der Menschen ist unser Kapital. Wir müssen alles uns Mögliche dafür tun, um Vertrauen zu behalten und wieder zu gewinnen.“

Die jüngsten Enthüllungen über Missbrauch durch Kleriker in Deutschland und weltweit, hat das Vertrauen in die katholische Kirche erneut beschädigt. „Zu recht“, wie der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes feststellte. „Ich bin deshalb sehr froh darüber, dass wir uns im November einstimmig und unmissverständlich positioniert haben und einig sind, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun werden, um Missbrauch zu verhindern.“ Da die Menschen genau zwischen der Institution Kirche und den persönlichen Erfahrungen  unterscheiden, sei es wichtig, sich vor Ort zu bewähren: in der Seelsorge, im Gottesdienst, in den sozialkaritativen Einrichtungen, in zeitgemäßen Angeboten der Glaubensvermittlung und im Beitrag zu einem guten und gedeihlichen Leben in Nachbarschaft und Stadtteil.

Kirche leitet Beitrag für gutes Zusammenleben

Um die Menschen auch in Zukunft erreichen zu können, hat sich die katholische Kirche in Stuttgart an vielen Orten auf den Weg gemacht und Neues angestoßen. Derzeit sind gut 20 Standortentwicklungen im Gange, die unterschiedlich weit fortgeschritten sind. In St. Peter auf dem Memberg in Bad Cannstatt ist vor wenigen Tagen die neue Kirche geweiht worden, in dem Neubau sind auch Gemeindezentrum und Kindertagesstätte untergebracht. „Wer wissen möchte, wofür Kirche steht, kann dies in St. Peter sehen, erleben und begehen: Gebet und Gottesdienst, Kindertagesstätte, Gemeindeleben und die Integration von Menschen mit Behinderungen begegnen einander, und vor allem die Menschen begegnen einander: Junge und Ältere, Gesunde und Kranke, Traurige und Frohe“, sagte Christian Hermes in seiner Haushaltsrede. An anderen kirchlichen Standorten ist diese sozial und gesellschaftlich wertvolle Entwicklung auf andere Weise in der Umsetzung: auf dem Vinzenz-Pallotti-Areal in Birkach werden gerade Wohnungen für Studierende, Familien und anerkannte Geflüchtete gebaut, in Johannes Maria Vianney in Mönchfeld entstehen bald 60 Seniorenwohnungen sowie eine Kirche mit Gemeindezentrum und Kindertagesstätte. In St. Christophorus in Wangen werden in den nächsten Jahren neue Gemeinderäume gebaut und der Raum für eine Behinderteneinrichtung der Caritas frei gemacht.

An vielen kirchlichen Orten entsteht Neues

Das Spirituelle Zentrum im Westen, das Menschen ansprechen möchte, die spirituell auf der Suche sind, wird im Advent 2019 eröffnen. Die Planungen für das Zentrum für Trauerpastoral in Degerloch werden immer konkreter. In St. Nikolaus wird eine Jugend- und Gemeindekirche entstehen. Auch in der Kirche St. Maria wird nach einer zweijährigen Experimentierphase unter dem Titel „St. Maria als“  im nächsten Jahr ein dauerhaftes Konzept erarbeitet und damit der Weg für den Umbau der Kirche frei gemacht. „Wir ziehen uns als Kirche nicht zurück, sondern wagen Neues“, stellte der Stadtdekan fest.

7,7 Millionen Euro fließen in Neubauvorhaben

Im nächsten Haushaltsjahr investiert die katholische Kirche in Stuttgart etwa 7,7 Millionen Euro (Volumen des Vermögenshaushaltes) in größere Neubauvorhaben, zu denen ein neues Gemeinde- und Wohnhaus in St. Elisabeth im Westen, der Neubau von Kirche und Gemeindezentrum in St. Johannes Maria Vianney in Mönchfeld und der Umbau und die Sanierung der Kindertagesstätte und des Gemeindehauses Herz Jesu im Osten gehören. Als drittgrößter Träger von Kindertagestätten in Stuttgart wird die katholische Kirche 2019 insgesamt 1,1 Millionen Euro für den Neubau und die Sanierung von Kitas aufbringen.

Höhere Kirchensteuerzuweisungen an Gemeinden

Beinahe 60 Prozent des Verwaltungshaushalts mit einem Gesamtvolumen von 60,9 Millionen Euro fließen in Personalkosten. 7,1 Millionen Euro, also etwa 16 Prozent des Verwaltungshaushalts, kommen den Kirchengemeinden zu Gute. Die Caritas Stuttgart als der Sozialverband der katholischen Kirche erhält rund 900 000 Euro. Insgesamt darf sich die katholische Kirche in Stuttgart angesichts der guten konjunkturellen Entwicklung über eine deutliche Erhöhung der Kirchensteuermittel freuen: 16,8 Millionen Euro fließen aus Rottenburg nach Stuttgart, von diesen wiederum gehen 7,1 Millionen Euro an die Kirchengemeinden und die muttersprachlichen Gemeinden. Hubert Hiller, der Leiter des kirchlichen Verwaltungszentrums, der die Eckpunkte des Haushaltes vorstellte, mahnte auch künftig zum soliden Haushalten: „Prognosen der Finanzexperten lassen erwarten, dass der konjunkturelle Aufschwung seinen Höhepunkt überschritten hat. Deshalb ist es wichtig, vorausschauend zu handeln, realistisch zu bleiben, nachhaltig zu wirtschaften und Prioritäten zu setzen“, so Hiller. In den jetzigen guten Zeiten müssten die Weichen für eine geordnete und auskömmliche Finanzsituation in schlechteren Zeiten gestellt werden.

Austrittzahlen verfestigen sich auf immer höherem Niveau

Angesichts steigender Zahlen bei den Kirchenaustritten bedankte sich der Stadtdekan Christian Hermes ausdrücklich bei den Kirchenmitgliedern für ihren Beitrag in Form von Kirchensteuer, aber auch vielfach durch Spenden und Zuwendungen. „Es beunruhigt uns, dass die Austrittsquoten in den vergangenen Jahren angestiegen sind und bei jedem Ärgernis und Skandal ein höheres Niveau erreichen, das sich dann verfestigt.“  Vor allem junge Erwachsene, die ins Berufsleben einsteigen, treten mit einer drei- bis vierfachen Häufigkeit aus der Kirche aus als andere Altersgruppen. „Wir müssen uns vor Ort bewähren und Angebote machen, die die Menschen annehmen. Dazu tragen auch die vielen Projekte und Schritte bei, die wir im Rahmen des Prozesses Aufbrechen gemacht haben und noch machen werden“, so der Stadtdekan.

Die Haushaltsrede des Stadtdekans Christian Hermes finden Sie hier.   

Kennen Sie unseren Newsletter?

Wir informieren Sie gerne über unsere aktuellen Themen. Melden Sie sich hier für unseren Newsletter an.

ANMELDEN