PiA-Ausbildung

Mit den Kindern ist jeder Tag anders

3000 Kinder im Alter von wenigen Monaten bis zu sechs Jahren werden in den 65 katholischen Kindertagesstätten betreut. Damit der Alltag in den Kitas gut läuft, braucht es engagierte Erzieherinnen und Erzieher. Die wiederum brauchen eine gute Ausbildung. Die katholiche Kirche in Stuttgart bietet insgesamt 60 PiA-Plätze. PiA steht für praxisintegrierte Ausbildung, die so heißt, weil sie Theorie und Praxis auf eine gute Weise verbindet. Nadine Abubaker ist im zweiten PiA-Ausbildungsjahr. Lisa Maisch hat ihre Ausbildung abgeschlossen. Im Interview berichten die beiden jungen Frauen von ihren Erfahrungen.

© Heinz Heiss

Warum haben Sie sich für eine PiA-Ausbildung entschieden, Frau Maisch?

Lisa Maisch: Mein jüngerer Bruder hat mich darauf gebracht. Ich habe zuhause viel Spaß mit ihm. Zu sehen, wie er sich entwickelt, was er lernt, wie unbefangen er auf die Dinge zugeht, wie frech er sein kann, das hat mich beeindruckt. Deshalb wollte ich Erzieherin werden, um jeden Tag mit ganz vielen Kindern zusammen zu sein.  

Was war Ihr lustigstes Erlebnis in den vergangenen drei Jahren?

Nadine Abubaker: Das war eine kleine Episode vor dem Wickeln. Ich habe zu einem dreijährigen Jungen vor dem Windeln wechseln gesagt, komm wir gehen schnell die Feuchttücher holen. Seine Antwort war, dann müssen wir die Polizei rufen, dann geht es schneller. Das ist Kinderlogik. Lustig, oder?

Lisa Maisch: Lustig finde ich es immer zu sehen, wie viel Phantasie die Kinder haben. Wenn beim Spielen eine Legoscheibe zu einem Tablet wird und ein Kind damit ein Foto von mir macht oder wenn sich ein Baustein in ein Flugzeug verwandelt, dann ist das großartig. Wenn ich dann noch mit den Kindern in meiner Gruppe in Weilimdorf im Turnraum das Fliegerlied singe, dann hebe ich ab – vor Vergnügen.

Was macht Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten Spaß?

Nadine Abubaker: Die Abwechslung. Jeder Tag mit den Kindern ist anders. Man merkt gar nicht, wie schnell die Zeit verfliegt. Und ich freue mich über das Vertrauen, das die Kinder mir schenken. Es ist schön, wenn ein Kind zu mir kommt, um sich trösten zu lassen. Oder um mir etwas ganz Wichtiges zu erzählen. Das ist ein unglaublicher Vertrauensbeweis.   

Wie sieht die Woche während der Ausbildung aus?

Lisa Maisch: Während der Ausbildung arbeitet man zwei Tage in der Kita mit den Kindern, an den anderen drei Tagen bekommen wir die Theorie in einer Schule für Erzieherinnen vermittelt. Was ich in der Schule lerne, kann ich dann mit euch zusammen in der Kita ausprobieren.

Nadine Abubaker: Das ist eine gute Mischung, ich bekomme die Theorie im Unterricht und erlebe die Praxis in der Kita. Wenn ich in der Schule lerne, wie man ein Buch gut präsentieren kann, probiere ich es mit den Kindern in der Kita gleich aus. An den Gesichtern der Kinder sehe ich gleich, ob sie gebannt oder gelangweilt sind.  

Was haben Sie von den Kindern gelernt?

Lisa Maisch: Ich habe gelernt, die Welt unvoreingenommen zu sehen. Kinder stellen ganz elementare Fragen. Was passiert nach dem Tod? Und sie haben ihre ganz eigenen Antworten darauf. Dann bin ich ein Engel und schaue von oben zu dir herunter. Das ist ein schöner Gedanke.

Nadine Abubaker: Dass man sich richtig doll streiten kann und zehn Minuten später sind alle wieder versöhnt, spielen gemeinsam und sind die besten Freunde. Und ich habe von den Kindern gelernt, sich für die Dinge Zeit zu nehmen, sei es beim Basteln oder beim Spielen. 

Was ist Ihnen anfangs schwer gefallen und was leicht?

Nadine Abubaker:  Am Anfang ist es mir schwer gefallen, nicht immer gleich einzugreifen, wenn ein Kind den Reißverschluss nicht auf Anhieb zu bekommt oder lange braucht, um die Matschhose anzuziehen. Weil ich immer gleich geholfen habe, habe ich den Kindern ein wichtiges Erfolgserlebnis genommen. Jetzt warte ich ab und freue mich mit dem Kind, wenn der Reißverschluss zu ist – ganz ohne Hilfe.

Lisa Maisch: Anfangs habe ich oft die Sätze für die Kinder zu Ende gesprochen. Ich war einfach zu ungeduldig. Jetzt warte ich ab, die Kinder können das alleine viel besser. Ich habe auch gelernt, den Kindern und mir mehr Zeit zu lassen.

Warum haben Sie sich für eine PiA-Ausbildung bei der katholischen Kirche entschieden?

Lisa Maisch: Es ist mir wichtig, im Umgang miteinander Werte zu vermitteln, wie zum Beispiel Respekt, Toleranz, Nächstenliebe.

Nadine Abubaker: In meiner Familie spielt Religion eine wichtige Rolle, deshalb war es mir auch wichtig, meine Ausbildung bei einem kirchlichen Träger zu machen.

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