Allerheiligen und Allerseelen

Ostern mitten im Herbst

Allerheiligen, Gedenktag der Toten? So einfach ist es nicht. Wer genau hinsieht, entdeckt zwei Feste: Allerheiligen und Allerseelen. Und beide Tage erzählen davon, dass es zwei verschiedene Vorstellungen über die Toten gibt: nämlich die bei Gott Angekommenen und die, die noch unterwegs sind. An beiden Tagen jedoch ragt der Himmel in die Erde hinein, wie Matthias Hambücher, leitender Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart Nordwest, erklärt.

Der Pragfriedhof in Stuttgart

Wie der Name Allerheiligen schon sagt, geht es an diesem Tag um die Heiligen, allerdings nicht nur die von der Kirche Heiliggesprochenen. „Allerheiligen ist wie Ostern im Herbst“, sagt Pfarrer Hambücher. Denn es werde gefeiert, „dass es jenseits der kanonisierten Heiligen eine Vielzahl von Menschen gibt, deren Leben in Gott angekommen ist“. An Allerseelen dagegen werde der Toten gedacht, zu denen man eine persönliche Verbindung pflege und denen man alles Gute wünsche. Auch wenn der Gräberbesuch dazu meist schon am Feiertag Allerheiligen stattfindet, hat der Wunsch, dass es den Toten gut gehe, an Allerseelen seinen Platz. Und wie Pfarrer Hambücher sagt, ist dies ein Wunsch, der über das Christentum hinausweise, weil hier eine Sehnsucht vieler Menschen zum Ausdruck komme.

Allerheiligen, das Fest der Angekommenen und Allerseelen, das Fest derer, die unterwegs sind: So könnte die Formel lauten. Für die Christen wird an Allerheiligen zudem auf Gott, den Heiligen, verwiesen. Das Fest mache deutlich, dass Menschen, die von Gott berührt worden sind, dem Heiligen begegnen und dass das Heilige so Teil ihres Lebens werde, sagt Pfarrer Hambücher. Die logische Folge: „Wer solchen Menschen begegnet, begegnet Gott.“ Der Pfarrer regt daher an, an Allerheiligen zu überlegen, ob wir schon solchen Menschen begegnet sind, die diese besondere Würde, Menschlichkeit oder Liebe ausgestrahlt haben. Und nicht nur Christen könnten sich dies fragen, sondern es sei eine Einladung an alle Menschen, „aufmerksam durchs Leben zu gehen“.

Am Ende wird alles gut und heil

Für Katholiken, die bewusst in den Gottesdienst gehen, seien diese Gedanken vertraut und spiegelten sich auch in Liturgie und Kirchenmusik wider. Für andere Menschen mögen diese Vorstellungen fremd sein, räumt Hambücher ein. Die Idee jedoch, dass Gott am Ende des Lebens noch alles gut und heil machen könne, dass wir einer Verbindung zu den Toten mit Blumen und Kerzen Ausdruck verleihen, gehöre zur Erfahrungswelt des Menschen, findet der Geistliche. Zum Ausdruck sei dies in dem missverständlichen Bild des Fegefeuers gekommen. Was aber nur versinnbildliche, dass Gott am Ende alles vollenden könne.

Kerzen, Musik und Heimatorte

In der Praxis zeigen sich die Unterschiede der beiden Feste in der musikalischen und inhaltlichen Ausgestaltung der Gemeindegottesdienste. In der Gesamtkirchengemeinde von Pfarrer Hambücher werden auch die Namen der im vergangenen Jahr Verstorbenen vorgelesen. Oft finden Gottesdienste am Nachmittag auf dem Friedhof statt mit anschließendem Gräberbesuch. Auf den Gräbern werden Kerzen entzündet und viele Menschen fahren in ihren Heimatort zurück, um dort ihrer Toten zu gedenken. „In den Gottesdiensten trifft man daher oft Menschen, die nicht in der Gemeinde wohnen“, weiß Hambücher.

Ursprünge im 4. Jahrhundert

Der Ursprung des Allerheiligen-Festes reicht bis in das 4. Jahrhundert zurück. Damals wurde derer gedacht, die für den christlichen Glauben ihr Leben ließen und als Märtyrer starben. In der abendländischen Kirche wird Allerheiligen seit dem 9. Jahrhundert am 1. November gefeiert. Als Initiator des Festes gilt der mittelalterliche Theologe Alkuin. Der am 2. November begangene Allerseelentag etablierte sich, vom französischen Benediktinerkloster Cluny ausgehend, rund 200 Jahre später.

In Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland ist Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag. Auch in Österreich, Liechtenstein, Teilen der Schweiz, Luxemburg, Italien, Spanien, Belgien, Frankreich, Portugal, Polen, Ungarn, Slowenien, Slowakei, Litauen, Kroatien, und den südostasiatischen Philippinen ist Allerheiligen als gesetzlicher Feiertag verankert.

Allerheiligen und Allerseelen in Stuttgart

In allen Gemeinden gibt es an diesem Tag Gottesdienste und Andachten. So wird beispielsweise in der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Nordwest von Pfarrer Hambücher der Gottesdienst in Salvator in Giebel (Giebelstraße 15) sowie in St. Theresia in Weilimdorf (Pirmasenser Straße 8) um 9.30 Uhr gefeiert, in St. Josef in Feuerbach (Osswald-Hesse-Straße 76) um 11 Uhr. Gräberbesuche gibt es dann auf dem alten Friedhof in Weilimdorf um 14 Uhr, auf dem neuen Friedhof Weilimdorf um 15 Uhr und auf dem Friedhof Feuerbach um 15 Uhr. Der Tag endet mit einer Eucharistiefeier in St. Monika im Pfostenwäldle (Kyffhäuserstraße 59) um 19 Uhr.

Die Gemeinde Zum Guten Hirten in Stammheim (Melchiorstraße 20) feiert um 9.30 Uhr ein Hochamt mit Kelchkommunion, ebenso in St. Antonius in Zuffenhausen (Markgröninger Staße 29) um 11 Uhr. Die französische Gemeinde in St. Thomas Morus in Heumaden begeht den Tag um 11 Uhr mit einem Gottesdienst (Korianderstraße 34). Zu einer Andacht mit Gräberbesuch lädt St. Christophorus auf den Friedhof Wangen um 14 Uhr ein. Eine Allerseelenpredigt mit Gräbersegnung auf dem Friedhof in Möhringen bietet die Gemeinde St. Hedwig um 15 Uhr.

An Allerseelen werden im Nordwesten drei Eucharistiefeiern angeboten, in denen die Namen der Verstorbenen verlesen werden: Salvator um 9 Uhr, St. Theresia um 18 Uhr, St. Monika um 19 Uhr. Eine Eucharistiefeier mit Totengedenken gibt es in Heilig Kreuz im Sommerrain (Windröschenweg 11) um 18.30 Uhr. Und eine Allerseelenmesse für die Verstorbenen des vergangenen Jahres wird in St. Hedwig in Möhringen (Lieschingstraße 44) um 14.30 Uhr gefeiert.

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