Sternsinger in St. Theresia

Die Stunde der Sternsinger

Sie sind schon seit Jahrzehnten eine feste Größe im Weilimdorfer Gemeindeleben: Die beliebten Sternsinger, die bis zum 6. Januar wieder an knapp tausend Haustüren im Stadtbezirk klingeln und ihre Lieder und Reime vortragen werden. Wie in jedem Jahr sammeln die Kinder und Jugendlichen neben Süßigkeit vor allem Spenden, mit denen auf der ganzen Welt Orte der Hoffnung für Kinder geschaffen werden können.

Der Vorrat an Theaterschminke und Tafelkreide ist aufgefüllt. Die Kostüme hängen ordentlich sortiert auf Kleiderbügeln, die Lauflisten sind aufgestellt und die Lieder und Reime sitzen auch schon bei den jungen Sternsingern, die demnächst wieder in ganz Weilimdorf unterwegs sein werden. „Ich bin der König Balthasar, bin unterwegs schon fast ein Jahr. Ich bin daheim am fernen Meer, der Weg war mühsam, hart und schwer.“

Seit vier Jahrzehnten schon gehört es schon zur Tradition in der Weilimdorfer Kirchengemeinde St. Theresia, dass die Gemeindemitglieder in der ersten Januarwoche Besuch bekommen von den Weisen aus dem Morgenland, den Heiligen Drei Königen. „Viele Menschen freuen sich schon lange vorher auf den Moment, wenn es an der Türe klingelt und die Stunde der Sternsinger schlägt“, sagt Matthias Aufheimer, der während der Weihnachtszeit eine Art Leitstern ist, wenn man so will. Zwar sind die Strukturen über die Jahre gewachsen und vieles hat sich eingespielt im Team der ehrenamtlichen Helfer. Dennoch muss jedes Jahr vieles aufs Neue organisiert werden, gilt es Nachwuchskräfte zu werben, Probentermine zu legen und Absprachen zu treffen. „Bei mir laufen alle Fäden zusammen“, sagt Aufheimer.

Die Lücke gut gefüllt

Eine verantwortungsvolle und komplexe Aufgabe, für die der Weilimdorfer nachgerade prädestiniert ist. Er wurde in die Gemeinde hineingeboren, hat in St. Theresia Taufe, Kommunion und Firmung erlebt und war viele Jahre lang Ministrant. Anschließend engagierte er sich zwölf Jahre lang als Jugendleiter und war unter anderem für die Ministranten verantwortlich. Im Oktober 2016 endete sein Engagement in der Jugendarbeit, zeitgleich verabschiedete sich seinerzeit auch Pfarrer Hanns Schäfer in den Ruhestand. Dieser hatte das Weilimdorfer Sternsingen stets selber organisiert und vorangetrieben. Um die Lücke etwas zu füllen, so Matthias Aufheimer, habe er in diesem Jahr die Aufgabe interimsmäßig übernommen.

Zwischenzeitlich ist der 30-Jährige schon zum dritten Mal für das Weilimdorfer Großereignis verantwortlich, was wohl als sicheres Zeichen dafür gewertet werden kann, dass alles bestens funktioniert. Matthias Aufheimer selbst, der an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg Bildungswissenschaften studiert und das Studium erst vor kurzem abgeschlossen hat, ist jedenfalls mit Spaß und großen Engagement dabei. Noch dazu bringt er als langjähriger Sternsinger und späterer Begleiter einen reichen Erfahrungsschatz mit. Er habe selber oft genug vor einer Haustüre gestanden, das gemeinsame Lied gesungen und seinen auswendig gelernten Reim aufgesagt, erzählt er: „Auch ich stell mich geziemend vor: Ich heiße König Melchior. Am Kongostrom steht mein Palast.“

Spenden für Kinder aus aller Welt 

Eine knappe Viertelstunde dauert die kleine Aufführung an der Haustüre, der Aufwand dafür ist um ein Vielfaches größer. Schon im September beginnt Matthias Aufheimer mit den ersten Vorgesprächen, im November werden dann die Elternbriefe verschickt, Listen ausgehängt und Sternsinger gesucht, ab Dezember beginnen die Proben. Wie in den vergangenen Jahren auch werden vom 3. bis zum 6. Januar insgesamt zehn Gruppen im Stadtgebiet unterwegs sein. Zu jeder Gruppe gehören die drei Könige und ein Sternsinger, außerdem ist noch ein älterer Begleiter dabei. An jedem der vier Tage stehen für jede der Gruppen 20 bis 30 Besuche auf dem jeweiligen Laufzettel, ein strammes Programm. „Im vergangenen Jahr haben wir insgesamt 920 Haushalte besucht“, sagt Matthias Aufheimer. An Spenden sind dabei immerhin exakt 20.149,31 Euro gesammelt worden. Viel Geld, das insbesondere Kindern in aller Welt zugute kommt.

Das gesammelte Geld geht an das Kindermissionswerk

Jeder Euro, der in den vier Tagen in Weilimdorf gesammelt wird, geht an die zentrale Sternsingeraktion des Kindermissionswerks, an der sich Gemeinden aus ganz Deutschland beteiligen. Ende der 90er Jahre hat die Gemeinde St. Theresia eine Urkunde für das drittbeste Ergebnis bundesweit verliehen bekommen, zwischenzeitlich wurde ein solches Ranking aber abgeschafft. Ohnehin ist es im Vergleich zu diesen Tagen etwas schwerer geworden, Sternsinger zu finden, sagt Matthias Aufheimer. Das fange schon mit den neuen Datenschutzbestimmungen an, die verhindern, dass der Pfarrer die Liste mit neuen Gemeindemitgliedern weitergeben kann. „Wir haben noch keinen richtigen Weg gefunden, wie wir neue Mitglieder direkt ansprechen können“, so Aufheimer. Beworben wird die Aktion überwiegend in den Gruppenstunden, die nach der Kommunion angeboten werden. „Je weniger Kinder zur Kommunion gehen, desto weniger potentiellen Nachwuchs haben wir für die Sternsinger“, sagt Matthias Aufheimer.

Die bewegenden und heiteren Momente überwiegen

Die jüngsten Sternsinger sind etwa neun Jahre alt, die ältesten 15 oder 16. Viele bleiben über mehrere Jahre dabei, trotz des nicht geringen Aufwands mitten in den Schulferien. Zur Seite stehen ihnen bis zu 40 ehrenamtliche Helfer, die sich um die Kostüme und die Schminke kümmern, die Gruppen auf ihrem Weg begleiten und zum Abschluss am 6. Januar eine große Feier in der Gemeindehalle organisieren. Dort werden dann auch die gesammelten Süßigkeiten gerecht verteilt. Vier gehäuft volle Tische waren es im vergangenen Jahr, eine gut gefüllte Tüte pro Kind.

Für jedes Kind eine gut gefüllte Süßigkeiten-Tüte

Für diesmal hofft Matthias Aufheimer insbesondere wieder auf ein gutes Spendenergebnis, das helfen soll, überall auf der Welt Orte der Hoffnung für Kinder zu schaffen. Knapp 770.000 Euro, so hat er jüngst ausgerechnet, sind in den vergangenen 40 Jahren bei der Aktion gesammelt worden. Eine stolze Summe. Immer wieder Mal kommt es bei der Sammelei auch zu komischen Begebenheiten, wenn etwa mal die Türe vorschnell nach dem Lied zugeht, bevor das Schlusswort gesprochen und um eine Spende gebeten werden konnte. Mitunter geht hinter der Fensterscheibe auch das Licht aus, wenn geklingelt wird. „Nicht bei jedem sind die Sternsinger willkommen“, sagt Matthias Aufheimer. Die schönen, bewegenden, rührenden und auch heiteren Momente überwiegen aber bei weitem, sagt er. Legendär ist etwa eine Vorstellung vor vielen Jahren, vor der sich die Kinder kurz vorher offenbar angeregt über einen Goldfisch unterhalten hatten. Nachdem die Türe aufgegangen war, trug der offenbar etwas abgelenkte König dann einen leicht abgewandelten Reim zur Begrüßung vor: „König Goldfisch bin ich genannt: Mein Reich liegt fern im Morgenland.“

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