20 Jahre Salesianer

Gemeinsam beten und gemeinsam Tatort schauen

Die Salesianer Don Bosco haben sich ganz der Arbeit mit Jugendlichen verschrieben. Der Orden ist seit 20 Jahren auch in Stuttgart präsent. Acht Patres und ein ständiger Diakon haben in dieser Zeit mit Jugendlichen gebetet, Ausflüge organisiert, zur Grillparty geladen, Fußball geschaut, Wallfahrten gemacht und Gottesdienste gestaltet. Die drei Salesianer Jörg Widmann, Clemens Mörmann und Matthias Bogoslawski, die für ihren Orden derzeit in Stuttgart sind, haben noch eine ganz andere Aufgabe: gemeinsam mit den jungen Menschen eine Jugendkirche im Stuttgarter Osten aufzubauen. Am Samstag, 28. September, um 18 Uhr laden die drei Ordensmänner erst einmal zum Jubiläumsgottesdienst in die Kirche St. Franziskus in Obertürkheim.

Bruder Matthias Bogoslawski, Pater Jörg Widmann als Direktor der Stuttgarter Salesianer und Pater Clemens Mörmann vor der Pforte zur Kirche St. Franziskus in Obertürkheim.

Pater Jörg Widmann führt durch die Ordens-WG, die seit 20 Jahren im Pfarrhaus St. Franziskus in Obertürkheim angesiedelt ist. Es gibt ein großes Büro, eine kleine Kapelle, ein Zimmer für jeden Ordensmann, eine Küche und ein gemeinsames Wohnzimmer. Dort versammeln sich die drei Sonntagabends zum Tatort, dort empfangen sie an anderen Tagen aber auch ihre Besucher. An der Wand des Wohnzimmers hängt eine Auferstehungsszene, neben dem Fernseher steht der Ordensgründer Don Bosco. In seiner Nachfolge leben die drei Ordensmänner in dem kleinen Stuttgarter Konvent. „Unsere Aufgabe ist es, ganz für die Jugendlichen da zu sein, für ihre Anliegen und ihre Sorgen. Wir machen ihnen spirituelle Angebote, diskutieren mit ihnen über Gott und die Welt und versuchen, ihnen etwas mit auf den Weg zu geben“, sagt Jörg Widmann, der der kleinen Kommunität in Obertürkheim sowie zehn muttersprachlichen Salesianern in der Region als Direktor vorsteht.

Bis nachts um vier mit Jugendlichen über Gott diskutieren

Gerade sind die drei Ordensmänner zurück von einer Reise mit 16 Jugendlichen nach Turin zu den Wurzeln des Ordensgründers. „Wir sind mit den jungen Menschen bis nachts um vier draußen gesessen und haben mit ihnen darüber diskutiert, wie Wissenschaft und Glaube zusammengehen, ob es Gott überhaupt gibt und inwiefern er eine Hilfe für unser Leben sein kann“, erzählt Pater Jörg. Mit nach Hause genommen haben die drei Salesianer aus dem nächtlichen Gespräch eine Idee für das Jugendpastorale Zentrum YouCh im Stuttgarter Osten: Dort wollen sie in den nächsten Monaten zum Nighttalk laden, in dem es um genau diese Fragen gehen soll, wie sie nachts in Turin aufkamen.

Die Drei starten mit dem Morgengebet in den Tag

Zweifel an Gott haben Pater Jörg, Pater Clemens und Bruder Matthias keine, für sie gehört Gott fest zum Alltag. Die drei Ordensmänner starten in der Kapelle gemeinsam mit der Laudes, dem Morgengebet, in den Tag, anschließend treffen sie sich zum gemeinsamen Frühstück, wo sie sich austauschen, die Woche planen, Organisatorisches besprechen. „Wir sind vom Orden angehalten, gemeinsam Morgen- und Abendgebet und regelmäßige Gottesdienste zu halten, das versuchen wir so gut es geht in unseren Alltag einzubauen“, erzählt Pater Jörg Widmann. In den Alltag einbauen kann dann aber auch heißen, dass es kein gemeinsames Abendgebet gibt, weil alle drei mit Jugendlichen unterwegs sind.

„Unsere Lebensweise ist vielen Menschen heute fremd“

Zum Leben der drei Männer gehört die brüderliche Gemeinschaft genauso wie Ehelosigkeit, Gehorsam und Armut, zu denen sie sich verpflichtet haben. „Unsere Lebensweise ist vielen Menschen heute fremd, dabei gibt uns dieses Gelöbnis unglaublich viel Freiheit. Wir können uns ganz unserer Berufung zuwenden, eben auch dann, wenn andere Feierabend haben oder sich um die Familie kümmern müssen“, sagt Pater Jörg. Zu den Aufgaben der drei gehört es beispielsweise Jugendgottesdienste zu feiern, jedes Jahr mit jungen Menschen eine Kreuzweg-Ausstellung zu gestalten, Orientierungstage für Schülerinnen und Schüler anzubieten. Jeder der drei hat eigene Schwerpunkte: Bruder Matthias in der Schulpastoral, wo er neben den Orientierungstagen auch Kirchenraum- und Friedhofsführungen für Schüler anbietet, Pater Clemens Mörmann, der sich in der Seelsorge für Firmlinge und für benachteiligte Jugendliche engagiert und Pater Jörg, der als Stadtjugendpfarrer für den Aufbau der Jugendkirche im Stuttgarter Osten verantwortlich ist. Alle drei müssen sich immer wieder neu auf die Lebenswelt der Jugendlichen einstellen: „Feste Jugendgruppen wie vor 20 Jahren funktionieren nicht mehr, dafür ist der Alltag der jungen Menschen viel zu vollgepackt. Was wir machen können, sind punktuelle Angebote, wie die Dekanatsjugendgottesdienste, Taizé-Gebete, Filmabende oder Ausflüge“, sagt Bruder Matthias Bogoslawski. 

Die Weltkirche ist auch in Obertürkheim zu spüren 

In Stuttgart sind die Salesianer nur eine kleine Kommunität, weltweit aber gehören 15 000 Männer dem Orden an, Tendenz in Europa schrumpfend, weltweit aber wachsend. Von dieser Internationalität ist auch ein wenig in der Ordens-WG in Obertürkheim zu spüren. Pater Clemens Mörmann hat sein Noviziat, seine Ausbildungszeit, in Italien verbracht, bei Reisen wie der jüngsten nach Turin treffen sie auf Mitbrüder aus ganz Europa, die ihren Glauben auf unterschiedlichste Weise leben. „Für die jungen Menschen ist es eine Bereicherung, diese Internationalität zu erleben“, sagt Jörg Widmann.

Auch bei dem Stuttgarter Jubiläum der Salesianer am 28. September wird die Weltkirche ein wenig sichtbar sein, da die kroatischen, italienischen und französischsprachigen Ordensmänner aus der Region mitfeiern werden. Mit dabei sein werden auch die anderen Ordensbrüder, die in den zurückliegenden 20 Jahren in Obertürkheim gelebt haben, darunter auch Pater Ernst Kusterer, der sich als Big Pater im Jugendsender big FM jahrelang den Sorgen und Nöten der Jugendlichen angenommen hat. Dass die Salesianer in Stuttgart sind, geht zurück auf den damaligen Bischofs und späteren Kurienkardikals Walter Kasper. Bei einem Vatikanbesuch war vergessen worden, ihm ein Quartier zu reservieren. Er kam daraufhin in einer Jugendeinrichtung der Salesianer unter - und war so begeistert von dem, was er sah, dass er bei den Salesianern anfragte, ob sie nicht auch Jugendarbeit in Stuttgart machen wollten.

„Wir bleiben in der Jugendarbeit in Bewegung“

Das 20-jährige Jubiläum feiern die Salesianer in Obertürkheim, in den nächsten Jahren aber wird die kleine Kommunität nach St. Nikolaus in den Stuttgarter Osten umziehen, wo das Jugendpastorale Zentrum YouCh bereits angesiedelt ist und wo am 14. September bereits die Jugendkirche eröffnet, die in den nächsten Jahren weiter ausgebaut wird. „Wir bleiben in der Jugendarbeit in Bewegung, wir probieren Neues aus, das ist wichtig“, sagt Pater Jörg.

Kennen Sie unseren Newsletter?

Wir informieren Sie gerne über unsere aktuellen Themen. Melden Sie sich hier für unseren Newsletter an.

ANMELDEN