Ein Portrait

Mit Martin gehen viele Menschen auf die Straße

Es ist nur eine kleine Szene, die die Herzen berührt und eine christliche Botschaft vermittelt: Der Soldat Martin bringt sein Pferd zum Stehen, weil er einen Bettler sieht. Er hält nicht nur an, er teilt seinen Mantel mit dem armen Mann. Viele Martinsumzüge erinnern in den nächsten Tagen überall in der Stadt an den heiligen Martin.

In St. Elisabeth im Stuttgarter Westen treffen sich jedes Jahr viele Familien zum Martinsumzug.

Für ihn gehen bis heute nicht nur die Kinder auf die Straße: Martin von Tours, der auch Martin Luther seinen Namen gab, ist zu einer Symbolfigur für alle geworden, die ein Herz für die Armen, Geächteten und Bettelnden haben. Hoch zu Ross wie am 11. November um 17.30 Uhr in St. Franziskus (Mirabellenstraße 43) in Obertürkheim, wird die Geschichte des Offiziers nachgespielt, der mit dem Bettler seinen Mantel teilt.

Martin war in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnlicher Heiliger, dem Margret Schäfer-Krebs, Referentin für Liturgische Dienste in Rottenburg, und der Pastoralreferent Odilo Metzler in einem Gottesdienst in der St. Antoniuskirche in Hohenheim am 17. November nachspüren werden. Denn für Martin hatte der christliche Glaube zur Konsequenz, den Kriegsdienst zu verweigern, und er hatte ein anderes Bischofs- und Kirchenverständnis als bischöfliche Zeitgenossen im neuen konstantinischen Kirchenzeitalter. Zudem war er schließlich der erste Heilige, der kein Märtyrer war. Was aber war er dann?

In Ungarn geboren, in Gallien getauft

Geboren wurde Martin im Jahr 316 im heutigen Ungarn. Mit 15 Jahren trat er in die römische Gardekavallerie ein, die in Gallien ihre Heimatkaserne hatte. Die Legende erzählt, dass er in der Winterszeit auf einem Ausritt seinen Militärmantel mit einem Bettler geteilt habe. Daraufhin sei ihm im Traum Christus erschienen und habe ihn mit den Worten gelobt: „Was du an dem Bettler getan hast, das hast du mir getan.“

Martin empfing daraufhin in Amiens die Taufe und bat um Entlassung aus dem Militärdienst. Im Jahr 371 wurde Martin zum Bischof von Tour an der Loire gewählt. Der Legende nach soll er sich in einem Gänsestall versteckt haben, um der möglichen Wahl zu entgehen. Doch das Geschnatter der Vögel verriet ihn. Im Alter von 81 Jahren ist er am 8. November 397 in Candes an der Loire gestorben. Bei vielen gilt er als der beliebteste Heilige in Europa und Beschützer aller Bedrängten.

An vielen Orten in Stuttgart wird diesem Heiligen nachgespürt

Mit einem Benefizkonzert bei Kerzenschein zu St. Martin mit dem Titel  „Eines fremden Tages" lädt das katholische Hospiz am Freitag, 8. November, um 19 Uhr zu einer Trauermusik in die evangelische Versöhnungskirche Degerloch, Löwenstraße 116, ein. Mit seinen Liedern sucht der Pfarrer, Musiker und Vater von drei Kindern, Stefan Schwarze, nach Tönen, die berühren, trösten, tragen.

Die Gemeinde St. Antonius in Hohenheim lädt zur ökumenischen Martinsfeier am Samstag, 9. November, um 17 Uhr zur Steckfeldkirche. Die Pfadfinder führen die Geschichte von St. Martin auf. Anschließend ziehen Kinder und Eltern singend mit bunten Laternen „durch die Straßen auf und nieder“. Zum Abschluss gibt es Punsch und Gebäck zum Teilen.

Eine besondere Geste wird in der Degerlocher Gemeinde Mariä Himmelfahrt praktiziert: Nach dem Martinsspiel und dem Laternenumzug am 11. November um 17 Uhr am Agnes-Kneher-Platz bittet der Pfarrer am Ende des kurzen Gottesdienstes immer darum, ob noch Familien zum katholischen Hospiz St. Martin weiterziehen möchten und dort nochmal im Vorhof singen.

Mit St. Martin als Orientierungsgestalt für die Kirche beschäftigt sich der jo23-Gottesdienst am Sonntag, 17. November, in der Antoniuskirche in Hohenheim. In dem Gottesdienst wird Margret Schäfer-Krebs, Referentin für Liturgische Dienste in Rottenburg, im Gespräch mit Odilo Metzler den anderen Martinus beleuchten, für den der christliche Glaube zur Konsequenz hatte, den Kriegsdienst zu verweigern, und ein anderes Bischofs- und Kirchenverständnis zu entwickeln als bischöfliche Zeitgenossen im neuen konstantinischen Kirchenzeitalter. Mit einigen stand er denn auch in Spannung und Konflikten.

 

Weitere Martinsandachten und –umzüge:

Samstag, 9. November um 17 Uhr Ökumenische Martinifeier mit der Helene-Schöttle-Schule in St. Thomas, Falchstraße 9, Steinhaldenfeld
Samstag, 9. November um 17.30 Uhr Martinsritt von St. Rupert, Koblenzer Str. 13 nach St. Martin
Sonntag, 10. November, um 17 Uhr Martinsspiel mit Laternenumzug in Christus König, Fanny-Leicht-Straße 29, Vaihingen
Montag, 11. November, um 17 Uhr Martinsfeier in St. Markus, Otto-Hirsch-Brücken 18, Hedelfingen
Montag, 11. November, um 17.30 Uhr Martinsfeier in St. Franziskus, Mirabellenstraße 43, Obertürkheim mit anschließendem Martinsritt zum Haus am Weinberg
Montag, 11. November, um 18 Uhr St. Martinsfeier in St. Barbara, Wolfgangstraße 6, Hofen
Montag, 11. November, um 17 Uhr Martinsfeier in St. Antonius Zuffenhausen (Beginn im Hof der Rosenschule, Markgröninger Str. 38), Markgröninger Straße 29, Zuffenhausen.
Montag, 11. November um 17 Uhr Martinsspiel, -umzug, - markt in St. Elisabeth, Elisabethenstraße 21, Stuttgart -West
Montag, 11. November, 17 Uhr Martinsfeier und Laternenumzug in St. Michael, Kleinhohenheimer Straße 11 in Sillenbuch.
Dienstag, 12. November, um 17.30 Uhr Martinsfeier in St. Konrad, Stafflenbergstraße 50, Stuttgart-Mitte

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