Haushalt verabschiedet

Gute Erfahrungen vor Ort halten die Menschen in der Kirche

Der Stadtdekanatsrat hat am 10. Dezember den kirchlichen Haushalt für 2020 mit einem Volumen von 71,9 Millionen Euro verabschiedet. „Die gute konjunkturelle Situation der vergangenen Jahre hat uns Gestaltungsmöglichkeiten gegeben, die wir überlegt und gut nutzen, um als Kirche in der Stadtgesellschaft Präsenz zu zeigen“, sagte Stadtdekan Christian Hermes in seiner Haushaltsrede. Als eines dieser zukunftsweisenden und in die Stadt ausstrahlenden Projekte nannte er das Spirituelle Zentrum, das am Wochenende eröffnet worden ist. Anlass, sich zurückzulehnen und auf dem Erreichten auszuruhen, sieht der Stadtdekan aber nicht: „Wenn diese Kirche eine Zukunft haben soll, dann müssen wir erhebliche Anstrengungen unternehmen, Mängel abzustellen und uns am Evangelium orientiert neu auszurichten.“

„Wir können froh sein, dass wir in Stuttgart eine starke und solidarische Struktur aufgebaut haben und dass wir uns auf pastorale Ziele und Schwerpunkte verständigen konnten. Beides hat uns ermöglichst, Signale in die Stadt hinein zu setzen, etwa mit station s, mit dem Neubau von Kirche und Gemeindezentrum in St. Peter, mit künftigen Projekten wie dem Trauerpastoralen Zentrum in Degerloch, der Jugendkirche im Osten und St. Johannes Maria Vianney in Mönchfeld“, sagte Christian Hermes. Angesichts der krisenhaften Situation der katholischen Kirche seien klare pastorale und inhaltliche Schwerpunkte vor Ort, verbunden mit einer vorsichtigen und nachhaltigen Haushaltspolitik von größter Bedeutung. Von zentraler Bedeutung aber sei auch vor Ort die konsequente Fortsetzung aller Anstrengungen in der Prävention von Gewalt und Missbrauch.

„Für viele Menschen ist das Maß einfach voll“

Im Herbst 2018 habe die MHG-Studie erneut das Ausmaß an sexuellem Missbrauch durch Kleriker offenbart. „Viele Mitglieder unserer Kirche wenden sich mit Grausen ab, und sehr viele, noch einmal deutlich mehr als in den Vorjahren, treten aus. Für viele Menschen ist das Maß einfach voll, auch was die Machtstrukturen und das Machtgebaren kirchlicher Amtsträger angeht, die Frage nach Geschlechtergerechtigkeit, der Beteiligungsrechte, die Sexual- und Beziehungsmoral, das Finanzgebaren.“ Umso wichtiger sei es, vor Ort eine gute Arbeit zu machen und die Präventionsmaßnahmen konsequent im Blick zu behalten. „Wir können nicht alle Punkte lösen, die unserer Kirche für viele unglaubwürdig machen. Aber wir wollen weiterhin das tun, was wir tun können, um verantwortungsvoll und in Treue zum Evangelium für die Menschen in der Stadt da zu sein.“

Kirche hat sich an vielen Orten auf den Weg gemacht

Um die Menschen auch in Zukunft erreichen zu können, hat sich die katholische Kirche in Stuttgart an vielen Orten auf den Weg gemacht und Neues angestoßen. Derzeit sind rund 20 Standortentwicklungen im Gange, die unterschiedlich weit fortgeschritten sind. Mit dem Zentrum St. Peter zum Beispiel ist ein integratives Projekt in Bad Cannstatt entstanden, bei dem Gottesdienst, Gemeindeleben mit der Kindertagesstätte und einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung verbunden sind. „Jeder kann hier sehen, wie Nächstenliebe und Gemeinschaft aus dem Geist des Evangeliums gelebt werden“, so der Stadtdekan. Mit dem Jugendpastoralen Zentrum YouCh, unter Beteiligung von jungen Menschen und der Gemeinde, entsteht nun das Konzept für eine Jugendkirche in St. Nikolaus im Stuttgarter Osten. An diesem Wochenende hat das Spirituelle Zentrum station s eröffnet, wo Menschen, die auf der Suche nach Stille und Tiefe sind, unterschiedlichste spirituelle Angebote finden. In Birkach baut das Siedlungswerk am Standort Vinzenz Pallotti ein neues Quartier mit Kindertagesstätte sowie Wohnen für Studierende, Familien und Geflüchtete. In St. Christophorus in Wangen und in St. Martin in Bad Cannstatt entstehen gemeinsam mit dem Stuttgarter Caritasverband Projekte, die eine gemeindliche und soziale Nutzung verbinden. Und in St. Maria in der Innenstadt schließlich wird in den nächsten Jahren eine Kirche des Dialogs und der Vernetzung entstehen. Ausgebaut werden sollen in nächster Zeit zudem die Angebote für junge Erwachsene, die bisher nur wenig im Blick der Kirche waren.

4,2 Millionen Euro fließen in 65 katholische Kitas

In den Blick nehmen wird die katholische Kirche in Stuttgart verstärkt auch den Klimaschutz, angestoßen durch die Fridays for Future. Stadtdekan Christian Hermes kündigte eine Prüfung der kirchlichen Standorte nach ökologischen Kriterien an. „Wir werden verbindlich auf die Einhaltung ökologischer Standards beim Bau und Betrieb unserer Liegenschaften, aber auch im gemeindlichen Leben, achten.“ Im nächsten Haushaltsjahr investiert die katholische Kirche in Stuttgart 10,9 Millionen Euro in die Erhaltung von Kirchen, Gemeindehäuser und Kindertagesstätten. Als zweitgrößter freier Träger mit 65 Kindertagesstätten und derzeit 179 Gruppen fließen im nächsten Jahr insgesamt 4,2 Millionen Euro in bauliche Maßnahmen und den Betrieb der Kindertagesstätten. „Wir sind  dankbar über die Signale aus der Landeshauptstadt, die auf eine moderate Erhöhung der städtischen Förderung hindeuten und die gewährleisten werden, dass die Trägervielfalt in Stuttgart und vertretbare Elternbeiträge erhalten bleiben“, sagte Regina Neuhöfer, die Leiterin des Verwaltungszentrums in ihrer Rede.

Weiterhin mit Augenmaß haushalten

Etwa 57 Prozent des Verwaltungshaushalts 2020 mit einem Volumen von 62,7 Millionen Euro fließen in Personalkosten. Die Caritas Stuttgart als Sozialverband der katholischen Kirche erhält rund 900 000 Euro. Insgesamt darf sich die katholische Kirche 2020 angesichts der guten konjunkturellen Entwicklung über eine Erhöhung der Kirchensteuermittel freuen: 17,4 Millionen Euro und damit 3,5 Prozent mehr als 2019 stehen den Kirchengemeinden und dem Stadtdekanat zur Finanzierung ihrer Aufgaben zur Verfügung. Die Verwaltungschefin Regina Neuhöfer mahnte angesichts der eingetrübten Konjunktur, nicht abzuheben, sondern weiterhin mit Augenmaß zu haushalten. „Auch wenn sich der heute vorgelegte Haushaltsplan insgesamt positiv darstellt, dürfen wir die Augen nicht davor verschließen, dass die Gemengelage zunehmend schwierig wird. Neben den Austrittszahlen spielen auch die konjunkturellen Veränderungen eine große Rolle und werfen ihre Schatten auch auf die Kirchensteuerentwicklung.“

Ein Dank an die Menschen für ihren Beitrag

Angesichts steigender Zahlen bei den Kirchenaustritten bedankte sich Stadtdekan Christian Hermes ausdrücklich bei den Kirchenmitgliedern für ihren Beitrag in Form von Kirchensteuer, aber auch von Spenden und Engagement: „Danke dafür, dass Sie unsere Kirche mittragen.“  

Hier die Grafiken zum Haushalt 2020 des Stadtdekanats sowie die Haushaltsreden von Stadtdekan Christian Hermes und Verwaltungschefin Regina Neuhöfer in voller Länge.

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