Begegnung

Glaubensfragen bei der Weltmeisterschaft

Das gemeinsame Fußballschauen zur Weltmeisterschaft gehört in der Gemeinde St. Antonius von Padua in Hohenheim dazu. Seit dem WM-Sommermärchen 2006 kümmert sich eine kleine Gruppe um die Übertragung der Spiele im Gemeindehaus. Die Glaubensfrage lautet dann: wird die deutsche Mannschaft gewinnen?

Was verbindet Fußball und Glaube? Fragt man den Stuttgarter Jugendpfarrer Jörg Widmann, kommt die Antwort schnell:  „Beim Fußball sind die Grenzen von Sprache und Herkunft aufgehoben, im Glauben sind sie es auch." Fragt man den Katholiken und Public-Viewing-Organisator Philipp Rost, steht die Gemeinschaft im Mittelpunkt: „Das gemeinschaftliche Erlebnis gehört zum Glauben und zum Fußball.“

Diesmal haben alle gemeinschaftlich gelitten

Bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft haben die Hohenheimer von Anfang an gemeinschaftlich gelitten: „Kaum war das blamable Auftaktspiel abgepfiffen, haben alle schnell angepackt und die Stühle weggeräumt. Niemand wollte mehr die Analysen hören“, erzählt der 47-Jährige Philipp Rost, der sich seit vielen Jahren in der Jugendarbeit der Gemeinde engagiert. Der Informatiker sorgt mit einer kl  einen Gruppe Ehrenamtlicher dafür, dass im Gemeindehaus in Hohenheim bei jeder WM und bei jeder EM gemeinsam Fußball geschaut werden kann. Nach dem verlorenen Spiel gegen Südkorea und damit dem WM-Aus für die deutsche Nationalelf in der Vorrunde ging es mit dem Aufräumen dann nochmal schneller.  „Es sind vor allem Jugendliche und Familien, die zu uns kommen. Auch wenn die Enttäuschung diesmal groß war, hat es alles in allem Spaß gemacht“, bilanziert Rost. Auch das gehört für ihn zum Gemeinschaftserlebnis: dass immer alle mit anpacken und ganz selbstverständlich beim Aufräumen helfen - auch wenn die Enttäuschung groß ist.

Die Frage nach Spiel- und Chipsstand

Balsam für die Seele sind da die Erinnerungen an einige legendäre Fußballspiele der vergangenen Jahre. „Beim 7:1 gegen Brasilien bei der letzten WM 2014 saß keiner mehr auf seinem Stuhl. Auch das Elfmeterschießen gegen Argentinien bei der WM 2006 ist ein unvergessliches Erlebnis“, erinnert sich der Informatiker. Ob er bei der nächsten Europameisterschaft auf ein unvergessliches Fußball-Erlebnis hofft? „Es wäre schön, wenn die deutsche Mannschaft bis dahin wieder eine gute Form erreicht.“

Mit der deutschen Elf steigen auch die Hohenheimer aus

Für die Organisatoren des Public Viewing in der Kirchengemeinde steht neben der Frage, wie das nächste Spiel enden wird, immer noch eine ganz andere im Raum: Wie viel Getränke brauchen wir für die nächste Begegnung? Und wie viel Knabberzeug? Wie weit kommen wir noch? „Es macht Spaß, das kleine Event zu organisieren und inzwischen haben wir einige Routine“, versichert Philipp Rost. Um den Getränke- und Chipsstand aber brauchen sich die Hohenheimer für diesmal keine Gedanken mehr zu machen. Denn mit der deutschen Mannschaft steigen auch die Hohenheimer aus dem Turnier aus. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass zu wenig Leute kommen, wenn die deutsche Elf nicht mehr dabei ist“, so Rost. 

Nicht alle wollen für die Mannschaft beten

Für die deutsche Mannschaft hat der Informatiker auch bei dieser WM nicht gebetet und wird es auch in Zukunft nicht tun. Der Jugendpfarrer Jörg Widmann schon, allerdings nicht für den Sieg, das ist ihm ein viel zu weltlicher Wunsch. „Ich bete für eine gute Gemeinschaft, dafür, dass alle Spieler gesund bleiben, das Spiel friedlich bleibt und die bessere Mannschaft gewinnt.“ Dieses Gebet passt immer noch. Bis zum Ende der WM.

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