Neuer Pfarrer

Steffen Vogt fühlt sich im Süden wohl

Wohnung und Büro in Heslach hat Steffen Vogt bereits bezogen und auch schon in allen drei Kirchen gepredigt. Steffen Vogt ist seit Mitte September leitender Pfarrer der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Süd. Offiziell in sein Amt eingeführt wird der 45-Jährige aber erst am Sonntag, 3. November, um 15 Uhr in St. Josef (Finkenstraße 36). „Ich freue mich, Kirche in der Großstadt mitzugestalten, in einem multinationalen und multireligiösen Umfeld. Das ist eine spannende Aufgabe“, sagt Steffen Vogt, der für die Gemeinden St. Maria, St. Josef und St. Antonius von Padua in Kaltental mit insgesamt etwa 12 000 Katholiken zuständig ist.

Pfarrer Steffen Vogt hat die Leitung der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Süd übernommen.

Steffen Vogt wohnt gleich neben St. Josef, die sicherlich zu den äußerlich unscheinbarsten katholischen Kirchen in Stuttgart zählt. Ein schlichter Betonbau, umgeben von Wohnungen, einer Kindertagesstätte und Gemeinderäumen. „Genau das richtige für mich. Wir haben als Kirche Wohnraum geschaffen und Menschen ein Obdach gegeben. Das Gotteshaus steht mittendrin. So soll Kirche sein, bei den Menschen, mitten im Leben“, schwärmt der 45 Jahre alte Theologe. Ihm gefällt der schlichte, aufs Wesentliche reduzierte Kirchenraum, der drinnen und draußen schon dadurch verbindet, dass der Bodenbelag vom Kirchenvorplatz in die Kirche hineingenommen wurde. „Eine schöne Symbolik, die zeigt, wir holen das Leben der Großstadt in die Kirche hinein.“

„Kirche muss sich öffnen“

Nach seiner jüngsten Station als Pfarrvikar in der Seelsorgeeinheit Ehingen-Stadt hat sich Steffen Vogt bewusst für die Stelle im Stuttgarter Süden entschieden, wo vieles in Bewegung ist: „In einem großstädtischen Umfeld wird Kirche viel stärker in Frage gestellt als auf dem Land. Kirche muss sich bewähren und das erfordert Offenheit für Neues und Mut, auch mal etwas auszuprobieren.“ Das passiert gerade in der Gemeinde und der Kirche St. Maria in der Tübinger Straße, die sich vor drei Jahren für eine Bürgerbeteiligung geöffnet hat. Unterschiedlichste Menschen wurden gefragt, welche Nutzungen sie sich für das Gotteshaus vorstellen können – über die Gottesdienste hinaus. Seither wird die Kirche neben den Gottesdiensten auch für viele kulturelle Veranstaltungen, wissenschaftliche Tagungen und soziale Angebote genutzt. „Es ist beeindruckend, wie viele Kontakte in die Stadt hinein geknüpft worden sind, wie viele Menschen Kirche plötzlich wahrnehmen, die vorher keine Berührungen mehr hatten“, sagt Steffen Vogt, der dankbar dafür ist, dass die katholische Kirche in Stuttgart diese Öffnung wagt und er diesen Weg mitgestalten kann.

Steffen Vogt besucht die Gruppen in den Gemeinden

Der neue Pfarrer im Süden aber schätzt nicht nur das Neue, sondern auch die gewachsenen Gruppen und Strukturen, die er vorfindet. Da ist zum Beispiel die kleine Gruppe von Ehrenamtlichen, die seit 30 Jahren immer freitags zur Laudes in St. Antonius zusammenkommt und gemeinsam betet. Da sind die Elisabethenfrauen in St. Maria, die in der Nachfolge der Heiligen Elisabeth kranke Menschen besuchen. „Es ist schön zu sehen, wie Traditionen auf beeindruckende Weise und mit viel ehrenamtlichen Engagement gepflegt werden“, so Steffen Vogt. Für die nächsten Wochen und Monate hat sich der Pfarrer vorgenommen, alle Gruppen in den drei Gemeinden zu besuchen, um mit den Menschen zu sprechen und zu hören, was sie sich von ihrer Kirche wünschen. Er wird sich für die Obdachlosen und Sozialarbeitern im Glaserhaus in Heslach genauso Zeit nehmen wie für die engagierten Mütter und Väter in St. Josef und Kaltental, die an beiden Orten die Familiengottesdienste und die Familienarbeit tragen. Und er hat sich vorgenommen, sich viel Zeit für die Ehrenamtlichen, aber auch für die Hauptamtlichen in seinem Team zu nehmen. „Es ist bereichernd, in einem größeren pastoralen Team arbeiten zu können.“

„Handle so, dass man dich nach Gott fragt“

Über seine Arbeit als Pfarrer hat Steffen Vogt einen Leitsatz gestellt, in Anlehnung an ein bekanntes Zitat des französischen Schriftsteller und Diplomaten Paul Claudel: „Rede nicht von Gott, wenn man dich danach fragt, sondern handle so, dass man dich nach Gott fragt.“ Der 45-Jährige hat sich erst spät für das Priesterdasein entschieden. Vor der Theologie stand ein Studium der Zahnmedizin, das Steffen Vogt wegen einer Beeinträchtigung seines Sehvermögens aber nicht zu Ende führen konnte. „Ich habe aus Sicht der Dozenten ohnehin immer viel zu viel Zeit dafür verschwendet, mit den Patienten zu sprechen. Deshalb bekam ich immer nur zu hören, so können sie eine Zahnarztpraxis nie wirtschaftlich führen.“ Bilanzen und Abrechnungszahlen aber wollte der gebürtige Hechinger nicht zu seiner Richtschnur im Leben machen und entschied sich deshalb für ein Theologiestudium in Tübingen und Fribourg in der Schweiz. „Ein befreundeter Priester hat mich nach dem Theologiestudium zu einem Pfarreipraktikum nach Mexiko eingeladen. Dort habe ich erlebt, dass eine Gemeinde zur Familie werden kann und mich von Mexiko aus dann auch für das Priesterseminar beworben“, erzählt Steffen Vogt. Zum Priester geweiht wurde der Theologe dann vor vier Jahren in Ellwangen.    

Kennen Sie unseren Newsletter?

Wir informieren Sie gerne über unsere aktuellen Themen. Melden Sie sich hier für unseren Newsletter an.

ANMELDEN