Interview

Sternekoch Vincent Klink über göttlichen Genuss

Vincent Klink ist Sterne- und Fernsehkoch, Autor und Herausgeber von Büchern, Hobby-Musiker und -Künstler – und Katholik. Im Interview erzählt der 71-Jährige, der seit 1991 das Sterne-Lokal „Wielandshöhe“ in Stuttgart-Degerloch betreibt, wie seine Schulzeit in einem Kloster-Internat war, was für ihn göttlicher Genuss bedeutet und wie die Hochzeit mit einer Protestantin bei seiner katholischen Familie ankam.

Herr Klink, als Schüler haben sie ein Internat der Herz-Jesu-Missionare in Donauwörth besucht. Wie haben Sie Ihre Zeit dort erlebt?

Es war eine schöne Zeit. Die Patres waren total okay, sie waren Vorbilder für uns. Sie waren sehr tüchtig und haben uns vieles beigebracht – auch über gutes Benehmen. Von ihnen habe ich zum Beispiel gelernt, dass nicht der Kopf zum Löffel, sondern der Löffel zum Kopf muss. Nur das Essen im Internat war so schlecht, dass ich unbedingt Koch werden wollte.

Hat der Genuss von Essen für Sie etwas Göttliches?

Auf jeden Fall. In Deutschland erlebe ich diesen Gipfel der Kochkunst nur selten, aber in Frankreich gibt es einige Gourmet-Restaurants, in denen ich solche Erfahrungen mache. Da geht es um mehr als ums Sattwerden. Dieses Essen löst in mir Glücksgefühle aus, das hat etwas Spirituelles. Natürlich hat das seinen Preis: 300 Euro kann dort ein Abend pro Person schon mal kosten. Aber so etwas einmal zu erleben, ist besser als 14 Tage Mallorca.

Die Deutschen geben im Vergleich zu anderen Nationen nur wenig Geld für Lebensmittel aus. Die Produzenten reagieren mit niedrigen Preisen – auch beim Fleisch. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Das Fleisch ist viel zu billig und einfach nichts Besonderes mehr. Leider zählt die Regierung Fleisch zu den Grundnahrungsmitteln. Da würde ich mir eine Veränderung und ein Machtwort von Angela Merkel wünschen. Dieser Umgang mit Tieren ist für mich eine Sünde und gehört eigentlich unter Strafe gestellt. Die Bevölkerung muss wieder ein Bewusstsein dafür bekommen. Es muss nicht jeden Tag Fleisch sein. Über die Hälfte der Gerichte auf unserer Karte ist vegetarisch und auch während des Lockdowns habe ich kaum Fleisch gegessen. Selbst an meinem Geburtstag gab es Tiefkühlspinat mit Salzkartoffeln und Spiegeleiern – besser kann man nicht essen.

Wie haben Sie die Zwangspause während der Corona-Krise erlebt?

Es war die schönste Zeit in meinem Leben. Ich bin natürlich auch sehr privilegiert: Ich habe einen großen Garten, eine Schreiner-Werkstatt, ein Maleratelier und ein Musikzimmer. Ich bin meinen Hobbys nachgegangen und habe zum ersten Mal gemeinsam mit meiner Frau gekocht. Das hat uns noch enger zusammengebracht. Es war aber auch der teuerste Urlaub in meinem Leben. Es wird bestimmt ein Jahr dauern, bis ich finanziell wieder da bin, wo ich vor der Krise stand.

Ihre Ehe ist gelebte Ökumene. Ihre Frau Elisabeth ist nämlich evangelisch. Wie kam das damals in Ihrem katholischen Umfeld an?

Ich komme ja aus Schwäbisch Nazareth, also Schwäbisch Gmünd, und da war das natürlich schon ein Thema. Meine Oma hat es schier nicht überlebt. „Eine Wüstgläubige, wie soll das gehen?“ Auch dass ich ins „pietistische Stuttgart“ gegangen bin, wurde kritisiert. Aber ich fühle mich unglaublich wohl in Stuttgart und mit meiner Frau bin ich inzwischen seit 43 Jahre verheiratet.

 

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