Adventsserie (4)

Ohne Fleisch und Süßes auf Christi Geburt warten

Still, dunkel, süßigkeitenfrei: so feiern polnische Katholiken den Advent. Denn die katholische Liturgie sieht die Wochen vor Christi Geburt als Fastenzeit, und daran hält man sich in Polen. Erst an Weihnachten selbst gehen alle Lichter an, und die Tische biegen sich unter den Festmahlsgerichten. Daran orientiert sich die polnische Gemeinde in Stuttgart.

Weihnachten bei Familie Schimanski

Eine asketische Zeit der Stille und der Erwartung beginnt mit dem ersten Advent bei polnischen Katholiken. Auch in Stuttgart. Allerdings können nicht alle Traditionen im Ausland fortgeführt werden, erzählt Jolanta Schimanski, Pfarrsekretärin der polnischen Gemeinde in Stuttgart. Zum Beispiel die Roratemesse, die in Polen vom ersten Advent an jeden Morgen um 6 Uhr gefeiert wird. Bis zum 23. Dezember. In Stuttgart schrumpft dieses Angebot auf zwei Mal in der Woche, mittwochs und freitags um 18.30 Uhr in St. Thomas. Der besondere Charakter ist jedoch geblieben: Der Gottesdienst beginnt im Dunklen mit Kerzenlicht und erst in der Mitte der Messe wird es hell.

Die Adventszeit ist karg

Der größte Unterschied zum deutschen Advent ist die Kargheit. „Wir setzen den November mit den Totengedenken im Advent fort“, sagt Ewa Langhof, ebenfalls Pfarrsekretärin in der polnischen Gemeinde. „Es ist eine meditative Zeit.“ Endzeit-Texte in der Liturgie führen zu Fragen nach dem richtigen Leben. „Ich bemühe mich, Schwächen zu vermeiden, meine Lebensweise zu verbessern und mich auf das Kommen Jesu vorzubereiten“, fasst Ewa Langhof die Intention dieser Zeit zusammen. Daher gibt es auch kein Fleisch und keine Süßigkeiten im polnischen Advent. Auch an Heiligabend nicht. Das traditionelle Essen an dem Tag sind Karpfen und Heringe.

Aber natürlich: Sowohl in Polen als auch in der polnischen Gemeinde in Stuttgart setzen sich deutsche Gewohnheiten durch. Adventskranz und Weihnachtsbaum gab es früher nicht, jetzt tauchen sie immer öfter in den Wohnzimmern auf. Plätzchen und Adventskalender halten in Familien mit Kindern Einzug. Als Mutter komme man daran nicht vorbei, das hat auch die 51-jährige Jolanta Schimanski erlebt.

Geschenke gibt es übrigens vor allem am Nikolaustag und nicht an Heiligabend. Bei manchen Familien würden die Päckchen unter dem Kopfkissen versteckt, erzählt die 43-jährige Ewa Langhof. Am Christabend gibt es dann nur noch kleinere Geschenke. Dieser hat dafür einen ganz klaren Ablauf: Zuerst geht die Familie nach draußen und schaut, wann der erste Stern am Himmel erscheint. Dann gehen alle ins Haus, wo der Weihnachtsbaum schon leuchtet und der Tisch gedeckt ist. Anschließend wird die Weihnachtsgeschichte gelesen, jeder bekommt ein Stück gesegnete Oblate und alle beglückwünschen sich gegenseitig, bevor es zum Essen geht. In den Dörfern wird sogar den Tieren im Stall ein Stück Oblate gegeben. Und man erzählt sich die Legende, dass am 24. Dezember die Tiere sprechen können.

Ein Platz bleibt frei für Jesus

Am Tisch bleibt wird außerdem ein Stuhl frei. „Dieser Platz ist für eine fremde Person, einen Reisenden, einen Freund oder Jesus selbst“, erklärt Jolanta Schimanski. Deshalb befindet sich an dem Platz unter der Tischdecke ein bisschen Heu oder Stroh. Übrigens: Wer polnische Mitbürger treffen wolle, der müsse am 23. Dezember an eine Fischtheke im Supermarkt gehen, bemerkt Ewa Langhof lachend. Denn am Heiligabend gibt es Karpfen. „Früher in Polen schwamm der noch lebend in der Badewanne“, erinnert sich Jolanta Schimanski. Jetzt holt man ihn von der Supermarkttheke. Serviert wird er entweder paniert, gebraten oder nach jüdischer Art. Dazu gibt es Heringe, Gemüsesalat, Suppe aus roter Bete, panierte Teigtaschen und Sauerkraut mit Pilzen. Alles fleischlos.

Erst nach dem üppigen Mahl gibt es Geschenke, die früher bescheiden ausfielen, aber immer mehr an Bedeutung zunehmen. „Ich habe vier Kinder und viele Enkel“, erzählt Jolanta Schimanski. „Da gibt es wahnsinnig viel Geschenkpapier.“ Die Teller dürfen in der Zwischenzeit nicht abgeräumt werden, höchstens ausgetauscht, sonst wäre das Fest nach polnischer Sitte vorbei. Die Familie bleibt jedoch beisammen und wartet Weihnachtslieder singend und Kuchen essend auf die Christmette. Diese findet aus logistischen Gründen in Stuttgart nicht um 24 Uhr, sondern um 23 Uhr in St. Thomas statt.

Polnische Lieder rühren ans Herz

Und dann geht es ans Herz: Polnische Weihnachtslieder über Christi Geburt, Maria und alles, was dazu gehört, erklingen. „Da wird auf die Tränendrüse gedrückt“, sagt Jolanta Schimanski. Außer dem Klassiker „Stille Nacht“ sind alles original polnische Lieder. „Ohne Tannenbaum und Schnee, nur biblische Themen“, betont Ewa Langhof. Dann klingt der Abend aus. Manche gehen noch zur Krippe und knien nieder. Die anderen gehen nach Hause, wo man sich noch eine Weile unterhält.

Bis zum 2. Februar zieht sich dann die Weihnachtszeit. In diesem Zeitraum besucht der Pfarrer alle Familien, um das Haus zu segnen. In Polen kommt er automatisch in einer bestimmten Reihenfolge, in Stuttgart muss man sich melden, wenn man einen Besuch möchte. Und dann ist auch die Zeit der Krippenspiele, draußen im Stall. In Stuttgart findet es am letzten Sonntag im Januar in der Kirche statt. Kinder und junge Erwachsene von fünf bis 25 Jahren spielen mit. „Das Schauspiel wird in modernen Kontext eingebettet“, erzählt Ewa Langhof, die betont, dass der Glaube für Polen einen hohen Stellenwert hat. Deshalb würden viele die Religion gegen den Kommerz verteidigen wollen. „Ohne die religiöse Seite von Weihnachten bleibt schließlich nur noch die Verpackung“, sagt die 43-Jährige.

Rezept Polnische Rote-Bete-Suppe

Zutaten

½ L Gemüse- oder Fleischbrühe
½ L  Rote – Bete - Most
5 Pfefferkörner
3 Pimentkörner
1 Lorbeerblatt
eventuell 1 grob geschnittene  Knoblauchzehe 
Räucherfond (aus Wurst oder Schinken).

Zubereitung von Roterübenmost: ein Steingutgefäß oder großes Glas (3Liter) bis zur einem 1/3 mit geschälten, in dünne Scheiben geschnittenen Roterüben (rote Beete) füllen, Wasser dazu geben bis der Topf fast voll ist. Eine geschälte Knoblauchzehe hinzufügen (und eventuell eine kleine Scheibe von Sauerteigbrot, diese aber  am nächsten Tag entfernen!), mit einem Tuch abdecken und an einem warmen Ort 4 –7 Tage stehen lassen. Jeden Tag umrühren und wenn nötig die Haut entfernen. Wenn fertig (vergoren und sauer) in saubere Flaschen abfüllen und im Kühlschrank aufbewahren. Roterübenmost  kann man auch fertig kaufen, hat allerdings nicht so eine schöne Farbe und muss mit Zitronensaft abgeschmeckt werden, weil er nicht sauer genug ist.

Kochen: 1/3 Gemüse Brühe mit 2/3 Roterübenmost vermischen, etwas Geschmack von gekochten Pilzen geben, einige Pfeffer- und Pimentkörner, Lorbeerblatt und Knoblauchzehe hinzufügen und nur zum Kochen bringen. Auf die Teller mit Teigtaschen verteilen und sofort servieren. Oder  die klare Suppe als begleitendes Getränk zum warmen und kalten Speisen.

Roterübensuppe mit kleinen Teigtaschen – Barszcz z uszkami

Teigtaschen für die Suppe (für ca. 200 sehr kleine Teigtaschen): 

Teig: ¾ Glas lauwarmes Wasser, 1 Eßl. Öl, 1 Ei, ca. 500g Weizenmehl.(den Teig kann man auch ohne Ei zubereiten)

Zubereitung: Wasser, Öl und Ei vermischen, Mehl portionsweise miteinander vermengen und verkneten bis der Teig nicht an der Hand klebt und elastisch ist. Portionsweise auf dem bemehlten Brett dünn auswellen, das Mehl immer wieder dazu streuen, dass der Teig nicht am Brett kleben bleibt (aber trotzdem nicht zu viel). 

Füllung: 200g getrocknete Pilze, 4 kleine Zwiebeln, etwas Fett zum Dünsten, Pfeffer, Salz, Lorbeerblatt, Pfefferkörner.

Zubereitung: Die Pilze einweichen, in Salzwasser mit Lorbeerblatt und Pfefferkörnern kochen, durch einen Fleischwolf drehen oder sehr fein hacken. Zwiebeln schälen, sehr  fein in Würfeln schneiden, glasig dünsten. Pilze unterrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken, kurz mitdünsten. Die Füllung soll feucht aber nicht wässrig sein. Man kann eventuell etwas Semmelbrösel hinzufügen.

Mit einem stabilen Schnapsglas(oder Metallring) kleine Teigringe ausschneiden, die Füllung mit einem Kaffeelöffel hineingeben und die Tasche gut zukleben, dabei darauf zu achten, dass die Füllung nicht zwischen die geklebten Ränder gerät. Zwei gegenüber liegende Enden der Teigtasche zusammenkleben, dass sie ähnlich wie Ravioli aussehen. Auf einer bemehlten Fläche hinlegen. Den restlichen Teig immer zugedeckt in einem Schüssel aufbewahren, dass er nicht austrocknet. Portionsweise in kochendes Salzwasser mit etwas Öl hineingeben, einmal umrühren, und wenn die Taschen auf die Oberfläche kommen, noch eine Minute köcheln lassen und dann mit einem Sieblöffel rausnehmen. Auf die Teller verteilen und mit Roterübensuppe übergießen. (Man kann sie auch einfrieren).

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