Karfreitag

Italiener laden nur zu einer kleinen Prozession

40 Jahre lang ist die Karfreitagsprozession der Italiener durch Bad Cannstatt gezogen. 70 Laiendarsteller haben den Leidensweg Jesu von Jerusalem nach Bad Cannstatt verlegt, um ihn für die Menschen spürbar und erlebbar zu machen. In diesem Jahr wird es nur eine kleine Prozession ohne Schauspieler geben, die von St. Rupert nach St. Martin führt, dabei wird gebetet und gesungen, man liest Bibeltexte auf Italienisch. Start ist um 15 Uhr in St. Rupert (Koblenzer Str. 19). Die italienischen Gemeinden suchen nach einem Regisseur, um die große Prozession wieder aufleben lassen zu können.

40 Jahre lang sind die italienischen Katholiken am Karfreitag in einer großen Prozession durch Bad Cannstatt gezogen.© Edgar Rehberger

„Die 70 Darsteller stehen bereit. Wir hoffen, dass wir einen Weg finden, die große Karfreitagsprozession weiterleben zu lassen“, sagt Pater Daniele Sartori. Die italienischen Gemeinden suchen deshalb nach einem Regisseur mit Sinn für Religion, der daran mitwirkt, die aus Süditalien nach Stuttgart mitgebrachte Tradition zu erhalten.

Ein Stück Heimat nach Stuttgart gebracht 

In den 1970er Jahren haben die italienischen Katholiken erstmals die Passionsgeschichte rund um den Kurpark aufgeführt und auf diese Weise ein Stück ihrer alten Heimat nach Stuttgart geholt. „In Süditalien hat jedes Dorf seine Karfreitagsprozession, an der das ganze Dorf mitwirkt“, erzählt Sartori. Auch in Bad Cannstatt ist aus der kleinen Prozession mit anfangs einer Handvoll Darstellern, die mit dem letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern beginnt und bis zur Kreuzigung führt, bald ein größeres liturgisches Schauspiel geworden. Zuletzt haben hundert Frauen, Männer und Kinder als Darsteller oder Helfer mitgewirkt. Sie haben den unteren Kurpark in den Garten Gethsemane, den Hof des Johannes-Kepler-Gymnasiums in den Palast des Pontius Pilatus und den oberen Kurpark in den Ölberg verwandelt.

Italienische Gemeinden suchen einen Regisseur

40 Jahre lang haben die italienischen Katholiken die Prozession alleine auf die Beine gestellt, kamen Schauspieler und Regisseur aus ihren vier Stuttgarter Gemeinden. Seitdem sich der langjährige Regisseur altershalber verabschiedet hat, sind sie auf der Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin. „Wir haben in unseren Gemeinden niemand mehr, der diese Aufgabe übernehmen kann“, sagt Pater Daniele ganz offen. Aber vielleicht finde sich ja an anderer Stelle jemand, der sich auf diese lebende Passion einlassen möchte. „Wir hoffen darauf, dass wir die Prozession wieder aufleben lassen können. Wir brauchen einen Regisseur mit Sinn für Religion und italienische Traditionen“, so der Ordensmann. Denn das Ziel der Inszenierung der „Via Dolorosa“ sei klar: „Wir möchten mit der Prozession den Menschen den Glauben an die Auferstehung Jesu nahebringen. Es ist eben nicht nur ein Theaterstück, sondern ein Zeugnis des Glaubens.“ Die Offenheit für Veränderungen sei da, auch wenn die Geschichte vorgegeben sei und es theologische Grenzen gebe.

„Es gab viele bewegende Momente“

Die ein oder andere Veränderung gab es auch in den vergangenen 40 Jahren: Redeten die Laiendarsteller in den ersten Jahren nur Italienisch, so kamen angesichts der vielen deutschen Zuschauer irgendwann auch deutsche Textpassagen und Kommentare hinzu. In einem Jahr bekamen fragende Kinder eine tragende Rolle, dann wieder wurden einzelne Szenen abgewandelt oder die Wegstrecke geändert. Geprobt wurde in den vergangenen Jahren vor allem in der Fastenzeit, mit den Texten beschäftigt hatten sich die Schauspieler immer bereits im Oktober und November. „Es gab viele bewegende Momente“, erinnert sich Pater Daniele.    

Kleine Prozession startet um 15 Uhr in St. Rupert

Solange kein Regisseur gefunden ist, bleiben die Kostüme und das 30 Kilogramm schwere Kreuz eingelagert und die Gemeinde lädt lediglich zu einer kleinen Prozession von St. Rupert nach St. Martin. Anstelle des liturgischen Spiels werden biblische Texte gelesen, wird gesungen und gebetet, diesmal wieder alles auf Italienisch. Die Prozession beginnt am Karfreitag, 19. April, um 15 Uhr in der Kirche St. Rupert (Koblenzer Straße 19) und führt bis St. Martin. In Stuttgart leben insgesamt rund 13 000 italienische Katholiken, die sich auf die vier Gemeinden Buon Pastore in Stammheim, Cristo Re in Vaihingen, San Giorgio in Stuttgart-Mitte und San Martino in Bad Cannstatt verteilen. Für die Gemeinden zuständig sind die zwei leitenden Pfarrer Vincenzo Tomaiuoli und  Daniele Sartori sowie der Pfarrvikar Emmanuel Cerda Aguilera.     

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