St. Fidelis

Der Umbau für das Spirituelle Zentrum hat begonnen

Das künftige Spirituelle Zentrum in St. Fidelis soll Menschen ansprechen, die auf der Suche sind: nach Sinn, nach Mehr, nach Transzendenz, nach Tiefe. Den Innenraum gestaltet der Stuttgarter Künstler Martin Bruno Schmid. Der Umbau der Kirche hat begonnen.

Zehn Jahre lang ist Martin Bruno Schmid jeden Tag an St. Fidelis vorbeigeradelt, auf seinem täglichen Weg von der Wohnung zum Atelier. Seit einigen Wochen macht der 48-Jährige regelmäßig in dem Gotteshaus Station. Er hat den Ort auf sich wirken lassen, zu den unterschiedlichsten Tageszeiten, zu den unterschiedlichsten Anlässen. Mal saß er alleine in der stillen Kirche, dann inmitten von Menschen im Gottesdienst, mal waren es nur zehn Minuten, mal ein ganzer Nachmittag. Schmid wird gemeinsam mit dem Stuttgarter Büro „schleicher.ragaller freie architekten bda“ die Kirche St. Fidelis in den nächsten Monaten umgestalten. In St. Fidelis in der Seidenstraße entsteht ein Spirituelles Zentrum, das nicht nur Menschen ansprechen soll, die in den Gottesdienst kommen, sondern auch andere, die schon lange keine Berührung mit Kirche mehr haben, die aber nach spirituellen Erfahrungen suchen.

Ein Ort für Suchende und Fragende

„Das Spirituelle Zentrum wird ein Ort für Suchende und Fragende, für Menschen, die Sehnsucht nach Spiritualität, nach Tiefe in ihrem Leben haben“, sagt die Theologin Kirstin Kruger-Weiß, die für den Aufbau des neuen Zentrums verantwortlich ist. Das Spirituelle Zentrum soll ein Ort der Stille und des Auftankens mitten in der Großstadt werden. Angeboten werden soll christliche Spiritualität in den unterschiedlichsten Formen: zum Beispiel Bild- und Textmeditationen, Sitzen in der Stille, Filmgottesdienste, Alltagsexerzitien, Kurse zur Körperwahrnehmung, spirituelle Führungen, Meditationen in der Natur, Yoga, Musik und Stille, Segensfeiern, Tageszeitenliturgien. Kirstin Kruger-Weiß plant Kooperationen mit Museen und anderen Kultureinrichtungen, um Verbindungen zu Kunst und Literatur herzustellen, wo sich dies anbietet. Wichtig sei es, die Bedürfnisse und die Lebenswelt der Menschen mit dem christlichen Traditionsschatz in Verbindung zu bringen. „Wir möchten den Menschen mitten im hektischen Alltag kleine Brücken bieten“, sagt die Dekanatsreferentin, die mit dem künftigen Programm Menschen erreichen möchte, die fest im katholischen Glauben verwurzelt sind, aber auch spirituelle Wanderer.

Ein spiritueller Wanderer gestaltet Altar und Ambo

Martin Bruno Schmid ist ein solcher spiritueller Wanderer. Er ist nicht katholisch, dennoch schaut sich der Stuttgarter Künstler in jeder Stadt, die er besucht, Kirchen an. „Es sind heilige Orte, die dies auch ausstrahlen. Und es sind kunstgeschichtlich und architektonisch betrachtet bedeutende Orte und Bauwerke.“ In den nächsten Wochen wird sich Schmid daran machen, Altar, Ambo und Taufbecken für das Spirituelle Zentrum zu gestalten. Die liturgischen Gegenstände gewinnt er aus einem großen Block Travertin von der Schwäbische Alb, den er in drei Teile verwandeln wird - angelehnt an die Dreifaltigkeit. „Die Ideen haben sich ganz natürlich entwickelt, bei jedem meiner Besuche in St. Fidelis kam ein neuer Gedanke dazu.“

Die Erfahrung lehrt den Stuttgarter Künstler, dass es Räume und Orte mit einer gewissen spirituellen Aufladung gibt. Immer seien diese durch eine ,gute' und meist schlichte Gestaltung gekennzeichnet. „An spirituell aufgeladenen Orten spielen banale Alltagsgedanken und Alltagsprobleme eine untergeordnete, im Idealfall sogar überhaupt keine Rolle; der Geist ist frei und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren“, so Martin Bruno Schmid. Er hat sich ein klares Ziel gesetzt: St. Fidelis zu einem solchen Ort der Konzentration und Kontemplation „aufzuladen“. „Hierzu künstlerisch unterstützend beizutragen, war Aufgabe und ist nun Ehre.“

Station S ist der Name des neuen Zentrums

Noch wird an den liturgischen Gegenständen und auch in der Kirche gearbeitet, was allerdings schon steht, ist der Name des Spirituellen Zentrums:  Station S. „Es ist ein Name, der für Sehnsucht, Stille, Spiritualität, für Stuttgart, aber auch für Transzendenz und Offenheit steht", erklärt der stellvertretende Stadtdekan Werner Laub. Der Umbau der Kirche ist bereits im Gange, nachdem der vorerst letzte Gottesdienst Mitte September gefeiert worden und das Konzept der Öffentlichkeit noch einmal während der Stuttgartnacht im Oktober vorgestellt worden ist. Über die Kirchenbänke freut sich eine Gemeinde in Tansania. Altar und Ambo werden im Diözesanmuseum in Rottenburg aufbewahrt.

Die Kirche verändert sich

In der Kirche wird sich einiges verändern. Der neue Altar wird in die Mitte gerückt, wie es der Communio-Gedanke vorsieht. In die denkmalgeschützte, von dem Architekten Clemens Hummel entworfene Kirche wird zudem ein Binnenchor eingebaut, damit ein Raum beispielsweise für Meditationen entsteht. Saniert wird auch das angrenzende Pfarrhaus, in dem die Büroräume für das Spirituelle Zentrum, für das Kirchenmusikalische Zentrum sowie Räume für die spanische Gemeinde entstehen sollen. Das Spirituelle Zentrum in St. Fidelis soll im Advent 2019 eröffnet werden. Die Errichtung des Spirituellen Zentrums wird 1,4 Millionen Euro kosten, der Umbau von Kirche und Pfarrhaus weitere 1,4 Millionen Euro.

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