St. Fidelis

Spirituelles Zentrum erhält eine Doppelspitze

Noch ist das Spirituelle Zentrum nicht eröffnet, aber die Vorarbeiten laufen auf Hochtouren. Auch zwei wichtige personelle Entscheidungen sind getroffen: Die Pastoralreferentin Kirstin Kruger-Weiß und der Pfarrer Stefan Karbach werden das künftige Spirituelle Zentrum mit dem Namen station s im Stuttgarter Westen gemeinsam leiten. Das Zentrum, das in der Kirche in St. Fidelis entsteht, soll eine Anlaufstelle für Menschen bieten, die nach Stille, Sinn und Tiefe für ihr Leben suchen. Eröffnet wird station s im Advent. Noch wird die Kirche St. Fidelis in der Seidenstraße umgebaut und um einen Meditationsraum im Binnenchor erweitert.

Die Pastoralreferentin Kirstin Kruger-Weiß und Pfarrer Stefan Karbach leiten künftig das Spirituelle Zentrum im Stuttgarter Westen.

„Die Sehnsucht der Menschen nach spirituellen Erfahrungen, nach Stille und Tiefe ist groß, gerade in unserer schnelllebigen und digitalen Zeit“, ist die Theologin Kirstin Kruger-Weiß überzeugt. Die 44 Jahre alte Pastoralreferentin, die in den vergangenen Monaten die Konzeption für das Spirituelle Zentrum entwickelt hat, wird gemeinsam mit Pfarrer Stefan Karbach die künftige Leitung von station s übernehmen. In dem Spirituellen Zentrum sollen die Menschen das finden, was im Alltag vielfach fehlt: einen Ort der Ruhe, der Atempause und des Auftankens mitten in der Großstadt. „Das Zentrum soll Menschen, die die das Gefühl haben, sich im Getriebe des Alltags zu verlieren, Wege aufzeigen, wie sie wieder zu ihrer Mitte, zu tiefer Stille und letztlich zu Gott finden können“, so die Theologin, die eine Ausbildung zur geistlichen Begleiterin und viele Erfahrungen im Bereich Spiritualität mitbringt.

Traditionen so leben, dass sie zum Leben heute passen

Die Basis der künftigen Angebote sind christliche Traditionen. „Aber wir wollen die Traditionen so leben, dass die Menschen sie verstehen und sie zur heutigen Lebenswirklichkeit passen“, sagt Pfarrer Stefan Karbach. Der zurückgehende Gottesdienstbesuch in den Gemeinden zeige, dass viele Stadtbewohner heute keinen Zugang zu den tradierten Kirchen- und Spiritualitätsformen mehr haben, diese auch nicht mehr kennen und verstehen. „Umso wichtiger ist es, dass wir Raum für neue, experimentelle spirituelle Angebote schaffen, ohne das Altbewährte aus den Augen zu verlieren“, sagt Stefan Karbach, der noch bis Ende Oktober der Gesamtkirchengemeinde Johannes XXIII. als leitender Pfarrer vorsteht, bevor er im November in die Leitung der station s wechselt.

„Kirche muss sich bewegen“

Durch aktuelle Studien – nicht zuletzt die in der vergangenen Woche von der Universität Freiburg veröffentlichte, der zufolge die Kirchen bis 2060 die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren sollen -  fühlen sich die beiden Theologen in ihrer künftigen Arbeit weiter bestärkt. „Kirche muss sich bewegen, um den Anschluss an das Leben der Menschen zu behalten und genau das tun wir mit dem neuen Spirituellen Zentrum“, sagt Stefan Karbach. In station s wird es die unterschiedlichsten Angebote geben: Meditationsübungen, Kurse zur Körperwahrnehmung, Spiritualität in Verbindung mit Kunst, Literatur, Film, Theater und Musik. Ins Programm einfließen werden Meditationen in der Natur, Bild- und Textbetrachtungen genauso wie Besinnungstage mit Filmen, Exerzitien im Alltag und Kontemplationskurse aus der Tradition bekannter Mystiker wie Meister Eckart.

Im Alltag zur Stille und zur eigenen Mitte finden

Geplant sind Kooperationen mit den katholischen Gemeinden in Stuttgart, aber eben auch mit Kultureinrichtungen, Schulen und anderen Religionsgemeinschaften. An den Wochenenden wird regelmäßig zur Eucharistiefeier eingeladen und es soll auch ein festes wöchentliches Angebot geben, das in die Stille führt. „Viele Menschen gehen ins Kloster, um christliche Spiritualität zu erleben. Wir brauchen als Kirche aber auch Angebote, die sich in den Alltag der Menschen in Stuttgart einbauen lassen“, sagt Kirstin Kruger-Weiß.

Doppelspitze als wichtiges Signal nach außen

Den beiden ist auch die gemeinsame Leitung ein zentrales Anliegen: „Es ist ein wichtiges Signal gerade für die katholische Kirche, dass eben nicht ein Priester allein einen solchen neuen, auch experimentellen Ort leitet, sondern im Team mit einer Pastoralreferentin“, sagt Stefan Karbach. „Wir bringen beide ganz unterschiedliche Erfahrungen ein: auf der einen Seite der zölibatär lebende Priester und auf der anderen Seite die Mutter von zwei Kindern. Was uns verbindet, ist die Sehnsucht und das Ziel, einen Ort zu schaffen, an dem sich Leben und Glauben im Alltag auf gute Weise verbinden“, ergänzt Kirstin Kruger-Weiß.

station s eröffnet am zweiten Advent

Eröffnet wird das Spirituelle Zentrum am zweiten Advent. Im Moment noch wird die denkmalgeschützte Kirche St. Fidelis in der Seidenstraße umgebaut. Die Kirche ist durchzogen von einem Netz aus Gerüsten für die Malerarbeiten. Im Mai wird mit den Einbauten eines Meditationsraumes im Binnenchor begonnen, danach wird ein neuer Steinboden verlegt. Altar und Ambo für die Station S gestaltet der Stuttgarter Künstler Martin Bruno Schmid, der für die liturgischen Gegenstände den Stein verwenden wird, der auch im Boden zu finden sein wird. Aufgestellt werden Altar und Ambo im Sommer. Anstelle der fest eingebauten Kirchenbänke wird es Stühle geben, so dass durch eine flexible Bestuhlung unterschiedlichste Feiern in großer und kleiner Gemeinschaft möglich sein werden. Die katholische Kirche in Stuttgart investiert 1,4 Millionen Euro in den Umbau der Kirche St. Fidelis und 1,4 Millionen Euro in die Errichtung des Spirituellen Zentrums, zu dem auch Räume im Pfarrhaus St. Fidelis gehören.

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