Jugend

Ein Denklabor in der Kirche

St. Nikolaus soll in den nächsten Jahren zu einer Jugend- und Gemeindekirche werden. In einem Beteiligungsprozess haben in den vergangenen Wochen Jugendliche und Gemeindemitglieder Ideen für die Neugestaltung der Kirche gesammelt.

© Hannes Buchwald

Jeder, der in die 1899 eingeweihte Kirche kommt, sieht sofort: hier passiert etwas Neues. Wo vor einigen Monaten noch acht Kirchenbänke standen, findet sich jetzt ein Denklabor auf einem kleinen Podium. An den Stellwänden der Infobox sind die Ideen ausgestellt, die in den vergangenen Wochen entstanden sind und die von jedem, der in die Kirche kommt, sofort kommentiert werden können. Die Jugendlichen wünschen sich vor allem viel Flexibiliät. Für die Gemeindemitglieder ist es wichtig, dass sie eine funktionierende Heizung bekommen und sich nicht alles grundlegend wandelt.

Auf Stadtsafari im Osten Ideen gesammelt

Das Stuttgarter und Kölner Architekturbüro Prinzmetal, das den Beteiligungsprozess steuert, hat jung und alt mit Polaroidkamera und Fragebögen durch den Stuttgarter Osten auf Stadtsafari geschickt, hat mit den Jugendlichen und den Gemeindemitgliedern in dem Denklabor Wünsche aufgespürt und zuletzt Szenarien entwickelt, wie die Kirche in Zukunft aussehen könnte. „Das ist ein spannender Prozess und eine coole Möglichkeit, megakreativ zu werden und eine Kirche anders zu denken. Es ist etwas Großes, bei dem wir Jugendliche mitwirken können, etwas, das Bestand haben wird“, findet Felix Mühlbauer aus Zuffenhausen. Der 25-jährige Student engagiert sich seit fast zehn Jahren in der katholischen Jugendarbeit in Stammheim und freut sich über die  Aussicht auf eine Jugend- und Gemeindekirche im Stuttgarter Osten. Die 21-jährige Cara Fehrmann aus dem Sommerrain wünscht sich viel Flexibilität und Gestaltungsfreiheit: „Wichtig ist, dass wir die Kirche jederzeit so einrichten können, dass wir uns wohlfühlen, egal, ob sich nur zehn oder 50 Jugendliche treffen.“

Eine große Chance für die Gemeinde

Als große Chance betrachtet auch die Kirchengemeinderätin Andrijana Stefanic den Beteiligungsprozess und die Experimentierphase, die im nächsten Jahr folgen wird. „Wir sehen schon, dass die Kirche für die Gemeinde alleine inzwischen zu groß ist. Es ist spannend, mit den jungen Menschen zusammen Ideen zu entwickeln. Wir hoffen, dass für beide Seiten eine gute Kombination herauskommt.“ Darauf setzt auch Martin Boßmann, der seit drei Jahren im Kirchengemeinderat von St. Nikolaus ist. „Es kommen verschiedene Generationen mit ihren Vorstellungen von Kirche zusammen. Da wird es an der ein oder anderen Stelle ruckeln, aber beide Seiten profitieren.“ Für den 38-jährigen Architekten ist das Projekt eine enorme Chance für die Gemeinde. „Wir haben in St. Nikolaus nur mehr wenige Jugendliche. Umso wichtiger ist es, das Jugendpastorale Zentrum YouCh bei uns zu haben.“ Aus seiner Sicht ist es gut, dass die Nikolauskirche für die Gemeinde saniert wird, mit der Jugendkirche aber auch eine zusätzliche Nutzung bekommen wird.

Im Jahr 2019 läuft Experimentierphase

Die Ideen und Visionen werden beim Gemeindefest am 24. Juni als Ausstellung gezeigt. Auf dieser Grundlage wird dann das Architekturbüro Prinzmetal ab Sommer Konzepte entwerfen und Raummodule entwickeln, die es ermöglichen, viele der Ideen dann auch tatsächlich in der Nikolauskirche auszuprobieren. Im Januar 2019 soll dann die Kirche für eine einjährige Experimentierphase in kleinerem Umfang so umgebaut werden, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen von Ostern 2019 bis Pfingsten 2020 unterschiedliche Gottesdienstformen und Angebote in der Kirche ausprobieren können. Die Kirche wird in dieser Zeit aber immer auch Gottesdienstort der Gemeinde bleiben. Erst nach diesem Jahr des Ausprobierens und Experimentierens soll dann der eigentliche Umbau zur Jugend- und Gemeindekirche mit einem Architektenwettbewerb angegangen werden.

In der Gemeinde St. Nikolaus ist schon jetzt das Jugendpastorale Zentrum YouCh angesiedelt, nur ein paar Meter von der Kirche entfernt in der Landhausstraße 67. Die Jugendlichen und die Hauptamtlichen tragen den Beteiligungsprozess maßgeblich mit.  

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