Domkirche St. Eberhard

Glocken schweben über der Königstraße

350 Kilogramm wiegt die Glocke für Rupert Mayer, 600 Kilogramm die für Eugen Bolz. Die beiden neuen Glocken hängen seit Mitte September im sanierten Glockenstuhl. Eingebaut wurden sie samt neuen Jochen, Motoren und Läuterädern. Jetzt wird noch der Schallschutz eingebaut. Gearbeitet wird hoch über der Königstraße.

Glocken senden eine Botschaft in die Stadt

Es ist ein ungewöhnliches Schauspiel, das sich den Passanten frühmorgens in der Königstraße bot. Drei Stunden lang wurden nicht nur die beiden neuen Glocken für die Domkirche St. Eberhard von einem Kran nach oben gehievt, sondern mit ihnen 1500 Kilogramm Baumaterial. Hochgehoben wurde alles, was die Handwerker in den nächsten Tagen brauchen, um die Glocken in dem sanierten Turm anbringen zu können: neue Eichen-Joche, Motoren, Holzbalken und Läuteräder. Nach unten transportiert wurde das Kreuz, das in den nächsten Wochen einen neuen Anstrich bekommen wird.

Schon beim Guss in Innsbruck war Stephan Bier mit dabei, beim Einheben der Glocken an diesem Montagmorgen in Stuttgart ist er es auch. Der gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats von St. Eberhard schaut vom Gerüst aus zu, wie ein Teil nach dem anderen nach oben wandert. Als die erste Glocke über der Königstraße schwebt, ist seine Freude groß: „Die Glocken sind für St. Eberhard gemacht, dort sind sie gut aufgehoben und senden eine wichtige Botschaft in die Großstadt.“

Namenspatrone und Glaubenszeugen

Die neuen Glocken sind schon ihrer beiden Namenspatrone wegen eine Besonderheit. Gewidmet sind sie dem Jesuitenpater Rupert Mayer und dem württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz, die beide den Nationalsozialisten Widerstand geleistet haben. Die Portraits der beiden Männer sind in die Glocken eingegossen. Beide standen in enger Beziehung zur Domgemeinde. St. Eberhard war die Heimatgemeinde von Pater Mayer, der von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager inhaftiert wurde. Auch Eugen Bolz, der frühere Justizminister und Staatspräsident von Württemberg, gehörte zu der katholischen Innenstadtgemeinde. Wegen seiner Beteiligung am Widerstand gegen Hitler wurde er von den Nationalsozialisten zum Tode verurteilt und ermordet. „Das Glockenläuten erinnert immer auch an die Unbeugsamkeit der früheren Gemeindemitglieder“, sagt Stephan Bier. Auch für den Stadtdekan und Dompfarrer Christian Hermes sind die beiden Männer herausragende Glaubenszeugen bis heute. „Eugen Bolz und Rupert Mayer sind in schwerer Zeit standhaft geblieben. Sie können uns Mut machen, offen zu unserem Glauben und unseren Überzeugungen zu stehen.“

Glockensachverständiger kommt zum Hören

Die beiden Glocken waren hoch über der Königstraße zu sehen, beim Festgottesdienst Anfang Oktober waren sie zum ersten Mal im Vollgeläut zu hören. Jahrzehntelang waren es vier Glocken aus der Nachkriegszeit, die die Gottesdienste in der Domkirche St. Eberhard in den vergangenen Jahrzehnten eingeläutet haben, künftig werden es sechs sein. In den nächsten Tagen werden die Handwerker der Schonauer Spezialfirma Schneider erst noch die neuen Eichen-Joche und Läuteräder einbauen und die Motoren anbringen, die den Glocken die Impulse geben werden. Die Eichen-Joche sorgen für einen weicheren und besseren Klang. Erst wenn alle Arbeiten erledigt sind und die Glocken am richtigen Ort hängen, wird der Rottenburger Glockensachverständige Hans Schnieders zum Hören kömmen. Seine Aufgabe ist es, eine neue Läuteordnung für St. Eberhard zu entwerfen. „Jeder Anlass hat sein eigenes Geläut. Man hört, ob zum Festgottesdienst geläutet wird, zur Hochzeit oder zu einem Trauergottesdienst, ob es ein trauriger oder ein fröhlicher Anlass ist“, so Schnieders. 

Heilsamer Gegenklang zum Trubel der Innenstadt

Für den Stadtdekan Christian Hermes bilden die Glocken einen heilsamen Gegenklang zum geschäftigen Treiben in der Stuttgarter Innenstadt. „Die Glocken gemahnen uns an die Ewigkeit. Sie bringen uns eine Dimension jenseits der Geschäftigkeit ins Bewusstsein.“ Von Oktober an wird es in der Domkirche auch einen Stundenschlag geben, der zwischen 8 Uhr und 21.45 Uhr von zwei, beziehungsweise einer Glocke ausgeführt wird. „Der Stundenschlag weist uns auf Gott und die Endlichkeit des menschlichen Lebens hin“, so Christian Hermes.

Gemeinde freut sich über Spenden

Die Gemeinde investiert 265 000 Euro in die Sanierung des Glockenturms und die neuen Glocken. Ein Teil wird über Rücklagen, Zuschüsse und Kirchensteuern finanziert, 161 000 Euro aber müssen über Spenden aufgebracht werden. 

Die Gemeinde freut sich über Spenden für den neuen Glockenklang in St. Eberhard.

Spendenkonto GKG Stuttgart-Mitte

Konto DE 23 6005 0101 0004 0876 10

Verwendungszweck "Glocken"

Kennen Sie unseren Newsletter?

Wir informieren Sie gerne über unsere aktuellen Themen. Melden Sie sich hier für unseren Newsletter an.

ANMELDEN