Adventsserie Teil 2

Die Heimat der Weihnachtskrippen

Die muttersprachlichen Gemeinden in Stuttgart sind für Menschen mit ausländischen Wurzeln ein wichtige Gemeinschaft, in der sie ihre religiöse Herkunft leben und kulturelle Traditionen pflegen können – zum Beispiel zur Adventszeit. Maria und Luciano Longo aus Rom haben mit ihren Kindern in der Christus-König-Kirche einen solchen Ort gefunden. Ein Besuch bei der Familie in ihrer Wohnung in Vaihingen.

Noch ist sie leer, die kleine Holzwiege, die zwischen Maria und Josef steht. Die heiligen drei Könige sind bereits angekommen mit ihren Gaben, Ochs und Esel liegen auch schon gemütlich im Stroh und über allem leuchtet der warme Schein einer Laterne. Das Jesuskind aber wird im Hause Longo nach guter Tradition erst am 25. Dezember in die Weihnachtskrippe gelegt. „Erst am Geburtstag Jesu“, sagt Maria Longo. „So haben wir das zuhause schon immer gehalten.“

Um die schöne Weihnachtkrippe in ihrer Vollkommenheit vorzuführen, wird auch Mal eine Ausnahme gemacht, kurz zu spickeln ist sozusagen erlaubt. Das gute Stück ist natürlich handgeschnitzt und aus Italien, gekauft hat es die 42-Jährige mit ihrem Mann allerdings auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Die Familie lebt seit August 2005 in der Landeshauptstadt, hierher gezogen sind sie aus beruflichen Gründen. Luciano Longo arbeitet auf dem italienischen Generalkonsulat im Stuttgarter Norden, ihr neues Zuhause haben die Longos aber in Vaihingen entdeckt. Hier, ganz in der Nähe der Universität, hat das Ehepaar eine schöne Wohnung für sich und seine beiden Kinder gefunden. Gabriele ist fünf, Brüderchen Riccardo drei Jahre alt und damit bereits in Stuttgart geboren. „Ich war gerade schwanger, als wir hierher gezogen sind“, erzählt Maria Longo.

Eine Presepe gehört überall dazu

Ihren neuen Lebensmittelpunkt hat die Familie aus Italien aber auch deshalb in Vaihingen gefunden, weil hier die Christus-König-Kirche steht, die sie regelmäßig besucht. Zweimal im Monat wird hier ein Gottesdienst in italienischer Sprache abgehalten, genauso oft bekommt der kleine Gabriele Katechismusunterricht. Ihr Glaube, ihre Religion und die Traditionen ihrer Heimat sind Maria Longo und ihrem Mann sehr wichtig. In ihrem Haus in Rom, in das sie eines Tages zurückziehen wollen, steht unter anderem noch ihre alte Weihnachtskrippe, die viel zu groß ist, um sie mitnehmen zu können. Was in Deutschland der Tannenbaum ist, sei in Italien die Weihnachtskrippe, sagt Maria Longo.

Die schönsten und aufwendigsten davon werden in San Gregorio Armeno in Neapel von Kunsthandwerkern in uralter Tradition gebaut, die berühmte Krippenstraße dort zieht in der Vorweihnachtszeit Besucher aus aller Welt in Scharen an. Jede Familie hat eine Krippe, eine „Presepe“, die oftmals nach ganz individuellen Wünschen und mit einer Vielzahl an Figuren und Szenen gestaltet wird. In jedem Kaufhaus steht eine, auf jedem größeren Platz und in den Kirchen sowieso. Sinn und Zweck der Krippen sei auch, so Maria Longo, den Kindern die Geschichte von Maria und Josef und das ganze Drumherum anschaulich erklären zu können. Das Weihnachtsfest habe eine tiefere Bedeutung und die Kinder seien besser darauf vorbereitet, wenn sie die Geschichte dazu kennen.

Adventszeit beginnt mit Maria Empfängnis

Anders als in Deutschland üblich, beginnt für Familie Longo und ihre Landsleute die Adventszeit erst am 8. Dezember, dem Tag also, an dem die Katholiken das Hochfest „Maria Empfängnis“ feiern, das „Festa dell’Immacolata Concezione“. Am Abend geht man an diesem Tag gemeinsam in die Kirche, hinterher wird im Kreise der Familie oder mit Freunden gefeiert. In manchen Städten und Regionen Italiens, besonders in den Abruzzen, werden dazu in den Straßen die sogenannten Zampogna gespielt, also zweistimmige Dudelsäcke, auch italienische Sackpfeifen genannt. Der Überlieferung nach sollen Schäfer diese Musik einst gespielt haben, nachdem sie das Jesuskind in Bethlehem gesehen hatten.

Einen Dudelsack haben Maria und Luciano Longo nicht in ihrer Wohnung in Vaihingen, dafür aber eine Prachtausgabe der Bibel und einen Benedictio apostolica, also einen apostolischen Segen von Papst Franziskus, den sie zu ihrer kirchlichen Trauung in Rom im Juni 2016 in einem goldenen Rahmen bekommen haben. Als gläubiger Christ hat sich der 48-jährige Luciano Longo in Rom intensiv spirituell engagiert, unter anderem in einer kleinen Gemeinschaft. Auch ihm ist die vorweihnachtliche Zeit sehr wichtig und er ist froh, wie er sagt, in Stuttgart einen Ort gefunden zu haben, an dem er seinen Glauben leben und das Wort Gottes in seiner Muttersprache hören kann.

Die Tombola ist Teil der Tradition

Zu den Traditionen, die untrennbar mit dem Weihnachtsfest auf italienische Art verbunden sind, gehört neben Fischgerichten und süßem Gebäck wie Panettone oder Panforte di Siena vor allen noch eines: die Weihnachtstombola, die an Heiligabend überall gespielt wird und mitunter die ganze Nacht dauert. Ähnlich wie beim Spiel Bingo werden dazu von jedem Spieler Kärtchen mit Zahlen von 1 bis 90 „gekauft“, aus einem Behälter werden dann Nummern gezogen. Wer die richtige hat, markiert sie auf seinem Kärtchen. „Wir nehmen dazu meist getrocknete Mandarinenschalen“, erzählt Maria Longo, die von Beruf Ärztin ist und sich gerade auf ihre Approbationsprüfung vorbereitet, die im Januar nächsten Jahres ansteht. Zuvor freut sie sich aber auf ein schönes Weihnachtsfest, wie sie sagt, zu dem in diesem Jahr ihre Schwester mit Familie sowie die Eltern ihres Mannes zu Besuch kommen. Zur Christmette werden sie dann alle zusammen an Heiligabend in die Christus-König-Kirche gehen. Am nächsten Tag kann dann endlich auch das Jesuskind in die Krippe von Familie Longo einziehen.

Rezept

Tortellini in brodo

Zutaten für den Teig

300 g doppelgriffi ges Weizenmehl (Nudelmehl, Dunst, Semola)
2 Eier (Größe M), 4 Eigelb (Größe M)
1/3 TL Salz

Zutaten für die Füllung 2 Schalotten 150 g Rindfleisch 50 g Prosciutto di Parma crudo 50 g Mortadella 1 EL Butter 100 ml Kalbsfond (stark reduziert) ½ kleines Bund Liebstöckel 6 EL geriebener Parmigiano Reggiano 1 Ei Salz, frisch gemahlener Pfeffer, Muskatnuss 1 Ei zum Bestreichen 600 ml kräftige Fleischbrühe zum Servieren Blattpetersilie (Streifen)
1. Mehl, Eier und Salz zu einem Teig kneten. Darauf achten, dass der Teig glatt und ohne Einschlüsse ist. Luftdicht in Frischhaltefolie einwickeln, am besten vakuumieren und 60 Minuten ruhen lassen.
Tipp Teig für gefüllte Pasta sollte elastisch und glatt, aber nicht zu klebrig sein. Verwenden Sie dafür doppelgriffiges Mehl. Dieses ist besonders fein, quell- und rieselfähig und macht den Teig schön elastisch und gut formbar.
3. Schalotten, Fleisch, Schinken und Mortadella zerkleinern.
4. Schalotten in Butter glasig dünsten. Mit Fond ablöschen. Unter die Fleisch-, Schinken- und Mortadella-Masse geben.
5. Liebstöckel mit Parmesan und Ei untermischen. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken. Frischen Liebstöckel vorsichtig verwenden. Achtung: Mischung soll überwiegend fest sein!
6. Nudelteig ordentlich mehlieren und dünn ausrollen. Es dürfen keine Löcher oder Risse entstehen, da sonst beim Garen die Füllung austritt. Teig in kleine ca. 10 x 10 cm große Vierecke schneiden.
7. Mit ca. walnussgroßem Stück der Füllung belegen, die Ränder mit Ei bestreichen und zu einem Dreieck zusammenfalten. Anschließen die langen Enden des entstandenen Dreiecks zusammenkleben und das kurze Ende umkrempeln, sodass die typische Form entsteht.
8. Kochzeit: 2–3 Minuten je nach Größe. Die Füllung sollte gar und der Teig noch bissfest sein.
Tipp Tortellini in brodo werden in tiefen Tellern mit Fleischbrühe ggf. durch den Service angegossen (etwa 1 cm hoch) und mit Parmesankäse und Blattpetersilie bestreut serviert.

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