Fronleichnam

Den Himmel leuchten lassen

Seit fast einem Jahr tüftelt Karl Maderthaner an einem neuen Kreuz für die Fronleichnamsprozession in den Neckarvororten. Der 63-Jährige hat Konstruktionspläne gezeichnet, mit Plexiglas experimentiert – und schließlich ein Kreuz aus Holz und Plexiglas entworfen, das bei der Prozession am Donnerstag, 20. Juni, zum ersten Mal durch die Straßen getragen wird. Der Maschinenbauingenieur lebt seinen Glauben seit Kindesbeinen, bis heute bringt er sich zusammen mit seiner Frau Angelika in die Kirchengemeinde St. Johannes Evangelist in Untertürkheim ein. „Man kann zu uns kommen, wenn es in der Gemeinde etwas zu tun gibt“, sagt Maderthaner. So ist auch das Kreuz entstanden, das hell leuchtet, sobald ein Sonnenstrahl darauf fällt. „Ich wollte den Himmel leuchten lassen“, sagt Maderthaner.

Karl und Angelika Maderthaner zeigen das gebaute, noch nicht geleimte Kreuz in ihrem Garten.

Die Aufgabe hat Pfarrer Andreas Gälle im vergangenen Jahr nach der Fronleichnamsprozession in Untertürkheim an ihn herangetragen. Ob er sich denn vorstellen könne, für die Gesamtkirchengemeinde St. Urban ein Kreuz zu entwerfen und zu bauen, das leicht zu tragen ist. „Wer einmal als Ministrant ein massives Holz- oder Metallkreuz getragen hat, weiß, wie schwer dies sein kann“, sagt Karl Maderthaner, der vor Jahrzehnten als Ministrant in seiner Heimat in Österreich selbstverständlich bei den jährlichen Fronleichnamsprozessionen dabei war, das ein oder andere Mal auch als Kreuzträger. Karl Maderthaner, studierter Maschinenbauer, langjähriger Entwickler im Fahrzeugbau und zudem engagiertes Gemeindemitglied fand die Aufgabe reizvoll und wichtig.

Karl Maderthaner hat gezeichnet, experimentiert und Modelle gebaut

Der Rentner machte Skizzen, baute Modelle aus verschiedenfarbigem Holz und kam schließlich auf das Material Plexiglas. „Ich habe Plexiglas mit fluoriszierenden Kanten entdeckt und fand es eine schöne Vorstellung, ein leuchtendes Kreuz zu entwickeln“, erzählt der 63-Jährige. Am Ende fanden Pfarrer Gälle und er dann zu der Kombination leichtes Holz und Plexiglas. Geholfen hat dabei ein kleines Kreuz des Tübinger Künstlers Martin Burchhard, das im Wohnzimmer der Maderthaners in Untertürkheim steht. Nachdem die Materialien feststanden, hat der Stuttgarter in seiner Werkstatt in Untertürkheim weiter gezeichnet, gesägt, geklebt, experimentiert und geschliffen. In den vergangenen Wochen schließlich hat er ein Kreuz aus vier Teilen gebaut, das 56 Zentimeter hoch, 40 Zentimeter breit und nur 1,2 Kilogramm schwer ist. Die vier Teile wird Maderthaner in den nächsten Tagen noch leimen und das Kreuz dann auf eine Holzstab befestigen, damit es sich gut tragen lässt.

Die Liebe Gottes durch die Straßen tragen

Wie viel Stunden Arbeit er in sein Werk investiert hat, kann er gar nicht sagen: „Ich habe immer wieder daran weitergearbeitet, die Ideen dann aber auch ruhen lassen. Zeit hatte ich ja genug.“ Maderthaner und seine Frau freuen sich auf die Fronleichnamsprozession, die vom Schulhof des Lindenschulzentrums in Untertürkheim über den Neckar in die Kirche St. Christophorus nach Wangen führen wird und an der regelmäßig mehr als 200 Menschen teilnehmen. „Es ist eine schöne Vorstellung, hinter dem Kreuz herzulaufen, das aus sich heraus strahlt. An Fronleichnam tragen wir die Liebe Gottes durch die Stadt. Wir zeigen, dass Jesus bei uns ist. Wie kann man dies besser sichtbar machen als durch ein strahlendes Kreuz?“, fragt Angelika Maderthaner. Auch die langjährige Kirchengemeinderätin hilft seit Jahren bei den Vorbereitungen zur Prozession, mal beim Kochen für das anschließende gemeinsame Mittagessen, mal bei der Bestuhlung im Schulzentrum.

In der Kirche eine Heimat gefunden

Das Ehepaar ist nicht nur an Fronleichnam dabei: Die beiden Maderthaners leiten seit vielen Jahren einmal im Monat Wortgottesfeiern in der Kirche St. Johannes Evangelist und sind auch in anderen liturgischen Diensten im Einsatz. Karl Maderthaner singt zudem in der evangelischen Kantorei in Untertürkheim und setzt sich sehr für die Ökumene im Stadtbezirk ein. „Ich bin katholisch sozialisiert. Der Kirchgang und das Engagement in der Gemeinde gehören für mich seit meiner Kindheit zu meinem Leben“, sagt Karl Maderthaner und erinnert sich an seine Jugend in einem zutiefst katholischen Ort. „Ich glaube, ich habe erst mit 13 oder 14 Jahren bewusst einen Menschen anderer Konfession wahrgenommen“, erzählt er schmunzelnd. Später waren die Kirchenzugehörigkeit und die Ökumene für ihn bei jedem Ortswechsel immer auch ein wichtiger Anknüpfungspunkt: „In den Gemeinden habe ich mich aufgehoben gefühlt, auch als ich nach Stuttgart gekommen bin. Dieses Gefühl der Heimat und der Gemeinschaft möchte ich weitergeben.“

Das Evangelium zum Leuchten bringen

Pfarrer Andreas Gälle ist froh über das große Engagement der Maderthaners und vieler anderer Ehrenamtlicher in der Gesamtkirchengemeinde St. Urban mit den mehr als 10 000 Katholiken: „Die Prozession an Fronleichnam zeigt, dass wir als Christen mit Jesus Christus immer wieder aufbrechen und unterwegs sein dürfen. Das neue Kreuz setzt in diesem Jahr einen besonderen Akzent und ist ein Beispiel für unzählige Menschen, die sich nicht nur an diesem Tag dafür einsetzen, dass das Evangelium Jesu auch 2019 zum Leuchten kommt  - gerade trotz allen Krisen und Umbrüche in unserer Kirche.“

Prozession beginnt im Schulhof

Die Fronleichnamsprozession der Gesamtkirchengemeinde St. Urban mit dem neuen Kreuz startet am Donnerstag, 20. Juni, um 10 Uhr im Hof des Lindenschulzentrums (Lindenschulstraße 20) und führt bis zur Kirche St. Christophorus in Wangen und endet mit einem Mittagessen im evangelischen Gemeindehaus (Ulmer Straße 347).

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