St. Peter

In Bad Cannstatt weiht der Bischof eine neue Kirche

Beim Abschiedsgottesdienst in der alten Kirche St. Peter im Mai 2016 sind Tränen geflossen, bei der Weihe der neuen Kirche an diesem zweiten Advent hat sich auch das ein oder andere Gemeindemitglied eine Träne aus dem Augenwinkel gewischt. Diesmal aber waren es Tränen der Freude. Bevor die Besucher die Kirche betraten, klopfte Bischof Gebhard Fürst mit seinem Stab an die Türe. Mit diesem schönen Ritual begann die Kirchenweihe auf dem Memberg.

Dem Bischof folgte ein langer Zug aus Priestern, Diakonen, Ministranten und natürlich der Gemeinde. Nicht alle 400 Besucher hatten in der kleinen Kirche Platz, deswegen wurde der Gottesdienst in zwei Räume des Gemeindezentrums übertragen. Zu sehen gab es für alle viele liturgische Besonderheiten: die Segnung des Wassers und des Taufbrunnens, das Anzünden des Ewigen Lichts, die Segnung von Ambos und Tabernakel. Schließlich salbte Bischof Gebhard Fürst den Altar mit Chrisamöl. Danach wurde Weihrauch auf dem Altar verbrannt. Die fünf vorher gelegten Kreuze bezeichnen die Wundmale Christi, dessen Opfer in der Eucharistie erinnert und gefeiert wird. Danach erst wurde der Altar gedeckt und die Messe gefeiert. Der Cannstatter Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler griff den brennenden Weihrauch in seinen Grußworten mit Humor auf: „Einen brennenden Altar, das bekommt man nicht alle Tage zu sehen. Ich gratuliere der Gemeinde recht herzlich zu diesem gelungenen Projekt, zu diesem Aufbruch zu Neuem.“

Die Kraft des Ortes hinaus in die Welt tragen

Bischof Gebhard Fürst verwies in seiner Predigt auf den Apostel Petrus, den „Fels“ der Kirche und Namenspatron von St. Peter. Petrus stehe für all die lebendigen Steine, „die dieses Zentrum mit seiner Kirche tragen“, sagte der Bischof. „Sie alle bringen ihre Buntheit und Vielfalt in dieses Haus, in die Kirche und an den Altar“, wandte er sich an die Gemeinde. Der Bau einer Kirche sei weit mehr als nur ein Bauprojekt. Gerade in der heutigen Zeit, in der Kirchen oftmals leer blieben, sei der Neubau einer Kirche etwas ganz Besonderes: „Für die Gemeinde eröffnet sich die einmalige Chance der Orientierung und Neuorientierung, des Verwerfens und Realisierens von Plänen“. Viele Engagierte hätten bei diesem Projekt Hand angelegt, zusammen mit den Architekten, Handwerkern und Künstlern sei etwas Wunderbares geschaffen worden, drückte der Bischof seine Freude über den Neubau aus. Aber fast noch wichtiger sei die Auseinandersetzung mit der Frage gewesen, was für ein Ort hier entstehen solle. Das Ergebnis sei kein steinernes Zeugnis, sondern ein Zeugnis des lebendigen Glaubens der Gemeinde, bescheinigte der Bischof dem Konzept von St. Peter. „Nehmen Sie die Kraft dieses Ortes mit hinaus in die Welt“, forderte der Bischof die Gemeinde auf.

St. Peter setzt Maßstäbe für die Kirchenentwicklung

St. Peter setze Maßstäbe, auch für zahlreiche weitere Standorte in Stuttgart, an denen neue Konzepte und Nutzungen gefunden werden müssten, sagte der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes. „Die Partnerschaft mit der Stiftung Liebenau, das Konzept von Kirche, Gemeinderäumen und einer modernen Kindertagesstätte, die Zusammenarbeit der Projektpartner, das Engagement der Gemeinde: hier hat alles gestimmt.“ Er freue sich vor allem darüber, dass ein Miteinander von Gottesdienst, Kita, Gemeindeleben und sozialer Einrichtung den Auftrag und Zweck von Kirche erlebbar mache, so Hermes. „Diese Nutzungen ergänzen sich optimal.“ Mit Blick auf die vielen Besucher, die den Gottesdienst teils nur per Videoübertragung miterleben konnten, stellte Hermes fest:  „Wir haben die Kirche zu klein geplant - wenn Sie alle auch am nächsten Sonntag kommen. Aber wenn nur die Hälfte von ihnen da sein wird, haben wir alles genau richtig gemacht.“

Eine Bereicherung auch für den Stadtteil

Den Hauch Gottes in dieser Welt lebendig werden zu lassen, dazu solle dieser besondere Ort beitragen, betonte der Pfarrer von St. Peter, Martin Kneer. „Die neue Kirche und das Gemeindezentrum sind eine große Bereicherung für die Gemeinde und für den Stadtteil. Wir möchten uns in den Stadtteil hinein öffnen und das neue Zentrum zu einem Ort der Begegnung machen“, ergänzte er. Manfred Wörle, der zweite Vorsitzende der Kirchengemeinde, sieht den Neubau als große Chance für die Gemeinde mit ihren 1800 Katholiken: „Dort begegnen sich die Kinder, die Eltern, die Kirchenbesucher, die pastoralen Mitarbeiter. Die Eltern können, bevor sie ihr Kind abholen, noch ein paar Minuten in der Kirche oder im Foyer zur Ruhe kommen. Dort kann man auch einfach mal ein Schwätzchen halten.“ Für den Architekten Stefan Kamm ist St. Peter ein Ort, der Sakrales und Profanes miteinander verbindet. „Wir haben einen klaren symmetrischen Kirchenraum, eine schöne Kindertagesstätte, flexible Gemeinderäume und von überall den Blick nach draußen. Dieser Blick nach draußen entspricht auch dem Geist des Hauses“, so Kamm.

St. Peter ist der derzeit einzige Kirchenneubau in der Diözese

St. Peter ist Teil des neu errichteten Zentrums im Wohngebiet Memberg; es beherbergt neben dem Sakralbau ein Gemeindezentrum sowie eine Kindertagesstätte. Durch eine in der Diözese Rottenburg-Stuttgart neue Form der Kooperation mit der Stiftung Liebenau (Meckenbeuren) wird das Areal gemeinsam von Kirchengemeinde und Stiftung genutzt.

Für die katholische Stadtkirche in Stuttgart ist der Abriss und Neubau von St. Peter das erste realisierte Projekt innerhalb des Standortentwicklungsprozesses „Aufbrechen“. Ziel des Projektes ist es, die katholische Kirche in Stuttgart zukunftsfähig zu machen. Ermöglicht wurde der Neubau durch die Kooperation mit der Stiftung Liebenau, die einen Teil des Grundstücks von der Kirchengemeinde erworben hatte, um darauf die Behinderteneinrichtung St. Damiano mit Wohnbereich und Werkstatt zu errichten.

Die alte Kirche St. Peter aus dem Jahr 1972 war stark sanierungsbedürftig und wurde im Mai 2016 profaniert und bis Jahresende 2016 abgerissen. Baubeginn des Neubaus mit Kirche, Kita und Gemeindezentrum war im Frühjahr 2017, die Bauzeit betrug 20 Monate. Die Kosten für das Gesamtprojekt lagen bei 6,5 Millionen Euro.

St. Peter ist aktuell der einzige Kirchenneubau in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Zuletzt waren im Jahr 2015 die Kirche St. Paulus in Balingen-Frommern und davor die Kirchen Heilig Kreuz in Dornhan, Dekanat Rottweil (2003), Auferstehung Christi in Horb-Hohenberg (2001) und St. Klara in Ulm (2000) neu errichtet worden.

Beim Rundgang durch die neue Kirche wenige Tage vor der Einweihung wischt Pfarrer Martin Kneer den Baustaub vom Tabernakel, in dem schon bald die ersten Hostien aufbewahrt werden. Der 74 Jahre alte Pfarrer ist mit dem Neubau in besonderer Weise verbunden: Er begleitet die Planungen seit zehn Jahren und er hat seinen Ruhestand immer wieder hinausgeschoben, um bei der Einweihung der neuen Kirche auf dem Memberg in Bad Cannstatt dabei sein zu können: „Für mich war es wichtig, vom Anfang bis zum Ende zu erleben, wie eine neue Kirche und ein neues Gemeindezentrum entstehen. Jetzt freue ich mich darauf, an diesem schönen Ort schon bald regelmäßig Gottesdienst zu feiern.“ Er sieht den Neubau auf dem Memberg als große Bereicherung für die Gemeinde mit ihren 1800 Katholiken und auch für den Stadtteil: „Wir wollen uns bewusst auch in den Stadtteil hinein öffnen und das Gemeindezentrum zu einem Ort der Begegnung machen.“ 

Im Foyer treffen sich alle

In St. Peter ist in den vergangenen 20 Monaten nicht nur eine neue Kirche entstanden, vielmehr gehören zu dem Neubau auch ein Gemeindezentrum, das Pfarrbüro und eine Kindertagesstätte. Der Eingangsbereich ist für alle derselbe, was Manfred Wörle, der zweite Vorsitzende der Kirchengemeinde als große Chance sieht: „Dort begegnen sich die Kinder, die Eltern, die Kirchenbesucher, die pastoralen Mitarbeiter. Die Eltern können, bevor sie ihr Kind abholen, noch ein paar Minuten in der Kirche oder im Foyer zur Ruhe kommen. Dort kann man auch einfach mal ein Schwätzchen halten“, so Wörle.

Die Kindertagesstätte wird sich mit dem Neubau vergrößern: Bisher besuchen 40 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren den Kindergarten mit den zwei Gruppen und den verlängerten Öffnungszeiten, künftig wird es eine Ganztageseinrichtung mit 60 Kindern im Alter von ein bis sechs Jahren sein. Hinzu kommen zwei Krippengruppen mit Kleinkindern. Die Einrichtungsleiterin Patrizia Sensale freut sich: „Wir können mit den Kindern künftig in Hausschuhen in die Kirche gehen. Dann werden wir uns über St. Martin, Weihnachten und Ostern in der Kirche unterhalten. Das wirkt dann ganz anders auf die Kinder.“

„Ein Glücksfall für die Gemeinde“

Für die katholische Stadtkirche in Stuttgart ist St. Peter die erste Standortentwicklung, die umgesetzt ist. Möglich gemacht hat den Neubau die Kooperation mit der Stiftung Liebenau, die einen Teil des Grundstücks von der Gemeinde erworben hat, um darauf die Behinderteneinrichtung St. Damiano mit Wohnbereich und Werkstatt zu errichten. Die behinderten Menschen wohnen und arbeiten dort bereits seit einigen Monaten. „Die Nähe zu den behinderten Menschen ist für unsere Gemeinde eine große Chance. Wir werden schauen, welche gemeinsamen Projekte möglich sind“, sagt Pfarrer Martin Kneer. In St. Peter mit einziehen wird deshalb auch die Seelsorge für Familien mit behinderten Kindern, die Brücken zwischen Gemeinde und Behinderteneinrichtung bauen wird. Für den zweiten Vorsitzenden Manfred Wörle ist das Projekt ein Glücksfall: „Ohne die Kooperation mit der Stiftung und ohne die Unterstützung von Stadtdekanat und Diözese hätte die kleine Gemeinde den Neubau gar nicht stemmen können.“

Viele Möglichkeiten Gottesdienste zu feiern 

Noch sind die Handwerker an vielen Ecken des Gebäudes zu Gange. Altar und Ambo in der Kirche sind mit Folie abgedeckt, noch liegen Kabel offen im Raum. Die neue Kirche St. Peter ist mit insgesamt rund 150 Plätzen viel kleiner als die alte Kirche. Anstelle der Kirchenbänke gibt es Stühle, die miteinander verbunden werden können und die eine sehr viel flexiblere Bestuhlung möglich machen. „Damit haben wir viel mehr Möglichkeiten, Gottesdienste auch mal anders zu feiern“, sagt Pfarrer Martin Kneer. Bei großen Gottesdiensten wie am 9. Dezember können die Türen zum Gemeinderaum hin geöffnet werden. In der Kirche finden die Besucher viele Nischen: bei der Marienstatue, beim Taufbecken, in der kleinen Seitenkapelle, wo sie zur Ruhe kommen und beten können. „Gerade in einem kleineren Kirchenraum ist es wichtig, Nischen zu schaffen“, sagt Pfarrer Kneer.

Viele Erinnerungen an die alte Kirche

Wichtig für die Gemeindemitglieder ist es, dass sich in dem Neubau auch Erinnerungen an die alte Kirche finden: die Marienstatue im Kirchenraum selbst ist ein Beispiel, die Petrusstatue im Eingangsbereich ein anderes. Auch das eindrucksvolle Kreuzwegmosaik des Künstlers Josef de Ponte, das in der alten Kirche angebracht war, ist künftig im Foyer zu bewundern. Auch die Einweihung am zweiten Adventssonntag ist kein Zufall: Die alte Kirche St. Peter war am zweiten Advent 1972 eingeweiht worden. Deshalb hat sich die Gemeinde für die Weihe der neuen Kirche auch für den zweiten Adventssonntag entschieden.    

  

Einweihung von St. Peter neu:

Die neue Kirche St. Peter wird Bischof Gebhard Fürst am zweiten Adventssonntag, um 10 Uhr, in einem feierlichen Gottesdienst einweihen.

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