Maria 2.0

„Kirche muss überfällige Reformen anpacken“

Der Aufruf kommt aus Münster, auch in Stuttgart haben sich viele Frauen angeschlossen. Im Marienmonat Mai machen die Frauen mit Aktionen und viel Einfallsreichtum auf ihre Situation in der katholischen Kirche aufmerksam. Die Religionslehrerin Monika Elias und die Pastoralassistentin Monika Kling-Witzenhausen erklären, warum Sie sich an Maria 2.0 beteiligen. Beide Theologinnen gestalten am nächsten Wochenende Gottesdienste zum Thema Frauen in der Kirche.

Monika Elias unterrichtet seit 30 Jahren Französisch und katholische Religion am Agnesgymnasium in Stuttgart – und sie tut es noch immer mit Freude. Allerdings wird es für die Theologin immer schwieriger, aus voller Überzeugung die katholische Kirche zu vertreten. „Wenn meine Schülerinnen kritische Anfragen stellen bezüglich der Hierarchie in der Kirche, die Stellung der Frauen und das Festhalten am Zölibat, dann wird es für mich immer unbehaglicher. Dabei geht es mir eigentlich um die Verkündigung der Botschaft Jesu, die aber wird zusehends von den anderen Fragen überlagert “, sagt Monika Elias.

Frauen leisten Großteil der Arbeit

Noch stärker in Gewissenskonflikte gebracht aber haben sie die Missbrauchsskandale, die in den vergangenen Jahren ans Licht gekommen sind. „Dadurch ist unsere Kirche in eine enorme Glaubwürdigkeitskrise geraten. Ich glaube, dass sie da nur herauskommt, wenn sie längst überfällige Strukturreformen anpackt.“ Dazu zählt die Lehrerin die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern und die Abschaffung des Pflichtzölibats. „Es gibt keine schlagkräftigen biblischen Argumente dafür, die Frauen von der Weihe auszuschließen genauso wenig wie für die Aufrechterhaltung des Pflichtzölibats“, so Monika Elias. Deshalb beteiligt sie sich mit voller Überzeugung an der Aktion Maria 2.0: „Wir Frauen müssen unsere Rechte in der katholischen Kirche einklagen und erhalten. Es sind Frauen, die einen Großteil der Arbeit in der Kirche, in der Seelsorge und der Katechese leisten und dennoch sind sie von wichtigen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen.“

Frauenschuhe in der Kirche, aber keine Frauen

Mit Blick auf die Überlastungssituation vieler Priester fragt sie: „Welches Unternehmen kann es sich leisten, das Potential seiner Mitarbeiterinnen nicht voll auszuschöpfen?“ Deshalb hat Monika Elias am vergangenen Wochenende in St. Antonius in Hohenheim zusammen mit anderen Frauen aus der Gemeinde Frauenschuhe in der Kirche aufgestellt, ist aber ansonsten draußen vor der Kirche geblieben. Am nächsten Sonntag, 19. Mai, um 11 Uhr gestaltet sie zusammen mit Mechthild Foldenauer zudem eine Wortgottesfeier in St. Antonius zum Thema Frauen in der Kirche, diesmal allerdings wieder in der Kirche.

Immer die Frage, warum ausgerechnet zur katholischen Kirche? 

Auch Monika Kling-Witzenhausen unterstützt Maria 2.0. Sie ist noch in der Berufseinführung zur Pastoralassistentin und sehr oft mit der Frage konfrontiert, warum sie sich als junge Frau ausgerechnet für eine Arbeit bei der katholischen Kirche entschieden habe – wohlwissend, dass sie als Laientheologin immer an zweiter Stelle stehen werde. Dies bezieht sich auch auf viele Leitungsaufgaben, die den geweihten Priestern vorbehalten bleiben. „Es gibt die Möglichkeit der inneren Emigration und es gibt das Engagement, mutig den eigenen Visionen treu zu bleiben, ins Gespräch zu gehen, zu diskutieren und mitanzupacken: Nur so können Veränderungen angestoßen werden“, sagt die 32-Jährige.

Offener Dialog über Fragen der Zukunft gefordert

Die Aktion Maria 2.0 greife wichtige Fragen nach der Rolle der Frau in der Kirche auf. Monika Kling-Witzenhausen wünscht sich einen offenen Dialog über die drängenden Fragen der Zukunft der katholischen Kirche. „Niemand weiß so recht, wie die Kirche der Zukunft aussehen wird. Aber eines muss auf jeden Fall gelten: Es muss eine Kirche sein, die nicht nur von Charismen spricht, sondern diese auch ernst nimmt und fördert, egal, ob nun bei Mann oder bei Frau, bei jüngeren oder bei älteren Menschen.“ Die Pastoralassistentin sammelt in dieser Woche gemeinsam mit anderen Frauen aus der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Mitte Gedanken, Ideen, Visionen, die in den Gottesdienst am Sonntag, 19. Mai, um 10 Uhr in St. Eberhard einfließen werden. 

Stadtdekan spricht von existentieller Frage für die Kirche 

Unterstützung bekommen die Frauen auch von Stuttgarts Stadtdekan Christian Hermes: „Ich bin mit vielen Frauen in unserer Kirche im Gespräch, auch mit pastoralen Mitarbeiterinnen, und kann ihre Frustration sehr gut nachvollziehen. Es ist mir wichtig, dem Raum zu geben. Ob wir den berechtigten Anliegen von Frauen in der katholischen Kirche gerecht werden, wird zunehmend zu einer unausweichlichen existentiellen Frage für unsere Kirche.“

Zwei Gottesdienste im Rahmen von Maria 2.0

Am Sonntag, 19. Mai, um 11 Uhr in St. Antonius in der Paracelsusstraße  in Hohenheim sowie ebenfalls am 19. Mai um 10 Uhr in St. Eberhard in der Königstraße.

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