Mönchfeld

Gemeinde nimmt Abschied von ihrer Kirche

Die Gemeinde St. Johannes Maria Vianney hat an diesem Wochenende von ihrer Kirche Abschied genommen. Weihbischof Gerhard Schneider hat die Kirche entweiht - und damit den Abriss im nächsten Jahr möglich gemacht. Am Ende des Gottesdienstes sind Weihbischof und Gemeinde in einer Prozession aus der Kirche gezogen. Mit auf den Weg genommen haben sie das Allerheiligste und die Reliquien aus dem Altar. Die Kirche wird bis Herbst 2022 neu gebaut.

Weihbischof Gerhard Schneider hat am 29. September 2019 die Kirche Johannes Maria Vianney in einem Gottesdienst profaniert.

Zum letzten Gottesdienst sind noch einmal ganz viele Menschen aus dem Stadtteil gekommen. Mittendrin die Stadtplanerin Regina Erben, die viele Erinnerungen an ihre verstorbenen Eltern mit dem Gotteshaus verbindet. Sowohl die Mutter als auch der Vater waren über Jahre in der katholischen Kirchengemeinde aktiv, in der Kirche hat sie denn auch von ihren Eltern Abschied genommen. Auch jetzt ist es wieder ein Abschied, der sie nach St. Johannes Maria Vianney führt: der Abschied von dem 57 Jahre alten Gotteshaus selbst. Regina Erben empfindet Wehmut, aber auch Freude über das, was in Mönchfeld kommen wird. Denn es wird nicht nur eine neue Kirche auf dem alten Grundstück entstehen, sondern zugleich eine neue Kindertagesstätte, Gemeinderäume und viele Wohnungen für Senioren. „Die Kirche und der Stadtteil verändern sich auf eine gute Weise. Wichtig ist auch, dass dringend nötige Wohnungen für Senioren entstehen werden.“

Für drei Jahre als Volk Gottes unterwegs

Um Abschied und Neuanfang ging es denn auch in der Predigt von Weihbischof Gerhard Schneider. „Viele Menschen haben in der Kirche gebetet, haben dort Nähe zu Gott erfahren, haben in der Kirche ihr Kind getauft oder von einem lieben Menschen Abschied genommen. Jetzt verlieren sie diesen Ort.“ Der Weihbischof verglich den Abschied von der Kirche in Mönchfeld mit dem Verkauf seines Elternhauses vor wenigen Jahren und den damit verbundenen Gefühlen. „Das sind schwierige Entscheidungen und Erlebnisse.“ Dennoch sei es eine wichtige und richtige Entscheidung gewesen. „Wir bauen in Mönchfeld ein Zelt ab, um es wieder aufzubauen. Wir sind in den nächsten drei Jahren ein wanderndes Volk Gottes. Wir sind unterwegs und verharren nicht im Stillstand. Als lebendige Steine werden wir in die neue Kirche zurückkehren“, so der Weihbischof in seiner Predigt.

Die Reliquie wird aus der Kirche getragen

Nach diesem letzten Gottesdienst aber ist die Gemeinde erst einmal in einer feierlichen Prozession ausgezogen. Vorher wurde das Ewige Licht gelöscht und der Altar abgedeckt. Helmut Baur, der mit seinen 81 Jahren zur Gründergeneration der alten Kirche gehört, meißelte den Altar auf und holte die Reliquie heraus. In der Prozession wurden die Reliquie und das Allerheiligste nach draußen getragen. Das Allerheiligste brachte Frank-Ludwig Mattes, der leitende Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Stuttgarter Madonna, in den Tabernakel in der Kapelle des Pflegeheims St. Ulrich, die Reliquie ging zurück nach Rottenburg. Im Anschluss an den Gottesdienst blieben viele Menschen noch in der Kirche, um sich alte Fotos anzuschauen, um Erinnerungen auszutauschen und noch gemeinsam Mittag zu essen. Unter den Gottesdienstbesuchern war auch Ursula Grötzinger, deren Stiftung die Seniorenwohnungen finanziert.

Aus den alten Bänken wird der neue Altar

Nicht nur viele Erinnerungen werden mit den Menschen in die neue Kirche wandern, sondern auch das Holzkreuz über dem Altar, die Marienstatue und sogar ein Teil der alten Kirchenbänke. Aus einem Viertel der jetzigen Bänke wird ein Schreiner den künftigen Altar, den Ambo und auch das Taufbecken gestalten - Recycling im Kirchenraum. Die restlichen Kirchenbänke übernimmt voraussichtlich eine Gemeinde in Polen. Auch ein Teil  der Buntglasfenster soll in die neue Kirche eingesetzt werden. Der Kreuzweg bekommt im benachbarten Haus St. Ulrich einen neuen Platz. Die Orgel geht noch im Oktober an eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen.

Im Herbst 2022 ist die Kirchweihe geplant

In Herbst 2022 soll die neue Kirche stehen und geweiht werden. Mit 120 Plätzen wird sie deutlich kleiner ausfallen als die alte mit ihren 420 Plätzen. „Das ist ein Vorteil, dann kann man die Gemeinschaft wieder ganz anders erleben“, sagt Helmut Baur, der schon an der alten Kirche mitgebaut hat und in den vergangenen Monaten im Bauausschuss des Kirchengemeinderates an den Planungen des neuen Gotteshauses mitgewirkt hat. Einen großen Teil der Baukosten für Kirche, Gemeindezentrum und Pfarrbüro, die bei insgesamt 3,8 Millionen Euro liegen, kann die Gemeinde über den Grundstücksverkauf finanzieren. Hinzu kommen Zuschüsse der Diözese und des Stadtdekanats. Der Abriss der Kirche ist Anfang nächsten Jahres geplant, nur der Kirchturm wird stehen bleiben. Baubeginn für die neue Kirche samt Gemeindezentrum soll im Herbst 2020 sein. Gebaut wird nach den Plänen des Stuttgarter Architekturbüros Ackermann & Raff, die vor zwei Jahren den Architektenwettbewerb gewonnen haben und in diesem Sommer zudem den Kunstwettbewerb für die Gestaltung von Altar und Ambo aus den Kirchenbänken für sich entschieden haben.

Grötzinger-Stiftung finanziert Wohnungen für Senioren

Auf dem Grundstück entstehen neben Kirche und Gemeindezentrum zudem drei Wohnhäuser für Senioren, die die Caritas Stiftung Stuttgart in Kooperation mit der Grötzinger Stiftung verwirklicht. Die Grötzinger Stiftung investiert einen zweistelligen Millionenbetrag in die Neubauten für ältere Menschen. In einem der drei Wohnhäuser wird die viergruppige Kindertagesstätte der Gemeinde Platz finden. Mit dem Bau der Seniorenwohnungen wird nach dem Abriss begonnen, sobald die Baugenehmigung vorliegt.

Sonntags ist die Gemeinde in der evangelischen Kirche zu Gast

In den nächsten drei Jahren bis zur Fertigstellung der neuen Kirche ist die katholische Gemeinde in der benachbarten evangelischen Kirche sowie im Haus St. Ulrich zu Gast. Die Sonntagsgottesdienste finden in der Regel um 11 Uhr in der evangelischen Kirche im Barbenweg 13 statt. Auch deren Gemeinderäume können die Gruppen aus St. Johannes Maria Vianney mit nutzen. „Das ist ein schönes Zeichen der Ökumene. Wir sind sehr dankbar dafür, unsere Gottesdienste in der evangelischen Kirche feiern zu dürfen. Wir freuen uns auch über die Gastfreundschaft der Caritas“, sagt Martina Siegl, die gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats St. Johannes Maria Vianney. Die Werktagsgottesdienste mittwochs um 18.30 Uhr werden in der Kapelle des Hauses St. Ulrich (Steinbuttstraße 25) gefeiert. In dem Pflegeheim ist während der Bauphase auch das Pfarrbüro untergebracht. 

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