Ausstellung

Ehrenamtliche werben mit ihren Kunstwerken für die Telefonseelsorge

Normalerweise bleiben die 60 Ehrenamtlichen, die bei der katholischen Telefonseelsorge Ruf und Rat mitarbeiten, anonym. Für eine Kunstausstellung im Rathaus machen einige von ihnen jetzt eine Ausnahme. Die 70 Jahre alte Brigitte Förschler-Eberhard ist eine der Ehrenamtlichen, die eigene Kunstwerke ausstellen, um mit diesen für die Arbeit der Telefonseelsorge zu werben. Die Vernissage für die Ausstellung mit dem Titel „Begegnungen“ findet am Montag, 18. Februar, um 18 Uhr im Stuttgarter Rathaus statt. Die Bilder sind dort bis zum 8. März zu sehen.

Telefonseelsorge: Ehrenamtliche helfen Anrufern

An diesem Vormittag macht Brigitte Förschler-Eberhard Dienst für die katholische Telefonseelsorge Ruf und Rat im Hospitalviertel. Eben noch hat sie mit einer jungen Frau telefoniert, die am Tag zuvor die dritte Ausbildung abgebrochen hat, die enttäuscht ist von sich selbst und die sich jetzt fragt, wie es weitergehen soll. Brigitte Förschler-Eberhard hat der Anruferin lange zugehört und hin und wieder eine weiterführende Frage gestellt. Am Ende des Gesprächs ist die junge Frau dankbar dafür, dass ihr jemand zugehört hat.

Mit vielen Problemen konfrontiert

Jetzt sitzt Brigitte Förschler-Eberhard im Aufenthaltsraum der Telefonseelsorge und erzählt von der jungen Anruferin, von vielen anderen Begegnungen am Telefon, aber auch von sich und ihrer Kunst. Vor sieben Jahren hat die frühere Lehrerin die Ausbildung bei der Telefonseelsorge begonnen. „Für mich war immer klar, dass ich im Ruhestand ein Ehrenamt übernehmen würde und das habe ich auch getan. Ich bin dankbar dafür, hier meinen Platz gefunden zu haben.“ Dreimal im Monat macht sie bei der Telefonseelsorge Dienst, mehrmals im Jahr auch nachts. „Ich gehe fast immer mit einem guten Gefühl nach Hause, weil ich den Menschen etwas gebe und zumindest während des Telefonats mit ganzer Aufmerksamkeit bei ihnen sein kann.“ Die Probleme, mit denen die Rentnerin aus der Region Stuttgart konfrontiert wird, sind vielfältig: Einsamkeit im Alter, Mobbing im Büro, das überraschende Ende einer Beziehung, Streit in der Familie, der Verlust des Arbeitsplatzes, aber auch Krankheit und Tod. Manchmal nimmt sie einen Anruf gedanklich mit auf den Nachhauseweg. Manchmal braucht sie auch den Austausch mit den anderen Haupt- und Ehrenamtlichen der Telefonseelsorge, um zum Beispiel damit klar zu kommen, dass ein Anrufer sich das Leben nehmen wollte und irgendwann unvermittelt aufgelegt hatte. „Man muss sich immer bewusst sein, dass man die Welt nicht retten kann. Aber im kleinen Rahmen kann ich eben doch da sein für die anderen“, tröstet sich die 70-Jährige.

Am Telefon mit ganzer Aufmerksamkeit bei den Anrufern

Brigitte Förschler-Eberhard ist dankbar für den Zusammenhalt und den kollegialen Umgang  bei der Telefonseelsorge und für das neue Aufgabenfeld, das sie im Ruhestand zusätzlich zu ihrer Malerei gefunden hat. „Ich bin die Beschenkte“, so die Telefonseelsorgerin. Als Kunstlehrerin hat sie immer viel gemalt und tut dies auch heute noch. Ihre Aquarelle zeigen viel Natur, aber auch Menschen in ihrer Verwurzelung, zeigen Wälder, Bäume, Flüsse. Den Skizzenblock hat Brigitte Förschler-Eberhard immer dabei, auch auf ihren Fahrten zur Telefonseelsorge. „Wenn ich am Telefon sitze und zuhöre, dann bin ich genauso präsent und konzentriert wie beim Malen“, erzählt sie.

Ausstellung startet am 18. Februar

Zusammen mit sechs anderen Ehrenamtlichen der Telefonseelsorge stellt sie von Montag, 18. Februar, an ihre Bilder aus. Zu sehen sind im zweiten Obergeschoss des Stuttgarter Rathauses (Marktplatz 1) bis Freitag, 8. März, auch Skulpturen und Fotografien. „Uns ist es wichtig, auf die Telefonseelsorge aufmerksam zu machen, die vielen Menschen in der Not eine Anlaufstelle bietet.“ Brigitte Förschler-Eberhard hat schon oft die Erfahrung gemacht: Vielen Menschen hilft es schon, wenn ihnen jemand unvoreingenommen zuhört, ohne zu bewerten. Die Vernissage beginnt am 18. Februar um 18 Uhr. Dort gibt es auch Gelegenheit, mit den Ehrenamtlichen über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen ins Gespräch zu kommen. Die nächste Fortbildung für neue Ehrenamtliche beginnt im Januar 2020. Wer grundsätzliches Interesse an einer Mitarbeit hat, kann sich bereits melden unter Telefon 0711/ 226 20 55.   

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