Weltfrauentag (2)

„Es ist ein Gefühl zwischen Hoffen und Resignation“

Petra Theodoridis, die sich seit Jahren ehrenamtlich in der katholischen Kirche in Stuttgart engagiert, fasst ihren Schmerz so zusammen: „Es tut mir weh zu sehen, wie die Kirche ausstirbt, weil sie nicht reformwillig oder reformfähig ist, obwohl so viele Menschen nach Antworten zu ihren Lebensfragen suchen und die Sehnsucht nach Spiritualität immer größer wird.“ Und ihre Freude? Die Weltkirche und eine Liturgie für alle Sinne.

Wie geht es Ihnen im Jahr 2020 mit und in der katholischen Kirche?

Ich spüre sehr stark, dass die Amtskirche in ihrer Struktur und Hierarchie wenig Raum offen lässt für den reformierenden Geist Gottes. Es ist ein Gefühl zwischen Hoffen und Resignation.

Was schätzen Sie an Ihrer Kirche?

Ich schätze, dass sie Weltkirche ist und Kontakt und Einflüsse aus allen Regionen der Erde ermöglicht. Dass sie durch die feierliche Liturgie alle Sinne anspricht und durch den einheitlichen Ritus gemeinschaftsfördernd ist, egal wo man die Liturgie feiert.

Was tut weh?

Es tut mir weh, wenn ich sehe, dass meine Kirche die Botschaft Jesus nicht lebt. Dass viele von Ämtern und Sakramenten ausgeschlossen sind, weil das Kirchenrecht, der Machterhalt wichtiger sind als die Anliegen der Gläubigen an der Basis. Es tut mir weh zu sehen, wie die Kirche ausstirbt, weil sie nicht reformwillig oder reformfähig ist, obwohl so viele Menschen nach Antworten zu ihren Lebensfragen suchen und die Sehnsucht nach Spiritualität immer größer wird.

Es tut mir weh zu sehen, wie alte Männer im Vatikan für die Gläubigen Entscheidungen treffen, aber von der Lebenswirklichkeit und den Bedürfnissen und Sehnsüchten der Jugend, der Frauen, der Menschen so weit weg sind, dass sie Entscheidungen treffen zum Erhalt der Institution, aber am Notwendigen für die Menschen vorbei.

Welche Veränderungen wünschen Sie sich?

Ich wünsche mir eine Kirche, in der sich jede Generation angesprochen fühlt. Und ich wünsche mir eine Kirche, in der Menschen begeistert werden von der Botschaft Jesu und durch gute Seelsorger erfahren, wie diese biblische Botschaft im Lebensalltag Hilfestellung sein kann.

Warum sind Sie dabei?

Nach all den Missständen fällt es wirklich schwer, noch dabei zu sein. Aber nur als Mitglied meiner Kirche kann ich von innen kritisieren und zur Umgestaltung beitragen. Ich fühle mich gestärkt durch das Netzwerk der Weltgebetstagsfrauen und das Netzwerk von Maria 2.0. Der Austausch mit Frauen aus anderen christlichen Kirchen und die Diskussionen in meiner eigenen Kirche geben mir Kraft und Mut mich weiter für Veränderungen in der katholischen Kirche einzusetzen.

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