40 Tage für die Welt

Familie Cramer fastet für die Umwelt

Bei den Cramers heißt fasten nicht Kalorien zählen, sondern innehalten und den eigenen Lebensstil kritisch zu hinterfragen. Die Familie aus dem Stuttgarter Osten lebt seit vielen Jahren umweltbewusst. Darauf ausruhen aber möchten sich die Vier nicht: Sie haben sich vorgenommen, während der Fastenzeit kein Plastik zu verbrauchen. Der Familie geht es dabei keineswegs um Selbstoptimierung, sondern darum, ihren Glauben zu leben: „Es gehört zu unserer Pflicht als Christen, die Schöpfung zu wahren“, sagt der Hochschuldozent und Ingenieur Michael Cramer, der mit seiner Frau Christina und den Söhnen Gereon und Damian der Gemeinde St. Konrad angehört. Die Familie fastet im Rahmen der Aktion „40 Tage für die Welt“. Diese ist offen für alle, die im Austausch mit anderen etwas für die Umwelt tun möchten. Ein Blog zur Aktion liefert praktische Tipps für den eigenen Alltag.

Familie Cramer beteiligt sich an der Fastenaktion 40 Tage für die Welt.

Der 13 Jahre alte Gereon weiß nur zu gut, dass es wehtun kann, umweltbewusst zu leben: „Die Berge mit dem Rad hochzufahren ist manchmal ganz schön anstrengend und lästig“, sagt er frei heraus. Auch wenn er sich längst daran gewöhnt hat, in Stuttgart die meisten Wege mit dem Rad und manchmal auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen. „Die Söhne müssen mit. Es ist uns als Eltern wichtig, den Grundstein für einen guten Umgang mit der Umwelt zu legen“, sagt Michael Cramer.

Das Auto steht die meiste Zeit über

Ein Auto hat die Familie zwar noch, das aber steht die meiste Zeit. Christina Cramer versichert auch gleich, dass dies ihr letztes sein werde, das Stadtmobil sei schließlich eine gute Alternative. „Wir machen schon jetzt alle Urlaube mit der Bahn und brauchen das Auto eigentlich nur noch, wenn wir unsere Familie im westfälischen Hinterland besuchen“, sagt die 48 Jahre alte Lehrerin. Auch am Sonntagmorgen nehmen sie gerne mal das Auto, wenn sie zu ihrer Stammgemeinde St. Konrad in den Gottesdienst fahren. „Weil es am Sonntag für alle wertvoll ist, länger schlafen zu können. Wir wollen nicht perfekt sein und uns auch nicht kasteien, sondern die wichtigen Dinge im Blick behalten“, so Christina Cramer.

Nur selten kommt noch Fleisch auf den Tisch

Auch die Ernährung haben die Cramers schon umgestellt: Christina Cramer ist schon viele Jahre Vegetarierin, Fleisch kommt auch für die drei anderen Familienmitglieder  nur noch selten auf den Tisch. „Ein Grillabend im Sommer muss schon sein und an Geburtstagen gibt es auch mal Fleisch. Die Freude ist dann groß und das Fleisch schmeckt umso besser“, erzählt Michael Cramer. Auf den Tisch kommt dann freilich nur Biofleisch aus der Region. Auch beim Obst und Gemüse versucht die Familie, möglichst regionale und saisonale Produkte zu kaufen – im Netz und der Stofftasche und nicht in der Plastiktüte. Nach der Mobilität und der Ernährung wollen sich die Cramers jetzt dem nächsten Thema zuwenden und dafür die österliche Fastenzeit nutzen: dem konsequenten Verzicht auf Plastik im Alltag. „Die Fastenzeit ist ein guter Anlass, um neu nachzudenken und den Alltag zu unterbrechen. Es ist im ganz christlichen Sinne eine Zeit der Umkehr“, sagt der 52-Jährige.

40 Tage ohne Plastik im Alltag

Auf den Weg gemacht haben sie sich diesmal nicht allein, sondern mit anderen gemeinsam im Rahmen der Fastenaktion „40 Tage für die Welt“, die katholische Gemeinden in der Innenstadt und im Osten ins Leben gerufen haben. Dort bekommen sie Impulse und können sich mit anderen über ihre Erfahrungen austauschen – und eben auch ganz praktische Tipps weitergeben. Anstelle von Shampoo ist deshalb die Haarseife bei den Cramers im Osten eingezogen. Schokolade und andere in Plastik verpackte Süßigkeiten gibt es von Aschermittwoch an für sieben Wochen keine mehr. Stattdessen ist eine Radtour nach Waldenbuch geplant, wo sie Bruchschokolade kaufen und selbst verpacken werden. Und die Schokoflakes werden sie dann eben selber machen. Der 15-jährige Damian schluckt ein wenig bei der Aussicht, dass die üblichen Süßigkeiten verschwinden. Aber er findet die Haltung seiner Eltern gut und ist selbst schon Klimasprecher in seiner Klasse. Damian achtet darauf, wenig Papier zu verbrauchen, weiß, dass vegetarisches Fingerfood schmecken kann und sträubt auch nicht gegen die Haarseife und das tägliche Radfahren. „Es ist wichtig, mit der Erde sorgsam umzugehen“, findet der Zehntklässler.

„Der Umweltgedanke ist etwas Urchristliches“

Angestoßen wurde die Fastenaktion durch den Film „Tomorrow“, den die Cramers zusammen mit anderen am Weltgebetstag im vergangenen Jahr angeschaut hatten. Eine kleine Gruppe engagierter Katholiken lud daraufhin zu einer Schöpfungswoche mit vielen Veranstaltungen zum Thema Umwelt, die Fastenaktion ist jetzt die Fortsetzung. Den Cramers und den anderen Organisatoren war es wichtig, sich gemeindeübergreifend zusammenzutun - und über den eigenen Kirchturm hinaus auf die Welt zu schauen. „Man muss sich nur einmal seinen ökologischen Fußabdruck bewusst machen, dann lässt einen das Thema nicht mehr los. Der Umweltgedanke ist schließlich etwas Urchristliches“, sagt Christina Cramer.

Seit Aschermittwoch macht auch der 13-jährige Gereon bei den „40 Tagen für die Welt“ mit. Er hat seine ganz eigene Sicht auf die Dinge. Danach gefragt, was für ihn denn bisher die schwierigste Umstellung war, sagt er trocken: „Der vegane Weihnachtsbraten.“ Was es nach der Fastenaktion sein wird, weiß er noch nicht.

Der Flyer zur Aktion findet sich HIER. Wer mitmachen möchte, kann sich unter folgenden E-Mailadressen melden oder einfach vorbeikommen: bernd_moebs@web.de, cramer.stuttgart@googlemail.com und juergenlotterer@web.de

Wer bei den Treffen nicht dabei sein kann, für den gibt es den Blog zur Aktion. Dort finden sich auch viele praktische Tipps für den eigenen Alltag.

Fünf Treffen sind geplant

06.03.2019 Der Start: Die Aktion „40 Tage für die Welt“ startet am Ascher­mitt­woch, 6. März, um 18 Uhr in der Kirche St. Georg (Heilbronner Straße 135) mit einem Gottesdienst und Im­puls­vor­trä­gen zu den Themen Plastik fasten, Mobilität und Ernährung. Zwei Studentinnen berichten, wie man im Alltag gut auf Plastik verzichten kann. Anschließend werden zu den drei Themenfeldern Gruppen gebildet.
22.03.2019 Der Filmabend: Am 22. März wird um 19 Uhr ebenfalls in St. Georg der Film „Papst-Franziskus – ein Mann seines Wortes“ von Wim Wenders gezeigt, in dem es auch um den Umgang mit der Schöpfung geht. Der Filmabend ist auch offen für Menschen, die sich nicht an der Fastenaktion beteiligen.
24.03.2019 Die Aus­tausch­run­de: Am 24. März um 19 Uhr folgt eine Aus­tausch­run­de in St. Konrad (Stafflen­berg­stra­ße 52). Die Teilnehmer erzählen von Ihren Erfahrungen und tauschen sich aus.
07.04.2019 Das Fastenessen: Geplant ist zudem ein gemeinsames Fastenessen in Herz Jesu am Sonntag, 7. April, nach dem Gottesdienst um 10.45 Uhr.
05.05.2019 Abschluss mit Gottesdienst: Der Abschluss wird nach Ostern sein. Am Sonntag, 5. Mai, überlegen die Teilnehmer nach dem Gottesdienst um 18 Uhr in St. Konrad, was jeder gut in seinen Alltag übernehmen kann.

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