Weltfrauentag (1)

„Ich wäre gerne stolz auf meine Zughörigkeit zur katholischen Kirche“

Wie geht es Katholikinnen mit ihrer Kirche? Maria 2.0 und andere Initiativen haben viel in Bewegung gebracht. Zum Weltfrauentag am 8. März haben wir Frauen befragt, was sie an ihrer Kirche schätzen, was wehtut und welche Veränderungen sie als notwendig erachten. Die Pastoralreferentin Beatrice Dörner wünscht sich ein gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und Männern in der Kirche, ein Teilen der Aufgaben und Ämter.

Die Pastoralreferentin Beatrice Dörner wünscht sich ein gleichberechtigtes Miteinander von Männern und Frauen.

Wie geht es Ihnen im Jahr 2020 in der katholischen Kirche?

Wechselhaft. Die Arbeit vor Ort macht Spaß. Die großkirchliche Wetterlage ist dagegen ermüdend. Ich habe nicht den Eindruck, dass dort etwas vorangeht. Ich wäre gerne stolz auf meine Zugehörigkeit zur katholischen Kirche, aber Themen wie der sexuelle Missbrauch oder die Rolle, die Frauen kirchenamtlich zugedacht wird, sorgen nicht nur bei mir für große Unzufriedenheit. Ich finde es schwierig, die Haltung, die die Kirche hier einnimmt, nach außen zu vertreten. Manches ist da eher beschämend.

Was schätzen Sie an Ihrer Kirche?

Es gibt viele hochengagierte Frauen und Männer in unserer Kirche. Ohne sie wäre nicht nur die Kirche, sondern auch unsere Gesellschaft viel ärmer. Die Kirche gibt es, weil es Jesus gab und das, was er vorlebte. Für diese Botschaft stehe ich nach wie vor sehr gerne.

Was tut weh?

Ich denke, eine moderne Kirche, die für die Würde von Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern steht und die sich für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzt, müsste anders handeln und ihre Strukturen umbauen. Charismen und Begabungen haben nicht nur Männer. Es wäre klug, auch den Charismen der Frauen Raum zu geben. Frauen können mehr als Kinder, Haushalt und Ehrenamt! Sie können auch leiten, predigen, repräsentieren, und sie tun das sogar. Aber häufig darf es nicht so genannt werden, weil es kirchenamtlich nicht so sein darf.

Welche Veränderungen erwarten Sie?

Ich erlebe, dass sich die Frauen im Hintergrund solidarisieren. Ich wünsche mir, dass sie nicht aufhören, ihre Wünsche zu formulieren und lautstark zu vertreten. Sie brauchen die Penetranz der Frau, die dem Richter zusetzt, bis er sich für sie einsetzt (Lk 18). Ich wünsche mir ein gleichberechtigtes Miteinander von Frauen und Männern in der Kirche, ein Teilen der Aufgaben und Ämter.

In einem Satz: warum sind Sie dabei?

Frei nach einem Spruch von Christa Spilling-Nöker: Es braucht einen Hauch von Wagemut, Tapferkeit, Fantasie und Findigkeit. Und wie schon gesagt: Eigentlich geht es um das Evangelium und dafür stehe ich nach wie vor gerne.

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