Glauben

St. Eberhard bekommt zwei neue Glocken

Glockenweihen sind selten, auch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Ende Juni sind die neuen Glocken von St. Eberhard geweiht und gesalbt worden - auf den Stufen von St. Eberhard, mitten in der Königstraße. In die Glocken eingegossen sind Portraits von Pater Rupert Mayer und Eugen Bolz, die beide den Nationalsozialisten Widerstand geleistet haben. In den Sommerferien werden die neuen Glocken im Turm aufgehängt. Dann wird das Geläut der Domkirche, das die Menschen zum Gebet rufen soll, vielstimmiger. Hinzu kommt tagsüber ein Stundenschlag.

Heiliger Gegenklang zum geschäftigen Innenstadtleben

Es sind vier Glocken aus der Nachkriegszeit, die die Gottesdienste in St. Eberhard derzeit einläuten, in Kürze werden zwei neue hinzukommen. 350 Kilogramm schwer ist die Glocke für Rupert Mayer, 600 Kilogramm die für Eugen Bolz, beide gegossen in der Gießerei Grassmayr in Innsbruck, eine der international renommiertesten Glockengießereien. „In der Stuttgarter Innenstadt erzeugen Verkehr, Baulärm, Festivals, Kundgebungen, Menschen und Maschinen einen beständigen geschäftigen Lärm. Die Kirchenglocken bilden einen heilsamen Gegenklang, der uns eine Dimension jenseits der Geschäftigkeit ins Bewusstsein ruft. Im Idealfall erhebt uns der Klang für einen kurzen Moment aus dem hektischen Alltag heraus“, sagt der Stadtdekan und Dompfarrer Christian Hermes.

Zunächst muss der Glockenturm gesichert werden

Von Juli an wird der Glockenturm von St. Eberhard gesichert und saniert, dann werden alle Glocken wieder aufgehängt und zum Festgottesdienst am 7. Oktober soll dann erstmals das neue, vielstimmigere Festgeläut in der Innenstadt zu hören sein. Nach der Sanierung des Glockenstuhls und der Aufhängung aller Glocken in Eichen-Jochen anstelle der bisherigen Stahl-Joche ist auch ein besserer und weicherer Klang zu erwarten.

Für den Rottenburger Glockensachverständigen Hans Schnieders sind die neuen Glocken für St. Eberhard schon ihrer Namenspatrone wegen eine Besonderheit: „Es ist schön, dass zwei Menschen gewählt wurden, die in unmittelbarer Beziehung zur Gemeinde St. Eberhard standen und die zudem der jüngeren Geschichte angehören.“ Der Sachverständige freut sich, in dieser Woche wieder eine Glockenweihe mitfeiern zu können, nachdem im vergangenen Jahr in der gesamten Diözese nicht eine einzige Glocke geweiht worden ist. „Es gibt Jahre ganz ohne Glockenweihe, dann wieder sind es, wie in diesem Jahr, bis jetzt schon fünf Glocken, die neu gegossen werden.“

Das Läuten erinnert an den Mut von Bolz und Mayer

Tatsächlich standen sowohl Rupert Mayer als auch Eugen Bolz in enger Beziehung zu der Stuttgarter Innenstadtgemeinde: St. Eberhard war die Heimatgemeinde des unbeugsamen Jesuitenpaters Rupert Mayer, der von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert wurde. Auch Eugen Bolz, der frühere Justizminister und Staatspräsident von Württemberg, gehörte der Gemeinde an. Wegen seiner Beteiligung am Widerstand gegen Hitler wurde er von den Nationalsozialisten zum Tode verurteilt und ermordet. „Das Glockenläuten erinnert an die Ewigkeit, aber künftig auch an die Unbeugsamkeit und Aufrichtigkeit der früheren Gemeindemitglieder. Beide sind herausragende Glaubenszeugen in schwerer Zeit, die uns Mut machen können, offen zu unserem Glauben zu stehen“, so Stadtdekan Hermes.

Stundenschlag erinnert an die Endlichkeit des Lebens

Die Glockenweihe Ende Juni folgte einem festen Ritual: Die Glocken wurden während des Gottesdienstes mit Weihwasser besprengt, mit Weihrauch beräuchert und anschließend an vier Seiten mit Chrisamöl gesalbt. Dann wurden sie zum ersten Mal angeschlagen. Glocken sind, angefangen von den Glöckchen am Gewand der Priester im Alten Testament, Instrumente des Gottesdienstes und werden wie der Altar, die Gefäße für die Heilige Messe und die Orgel gesegnet, bevor sie zum Einsatz kommen. Wenn die neuen Glocken erst einmal hängen, wird der Glockensachverständige Hans Schnieders zum Hören kommen und dann eine neue Läuteordnung vorschlagen. „Jeder Anlass hat sein ganz eigenes Geläut. Man hört, ob zum Festgottesdienst geläutet wird, zur Hochzeit oder zu einem Trauergottesdienst, ob es ein trauriger oder ein fröhlicher Anlass ist“, so der Musiker.     
Mit den neuen Glocken wird es in der Domkirche dann auch einen Stundenschlag geben, der zwischen 8.00 und 21.45 Uhr von zwei, beziehungsweise einer Glocke ausgeführt wird. Er dient der Rhythmisierung der Zeit, aber eben nicht nur: „Der Stundenschlag weist uns auf Gott und auf die Endlichkeit des menschlichen Lebens hin“, so Christian Hermes.

Gemeinde investiert 265 000 Euro

Insgesamt investiert die Gemeinde 265 000 Euro in die Sanierung des Glockenturms und die neuen Glocken. Ein großer Teil wird über Rücklagen, Zuschüsse und Kirchensteuern finanziert, 161 000 Euro müssen aber auch über Spenden aufgebracht werden.

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