Betreuerin mit 14 plus

Kein Sommer ohne Waldheim

In den acht katholischen Waldheimen brummt das Leben, mehr als 1200 Kinder verbringen dort einen Teil ihrer Ferien. Mit dabei in dem Waldheim Bruderrain sind auch in diesem Jahr wieder Hanna Leser und Hannah Hoffmann. Diesmal aber gehören sie nicht mehr zu den Waldheimkindern, sondern sie sind erstmals als Nachwuchsbetreuerinnen dabei. Für die beiden Freundinnen ist klar: Waldheim gehört zum Sommer dazu. Wenn nicht mehr als Waldheimkind, dann eben in einer anderen Rolle.

Mit 14 Jahren können Jugendliche als Nachwuchsbetreuer im Waldheim mitmachen.

Die Umstellung fällt nicht immer leicht. Hannah Hoffmann hat sich am ersten Tag im Waldheim beim Mittagessen dabei ertappt, dass sie einfach sitzen geblieben ist. Sie hat gewartet, bis die Betreuer das Essen zu den Tischen tragen. „Bis ich gemerkt habe, hoppla, du musst jetzt auch mit anpacken, du bist ja jetzt Betreuerin.“ Die 14 Jahre alte Gymnasiastin muss lachen, die neue Rolle muss sie erst noch verinnerlichen. Aber eines weiß sie schon jetzt: „Waldheim macht Spaß. Ich werde auch die nächsten Jahre als Betreuerin dabei sein.“

Zwei Drittel der Kinder kommen jedes Jahr

Hannah Hoffmann war mit sechs Jahren zum ersten Mal im Waldheim Bruderrain, das idyllisch im Grünen liegt, ganz in der Nähe des Waldfriedhofs. 83 Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren verbringen die erste Ferienwoche dort und noch einmal 84 Kinder die zweite, einige Kinder sind zwei Wochen da, andere nur jeweils eine Ferienwoche. Viele von ihnen sind wie Hannah Leser und Hannah Hoffmann treue Waldheimbesucherinnen. „Zwei Drittel der Kinder sind quasi Stammgäste“, sagt Gerit Fehrmann, der das Waldheim im Bruderrain in diesem Jahr leitet. Die allermeisten Betreuer sind es auch. Auch Gerit Fehrmann ist seit 19 Jahren jeden Sommer im Bruderrain, zuerst als Waldheimkind, dann als Hillfsbetreuer, Betreuer und jetzt als Interims-Waldheimleiter. „Es ist schön, einmal im Jahr mit vertrauten Menschen im Team hier zu sein. Und es ich immer wieder schön zu erleben, wie gut es den Kindern tut, draußen zu sein, sich viel zu bewegen und zusammen Spaß zu haben.“

Für zwei Wochen raus aus dem Schulalltag

Auch Hannah Leser freut sich auf die Menschen, die sie im Waldheim trifft: „Zum Teil sehe ich die Leute nur einmal im Jahr im Bruderrain. Man ist zwei Wochen in einem anderen Umfeld, raus aus dem Schulalltag und auch mit anderen Menschen zusammen, das ist toll.“ Als Nachwuchsbetreuerinnen sind die beiden Freundinnen in diesem Jahr bei den jüngeren Schulkindern dabei, in zwei verschiedenen Gruppen – dort aber nie mit den Kindern allein, sondern immer mit einem erwachsenen Betreuer an der Seite. Die beiden testen eine Waldheimsaison lang aus, wie es sich anfühlt Betreuer zu sein, sie lernen, mit den kleineren Kindern umzugehen, eine Gruppe zu leiten, sie lernen auch einzugreifen, wenn es sein muss. „Das ist das Schnupperjahr, so werden sie langsam an die Betreuerrolle herangeführt“, erklärt Michael Guntermann, der für alle acht katholischen Waldheime verantwortlich ist und der sich eben auch um die Schulungen für die Betreuer und die Hilfsbetreuer, die „14 plus“ kümmert.

Die beiden Freundinnen waren bei der Schulung dabei

Vor Start des Waldheims mussten die beiden Freundinnen genauso wie die älteren ehrenamtlichen Betreuer eine Schulung absolvieren, in der es um Hygienevorschriften genauso geht wie um rechtliche Fragen rund um das Waldheim. Zudem waren sie mit dem gesamten Betreuerteam des Waldheims im Klettergarten, um als Team gut zusammenzufinden. Und jetzt sind sie mit den Kindern jeden Tag auf Achse, entweder beim Gottesdienst und der Beach Party auf dem Waldheimgelände, im Schwimmbad in Zuffenhausen oder im Nymphea-Park in Esslingen. Den ersten Schwimmbadbesuch haben die beiden schon hinter sich: „Das war lustig, aber als Betreuerin auch ganz schön anstrengend. Da hängen zehn Kinder an dir und zehn andere spritzen dich gleichzeitig nass“, erzählt Hannah Hoffmann.

Sandburgenbauen bei der Beach Party

Die Beach Party, bei der mit den Kindern Sandburgen gebaut und Cocktails gemischt werden, empfindet sie als vergleichsweise entspannend. „Die Mottotage gehören einfach zum Waldheim dazu“, sagt Hannah Leser. Was die 14-Jährige bedauert, sind eigentlich nur zwei Dinge: dass in diesem Jahr die Übernachtung für die älteren Kinder ausfallen muss und dass auch ihr langjähriges Lieblingsspiel „Catch the Flag - fang die Flagge“, bei dem zwei Gruppen sich gegenseitig eine Flagge abluchsen, nicht auf dem Programm steht. „Das hat sich immer wie großes Abenteuer angefühlt“, sagt Hannah Leser. Sie hofft, dass es im nächsten Jahr wieder auf dem Programm stehen wird.

Viele Schüler machen als Nachwuchsbetreuer weiter

In den acht katholischen Waldheimen werden in den ersten vier Ferienwochen insgesamt mehr als 1200 Kinder betreut. Möglich machen dies 200 ehrenamtlich engagierte und pädagogisch geschulte Betreuer. Hinzu kommen insgeamt 56 14-Plus-Nachwuchsbetreuer, die die anderen unterstützen. „Viele der älteren Schüler machen weiter, weil sie im Waldheim bleiben möchten“, sagt Michael Guntermann. Was die Kinder und auch die jungen Betreuer am Waldheim schätzen, ist aus seiner Sicht vor allem eines: „Wir machen Freizeitpädagogik und keine Bildungsarbeit. Es geht darum, zusammen Freude zu haben und das spüren alle.“

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