Jugendkirche startet

Einladung nicht nur zum Abendlob mit Abendbrot

St. Nikolaus soll zur Jugend- und Gemeindekirche werden. Das Gotteshaus im Stuttgarter Osten wird nach den Bedürfnissen der Jugendlichen und der Gemeinde umgebaut. Bevor sich Architekten an die Planung machen, werden die Jugendlichen, aber auch die Gemeindemitglieder vom 14. September bis zum 1. November mit dem Raum experimentieren. In den sieben Wochen sind junge Menschen zum Abendlob mit Abendbrot, zu Workshoptagen im Kirchenraum, zum Filmgottesdienst und zur Atelier-Kirche eingeladen. Die Eröffnung der vorläufigen Jugendkirche wird am Samstag, 14. September, um 17 Uhr mit einem Gottesdienst und einem Fest vor der Kirche St. Nikolaus (Werastraße 120) begangen.

Lukas Rühle engagiert sich für die katholische Jugendkirche in St. Nikolaus.

In den Sommerwochen ist in der Kirche St. Nikolaus viel passiert. Der Kirchenraum ist leer geräumt worden, um Platz zu gewinnen für Neues. Feste Kirchenbänke gibt es nicht mehr, stattdessen 20 leichte tragbare Bänke. Neben dem festen Altar findet sich in St. Nikolaus jetzt ein mobiler Zelebrationstisch, der genauso wie die Bänke dort aufgestellt werden kann, wo die Jugendlichen Gottesdienst feiern möchten. In der Mitte der Kirche zwischen den großen Säulen sind Vorhänge aufgehängt worden, die je nach Gottesdienst und Veranstaltung zu- oder aufgezogen werden können, so dass kleine Räume in dem großen Kirchenschiff entstehen können. „Wir überlegen vor jedem Gottesdienst neu, wie wir den Raum gestalten, wo und wie wir uns setzen, welche Atmosphäre wir in der Kirche schaffen möchten“, sagt die 22-jährige Miriam Krisa, die zur Stadtleitung des Bundes der Katholischen Jugend (BDKJ) gehört und die an der Organisation des Programmes mitgewirkt hat.

Zum Gebet einach auf dem Boden sitzen

Die angehende Organisationsassistentin hat in Taizé erlebt, wie anders und wie berührend es sein kann, zum Gebet einfach auf dem Boden zu sitzen. „Vielleicht probieren wir das beim Taizé-Gebet im September aus. Wir werden das zusammen entscheiden.“ In ihrem Freundeskreis erlebt Miriam Krisa immer wieder, dass junge Menschen von der frontalen Aufteilung, die sie in Gottesdiensten erleben, abgeschreckt sind. „Das ist wie Frontalunterricht in der Schule, das möchte keiner mehr“, so die 22-Jährige. Sie freut sich deshalb über die Möglichkeiten, die ihnen die Jugendkirche eröffnet. „Der Glaube gibt mir Halt im Leben und die Gemeinschaft trägt mich. Diese Erfahrung sollen auch andere junge Menschen machen können.“

„Junge Menschen möchten mitgestalten, nicht nur zuhören“

Auch der 18 Jahre alte Lukas Rühle aus Heumaden freut sich über die Vielseitigkeit, die in St. Nikolaus möglich ist. „Viele meiner Freunde können mit einem klassischen Sonntagsgottesdienst nichts mehr anfangen. Sie wünschen sich andere spirituelle Formen“, erzählt der Oberministrant, der sich an dem Prozess Jugendkirche beteiligt hat und sich über die Veränderungen in St. Nikolaus freut. „Gut ist, dass wir in St. Nikolaus ausprobieren können, wie wir anders als in einem klassischen Gottesdienst mit Gott in Verbindung kommen können. Jugendliche möchten mitgestalten und nicht nur in der Kirchenbank sitzen und zuhören. Das ist in St. Nikolaus möglich.“ Dem 18-Jährigen, der im September mit seiner PIA-Ausbildung zum Erzieher beginnt, schlägt unter Gleichaltrigen immer wieder auch Unverständnis entgegen: „Für mich ist es wichtig zu wissen, da ist jemand, der Gutes für mich tut, der auf mich schaut, auch wenn ich dies im Alltag nicht immer sehe oder spüre.“

In der Atelierkirche selbst ein Kunstwerk schaffen

Lukas Rühle und Miriam Krisa werden bei den Gottesdiensten im September und Oktober dabei sein, soweit ihnen ihre Ausbildung dies erlaubt. Auf dem Programm im September und Oktober stehen neben der Eröffnungsveranstaltung ein Taizé-Gebet am Mittwoch, 18. September, um 18.30 Uhr sowie ein Werktagsgottesdienst am Mittwoch, 25. September, um 19 Uhr in der Jugendkirche. Die Wernauer Atelier-Kirche, die der Idee der Playing Arts folgt, ist am Donnerstag, 26. September um 17 Uhr zu Gast in St. Nikolaus. Die Jugendlichen suchen sich Materialien aus, und lassen sich von Beispielen aus der Kunst und einem Text aus dem Evangelium inspirieren und berühren, um dann selbst ein Kunstwerk zu erschaffen. Am Dienstag, 1. Oktober, um 19 Uhr folgt ein Abendlob mit Abendbrot, also eine Andacht, an die sich ein gemeinsames Essen anschließt. In einem Workshoptag am Montag, 14. Oktober sammeln Jugendliche und Gemeindemitglieder Ideen für den Kirchenraum. Zum Abschluss des Programms wird am Donnerstag, 24. Oktober, zum Filmgottesdienst geladen.

Gesammelte Ideen fließen in die Umbauplanungen ein

Nach der Experimentierphase wird es die Aufgabe der Architekten sein, den Umbau von St. Nikolaus zur Jugend- und Gemeindekirche zu planen. „Die Ideen, die die jungen Menschen in den sieben Wochen und auch in dem Workshop sammeln, sollen in die Planungen einfließen“, verspricht der Stadtjugendpfarrer Jörg Widmann.

Das Programm der Jugendkirche im Überblick:

Samstag, 14. September, 17 Uhr Eröffnung der Jugendkirche und 3. Geburtstag YouCh
Mittwoch, 18. September, 18.30 Uhr Taizé-Gebet
Mittwoch, 25. September, 19 Uhr Werktagsgottesdienst in der Jugendkirche
Donnerstag, 26. September, 17 Uhr Atelier-Kirche on tour
Dienstag, 1. Oktober, 19 Uhr Abendlob mit Abendbrot
Sonntag, 13. Oktober, 18 Uhr Dekanatsjugendgottesdienst
Montag, 14. Oktober Workshoptage im Kirchenraum
Dienstag, 22. Oktober, 14.30 Uhr Kirchenraum-Workshop für Lehrer-/innen
Donnerstag, 24. Oktober, 18 Uhr BDKJ-Stadtversammlung
Donnerstag, 24. Oktober, 19.30 Uhr Filmgottesdienst

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