Mensch im Mittelpunkt

Thomas Krieg verabschiedet sich von der Telefonseelsorge

Fast 13 Jahre lang hat Pfarrer Thomas Krieg die Beratungsstelle Ruf und Rat geleitet. Mit einer bunten, witzigen aber auch von ernsten Worten geprägten Feier im Stuttgarter Rupert-Mayer-Haus wurde er verabschiedet. Am 13. Oktober wird Thomas Krieg in sein neues Amt als Leiter der Stuttgarter Krankenhausseelsorge eingeführt.

© Ralf Schöffmann

Die Beratungsstelle Ruf und Rat vereint zwei Anlaufstellen unter einem Dach. 1962 als „offene Tür“ und „Telefonseelsorge“ gegründet, hat Ruf und Rat bis heute einen hohen Stellenwert, betont Thomas Krieg. Ruf und Rat ist mit seinen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern an 365 Tagen im Jahr da, rund um die Uhr. Und es sind die Menschen, die bei den Beratungen am Telefon oder bei einem Besuch im Mittelpunkt stehen. Die Zahlen geben ihm Recht: 2018 hat die Telefonseelsorge fast 19.000 Anrufe bekommen, im Schnitt gehen 52 Anrufe pro Tag ein. Zuhören, da sein, helfen wo es geht, lautet dabei das Credo der Mitarbeiter und des Seelsorgers selbst, der immer wieder als Seelsorger am Telefon saß. Überwiegend sind es Frauen die das Angebot der Telefonseelsorge in Anspruch nehmen. Der Anteil von Männern steigt aber jedes Jahr, pro Jahr etwa ein Prozent, sagt Krieg.

„Die Kommunikationswege haben sich geändert“

Seit der Gründung von Ruf und Rat haben sich weniger die Sorgen der Menschen verändert als vielmehr ihre Kommunikationswege. Die letzten Jahre vergingen dabei wie im Flug. In die Zeit von Thomas Krieg fällt die Einführung der Chatberatung bei der Telefonseelsorge. Ein Angebot das vor allem von Jüngeren genutzt wird. Bei der Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen (EFL) wurde zudem eine Emailberatung eingerichtet, die auch gut genutzt wird. Bei all der Schnelligkeit und Vielfalt welche die digitale Welt mit sich bringt, hat  sich auch vieles in der Technik verändert und verbessert. Diese wurde moderner und effektiver. „Anrufer die bei uns 20 bis 30 Mal angerufen haben, können wir nun etwas stoppen, so dass sie eben nur ein oder zwei Mal am Tag ein Gespräch haben“, so Krieg. Das bietet anderen die Chance auch durchzukommen und von einem Gespräch zu profitieren. 

Den Spaßanrufen gegensteuern

Die moderne Technik und das Nutzungsverhalten bei Kommunikation sorgt als positiver Nebeneffekt auch dafür, dass die Zahl von ‚Spaßanrufen‘ zurückgegangen ist. „Die Zahl der Menschen, die aus Jux und Tollerei bei uns angerufen haben, ist sehr, zurückgegangen“, weiß Thomas Krieg. Ein weiterer Vorteil der sich daraus ergibt, ist ein neues Selbstverständnis der Ehrenamtlichen und somit eine intensivere Gesprächsführung mit den Anrufer. Immerhin sind es inzwischen 90 bis 95 Prozent der Anrufe, die einen ernsten Hintergrund und somit echten Gesprächsbedarf haben. 

„Am Telefon wird auch mal gelacht“

Bei allem Ernst wird bei der Telefonseelsorge auch mal gelacht. „Es sind vor allem Dinge, die so aus der Situation heraus entstehen – Situationskomik eben“, sagt Krieg. Es kommt hier und da schon mal vor, dass jemand anruft und eine Pizza bestellt. Krieg fragt dann, was alles drauf soll und wohin sie gebracht werden soll: da wird der Seelsorger zum imaginären Pizzabäcker – auch hier hält er sich an sein Credo: Von Mensch zu Mensch reden, als Seelsorger da sein für den anderen und ihn im Mittelpunkt zu sehen. 

Telefonseelsorge – Ein starkes Stück Kirche

Ordinariatsrätin Irene Stetter-Karp transportiert dieses Credo bei der Verabschiedung von Thomas Krieg auf die gesamte Telefonseelsorge. „Die Telefonseelsorge ist ein starkes Stück Kirche. Erreichbarkeit - Dasein – Unkompliziert: zu jeder Stunde.“ Eine Beschreibung, die passt. Die Mitarbeiter der Beratungsstelle Ruf und Rat bedankten sich mit einer schönen Verabschiedungsfeier bei ihrem Vorgesetzten und wünschten sich, „dass Ruf und Rat noch weitere 50 lustige Jahre überleben wird, weil wir einfach sehr notwendig sind.“ Seine neue Aufgabe in der Klinikseelsorge, mit Sitz am Marienhospital in Stuttgart, beginnt Thomas Krieg schon am 13. Oktober. Und da wartet erst mal nicht der Schreibtisch auf den Pfarrer, sondern der Praktikantenkittel. Los geht es mit einem zweiwöchigen Pflegepraktikum.

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