Neuer Stellenplan

Kirche öffnet sich in der Pastoral für andere Berufe

Was auf den ersten Blick wie eine kleine Veränderung aussieht, hat es durchaus in sich. In den katholischen Gemeinden werden künftig neben Priestern, Diakonen und Gemeindereferentinnen mehr Menschen mit anderen Qualifikationen tätig sein. Der neue Stellenplan für pastorale Berufe der Diözese sieht eine ausdrückliche Öffnung hin zu anderen Berufsgruppen vor. Neben den pastoralen Mitarbeitern werden künftig verstärkt auch Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Erzieher das Gemeindeleben mitgestalten, je nach den Schwerpunkten, die die Gesamtkirchengemeinden und Gemeinden für ihre Arbeit setzen.

Neben den pastoralen Mitarbeitern werden künftig verstärkt auch Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Erzieher das Gemeindeleben mitgestalten, je nach den Schwerpunkten, die die Gesamtkirchengemeinden und Gemeinden für ihre Arbeit setzen. Ganz konkret bedeutet dies: Verlässt eine Pastoral- oder Gemeindereferentin oder ein Diakon eine katholische Gesamtkirchengemeinde in Stuttgart, wird diese Stelle nicht wie bisher automatisch mit einer Gemeindereferentin oder einem Diakon wiederbesetzt, sondern zum Beispiel mit einer Sozialpädagogin oder einem Religionslehrer. Das bedeutet nicht, dass der Sozialpädagoge die Gottesdienstgestaltung verantwortet, vielmehr wird er andere Aufgaben übernehmen, die die Gemeinde als wichtig erachtet. Er wird beispielsweise die Jugendarbeit ausbauen, die Arbeit mit Flüchtlingen weiterentwickeln, eine feste Anlaufstelle für Ehrenamtliche bieten oder die kirchlichen Angebote im Stadtbezirk besser vernetzen.

„Große Chance, Gemeinde anders zu leben“

„Wir müssen umdenken und uns von gewohnten Vorstellungen lösen. Wenn uns dies gelingt, dann werden wir feststellen: Aus dem neuen Stellenplan ergeben sich große Chancen, Neues anzugehen und Gemeinde anders zu leben“, sagt der katholische Stadtdekan Christian Hermes. Erfreulich für die Gemeinden und Dekanate insgesamt: Der Stellenplan sieht im Gesamten keine Kürzungen vor. Es bleiben diözesanweit 1170 Stellen für Mitarbeiter in der Pastoral - nur eben wird der Bereich bunter und vielfältiger. Für Stuttgart sieht der Stellenplan 71 pastorale Stellen in den Gemeinden vor, hinzu kommen knapp 30 Stellen in den anderen Seelsorgebereichen, wie der Jugend oder der Betriebsseelsorge. „In Zeiten, in denen die katholische Kirche an Mitgliedern verliert, ist es ein mutiges Signal zu sagen: Kirche zieht sich nicht etwa zurück, sondern entwickelt sich weiter und schaut, was sind die Bedürfnisse der Menschen vor Ort und was kann sie in das gesellschaftliche Leben einbringen. Dennoch wird der neue Stellenplan auch an der ein oder anderen Stelle Schmerzen bereiten“, so Hermes.

Immer weniger Menschen entscheiden sich für pastoralen Beruf

Mit dem neuen Stellenplan reagiert die Diözese auf eine Entwicklung, die sich schon seit Jahren abzeichnet. Immer weniger Menschen entscheiden sich für einen pastoralen Beruf. Das gilt nicht nur für Priester, sondern auch für Diakone sowie Gemeinde- und Pastoralreferenten. Hinzu kommt: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen nach und nach in den Ruhestand, viele verdiente pastorale Mitarbeiter scheiden in den nächsten Jahren aus. Die Diözese hat sich deshalb für eine Öffnung entschieden, um Stellen wieder besetzen und einen Stellenabbau vermeiden zu können. Große Chancen für Stuttgart bietet eine Neuerung: Die Diözese stellt den Dekanaten Profilstellen zur Verfügung, um besondere Projekte umsetzen zu können. Davon profitiert die katholische Kirche in Stuttgart in hohem Maße, da sie an verschiedenen Stellen Neues angestoßen hat, um auch kirchenferne Menschen in der Großstadt anzusprechen. Ein Beispiel ist das Spirituelle Zentrum im Stuttgarter Westen, das im nächsten Jahr eröffnen wird, ein anderes das Zentrum für Trauerpastoral in Degerloch, das derzeit in Planung ist.

„Wir müssen die Menschen überraschen“

Was der neue Stellenplan ganz konkret für die Gesamtkirchengemeinden bedeutet, machen die beiden leitenden Pfarrer Werner Laub und Stefan Karbach deutlich. Laub ist verantwortlich für die Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-West/Botnang mit rund 17 500 Katholiken und damit für einen regen und vielgestaltigen Stadtbezirk, in dem viele Familien und junge Menschen leben. In den nächsten Jahren entsteht in St. Elisabeth ein neues Gemeindezentrum, das nicht nur der Gemeinde, sondern auch den Gruppen im Stadtbezirk offen stehen wird. „Ich kann mir gut vorstellen, eine Art Quartiersmanager mit ins Boot zu holen, jemanden, der Kontakte mit den Einrichtungen und Vereinen im Stuttgarter Westen knüpft und gemeinsame Veranstaltungen entwickelt“, sagt Werner Laub. Ziel müsse es sein, die katholische Kirche auch mit Menschen in Berührung zu bringen, die schon lange keine Kirche mehr betreten haben, diese anzusprechen und auch zu überraschen.

Theologen von anderen Aufgaben entlasten

Dennoch hält Laub es für wichtig, die pastorale und seelsorgerliche Begleitung der Menschen weiterhin sicherzustellen. Auch die Gottesdienste und andere liturgische Angebote müsse es für die kirchennahen Menschen zuverlässig weiter geben. „Für unser pastorales Team heißt dies: Wir müssen schauen, dass die theologisch und pastoral qualifizierten Mitarbeiter von nichtpastoralen Aufgaben entlastet werden, um für die theologische und pastorale Arbeit im engeren Sinn auch künftig Zeit zu haben.“

Weg von der traditionellen Rollenverteilung in der Gemeinde

Stefan Karbach ist seit zwei Jahren leitender Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart Johannes XIII. mit 14 000 Katholiken, zu der die Gemeinden Mariä Himmelfahrt in Degerloch, St. Antonius von Padua in Hohenheim, St. Thomas Morus in Heumaden und St. Michael in Sillenbuch gehören. Er möchte in den nächsten Monaten zusammen mit den Ehrenamtlichen in den Gemeinden in einem pastoralen Konzeptionsprozess die Schwerpunkte klären, die in den Gemeinden und der Gesamtkirchengemeinde gesetzt werden. „Vielleicht kommen wir zu dem Schluss, dass wir zu wenig in der Seniorenarbeit unterwegs sind oder entscheiden uns dafür, mehr in die Jugendarbeit zu investieren, vielleicht setzen wir für die Zukunft aber auch ganz neue Prioritäten“, so Karbach. Wichtig ist für ihn, dass „wir uns von der traditionellen Rollenverteilung in der Gemeinde lösen.“    

 

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