Talk am Dom

Von der Geburt Jesu zur Geburtshilfe in Stuttgart

1200 Kinder sind im Marienhospital im vergangen Jahr auf die Welt gekommen, in diesem Jahr werden es vermutlich 300 Babys mehr sein. Das Charlottenhaus hat sich zum Jahreswechsel aus der Geburtshilfe verabschiedet, seither ist die Nachfrage in den verbleibenden Stuttgarter Geburtskliniken größer geworden. Manfred Hofmann, der Chefarzt der Gynäkologie im Marienhospital, ist zu Gast beim nächsten Talk am Dom am Donnerstag, 11. Juli, um 19 Uhr im Haus der Katholischen Kirche (Königstraße 7). Gastgeber Christian Hermes wird sich mit ihm über die schönen und die schwierigen Seiten der Geburtshilfe in Stuttgart unterhalten. Es ist der zehnte Talk am Dom, zu dem der Stadtdekan regelmäßig Experten zu aktuellen Themen einlädt

Manfred Hofmann, der Ärztliche Direktor der Gynäkologie und Geburtshilfe im Marienhospital, ist zu Gast beim nächsten Talk am Dom am 11. Juli.

Zum Jahreswechsel hat sich das Charlottenhaus aus der Geburtshilfe verabschiedet. Für einen langjährigen Belegarzt konnte kein Nachfolger mehr gefunden werden. Damit ist ein für viele Frauen wichtiges Angebot außerhalb der sonst üblichen Klinikstrukturen weggefallen. Wie sich diese Entwicklung auf die verbleibenden Stuttgarter Geburtshilfekliniken auswirkt, darüber werden der Stadtdekan Christian Hermes und der Chefgynäkologe Manfred Hofmann beim nächsten Talk am Dom sprechen. Reichen die Kapazitäten in den Stuttgarter Geburtskliniken? Kommt es seither zu Engpässen in den Kreißsälen? Müssen Frauen in andere Kliniken geschickt werden? Das sind Fragen, um die es an diesem Abend gehen wird und die Manfred Hofmann, seit 2007 Ärztlicher Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Marienhospital, kompetent beantworten wird.

Hebammen sind ausgelastet, Suche für Frauen schwierig

Manfred Hofmann und Christian Hermes aber werden den Blick auch auf grundsätzliche Entwicklungen in der Geburtshilfe richten. Der Mangel an Hebammen führt dazu, dass Frauen schon in der frühen Schwangerschaft mit der Suche nach einer Hebamme beginnen müssen, die sie nach der Geburt begleitet. In den Kliniken führt der Fachkräftemangel dazu, dass beispielsweise das Stuttgarter Klinikum mit Prämien und Zulagen Hebammen abzuwerben versucht. Den freiberuflichen Hebammen wiederum machen genauso wie den geburtshilflichen Belegärzten hohe Versicherungsprämien zu schaffen.

Eltern informieren sich genau über die Angebote der Kliniken

An dem Abend soll aber nicht nur die Perspektive der Kliniken zur Sprache kommen, sondern auch die der angehenden Eltern. Diese informieren sich im Verlauf der Schwangerschaft genauestens über die Angebote der Geburtskliniken und vergleichen. Eine weitere Entwicklung, die sich auf die Geburtshilfe auswirkt, ist das stetig steigende Alter der gebärenden Frauen und damit einhergehend ein höheres Risiko und ein wachsendes Sicherheitsbedürfnis der Frauen. Auch die rasanten Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin wirken sich auf die Situation in den Geburtskliniken aus, sichtbar zum Beispiel an der steigenden Zahl von Mehrlingsgeburten. „Das wird sicherlich ein spannender Abend“, verspricht Stadtdekan Christian Hermes. Warum er sich für den zehnten Talk am Dom gerade das Thema Geburtshilfe ausgewählt hat? „Durch unsere Segnungsgottesdienste für Schwangere und durch die Taufen bin ich mit vielen angehenden und frisch gebackenen Müttern in Kontakt und weiß um deren Freude, aber auch um die Probleme, mit denen sie konfrontiert sind.“ Anlässlich des zehnten Talks am Dom blickt Gastgeber und Moderator Christian Hermes auf die vorangegangenen Talkabende zurück und erklärt, was es mit dem Format auf sich hat. 

Es ist der zehnte Talk am Dom, Zeit also für einen kleinen Rückblick. Was war Ihr lustigster Abend als Moderator?

Es hat mit allen Gästen Spaß gemacht. Am lustigsten aber war es, mit Gerlinde Kretschmann zu plaudern.Jeder, der sie kennt, weiß, dass sie ein unglaublich kommunikativer und geistreicher Mensch ist. Es ging um Frauen in der Kirche, die nach Ansicht von Gerlinde Kretschmann Zugang zu Weiheämtern bekommen sollen. Als Moderator und Priester war ich da natürlich gefordert. Wie kommunikativ Gerlinde Kretschmann ist, das durfte ich auch hinter den Kulissen erleben. Zum Talk waren auch Schülerinnen des St. Agnesgymnasiums gekommen, um sich mit eigenen Fragen einzubringen. An diesem Abend waren sowohl Gerlinde Kretschmann und als auch die Gymnasiastinnen sehr früh da. Als ich dazukam, saßen alle schon gequetscht auf dem Sofa im Dompfarramt und hatten ein großes Hallo miteinander. Es war ein schönes Bild, die Landesmutter ganz locker und unverkrampft mit den 16- und 17-Jährigen Gymnasiastinnen zusammensitzen zu sehen.

Als Moderator erlebt man auch knifflige Situationen. Wie geht man damit um?

Ich hatte einen Gast, der mich beim Gespräch überhaupt nicht angeschaut, sondern immer zum Publikum gesprochen hat. Das ist im privaten Gespräch schon eine Herausforderung, auf dem Podium dann doppelt. Tief durchatmen musste ich auch, als zu Beginn eines Abends eine Putzfrau mit ihrem beladenen Wagen durch das voll besetzte Atrium ruckelte. Aber Pleiten und Pannen gehören eben auch dazu, auch solche technischer Natur. Da heißt es eben: Augen zu und durch.

Wer ist der Gast, von dem Sie träumen?

Da würde ich sagen: Zum Beispiel Harald Schmidt und der Papst. Harald Schmidt, weil er es mit seiner Late Night Show geschafft hat, das Format Talkshow auf ein anderes Niveau zu bringen. Er ist ein blitzgescheiter, in jeder Hinsicht kulturell versierter und kritischer Geist mit schwäbischen Ursprüngen, übrigens ja auch katholischer Kirchenmusiker. Im Moment ist er ja in Stuttgart, vielleicht ergibt sich die Gelegenheit. Den Papst würde ich gerne einladen, nicht etwa, weil er mein oberster Chef ist, sondern weil ich ihn für einen hoch reflektierten Menschen halte, der unverkrampft und herzlich auf Menschen zugehen und  ganz unverkrampft parlieren kann. Na ja, das wird wohl ein Traum bleiben, denke ich.   

Warum braucht es überhaupt einen Talk am Dom?

In meiner Rolle als Stadtdekan treffe ich viele interessante und spannende Menschen aus der Stadtgesellschaft. Diese Begegnungen mit Kulturschaffenden, Wirtschaftsvertretern, Politikern, Wissenschaftlern, sozial und gesellschaftlich Engagierten, Vertretern anderer Religionen empfinde ich als sehr bereichernd und stelle immer wieder fest, dass sich tolle Schnittpunkte zur Kirche und der christlichen Botschaft ergeben. Der Austausch mit den Menschen bereitet mir Vergnügen, bereichert mich und bringt viele Anregungen hervor. Das war für mich der Anlass, ein solches Veranstaltungsformat einfach mal auszuprobieren. Und die Praxis zeigt, das Format bewährt sich. Wir saßen nie alleine da, im Gegenteil, alle Abende waren sehr gut besucht.

Was unterscheidet den Talk am Dom von anderen Talkshows?

Das Besondere an diesem Talk besteht darin, dass ich selbst Gastgeber und Gesprächspartner bin, nicht nur neutraler Moderator. Der Talk am Dom soll ein echter inhaltlicher Dialog sein. Der Gast hat natürlich die Gelegenheit, sich mit seinen Überzeugungen zu präsentieren, aber ich bringe mich als Moderator, Mensch und Kirchenmann eben auch in den Dialog ein. Ich bin ein großer Fan der sokratischen Methode des Dialogs und bin überzeugt davon, dass man dadurch weiterkommt. Das heißt nicht, dass man sofort eine Lösung präsentieren kann, aber im besten Fall können durch den Austausch von Argumenten und Betrachtungsweisen vielleicht tatsächlich Perspektiven für Lösungen aufgezeigt werden. Oder man macht einfach nur deutlich, es gibt eben verschiedene Blickwinkel auf ein Thema. Im besten Fall gehen die Zuhörer mit neuen Einsichten nach Hause.

Um welche Themen geht es beim Talk am Dom?

Um alle Themen, die gerade aktuell sind in unserer Stadtgesellschaft. Wir halten das Spektrum bewusst breit und laden Menschen aus dem Kulturbereich, dem Sozialen genauso ein wie aus der Wirtschaft und Wissenschaft. Es kann um Kirchenthemen gehen, um soziale Gerechtigkeit, um Kunst, Künstliche Intelligenz oder Organspende. Es bleibt kein Bereich ausgeschlossen. Vor allem: Wir möchten mit diesem Format auch kurzfristig auf Themen reagieren, die Stadtgespräch sind und uns umtreiben.

Sie nehmen sich ganz bewusst auch innerkirchlich heikler Themen an. Warum?

Es wäre höchst vermessen nur über kritische Themen außerhalb der Kirche zu sprechen und die heiklen Fragen, die wir in der Kirche selber zu lösen haben, auszusparen. Das ist auch eine Frage der Glaubwürdigkeit. Ich möchte mich bewusst den Fragen und kritischen Sichtweisen anderer aussetzen, das kann uns nur weiterbringen. Aber ich stelle auch fest, dass man es von außen betrachtet für viel kritischer hält, innerhalb der Kirche über ein strittiges Thema zu diskutieren. Es läuft seit vielen Jahren eine innerkirchliche Diskussion über das Thema sexueller Missbrauch, es sind zahlreiche Schutzmaßnahmen umgesetzt worden, das Thema ist in unser aller Bewusstsein. Es ist eben kein Tabuthema, das weggedrückt wird. Das gilt genauso für die Rolle der Frauen in der Kirche. Es wird nirgendwo so viel darüber diskutiert wie in der Kirche selber. Insofern ist es ein wichtiges Zeichen nach innen wie nach außen, dass wir solche Themen nicht aussparen. 

Talk am Dom auf Facebook: Wer nachträglich einen der Gesprächsabende anschauen möchte, hat auf der Facebook-Seite der Katholischen Kirche in Stuttgart die Gelegenheit dazu. https://www.facebook.com/kathStadtdekanatStuttgart/?ref=bookmarks. 

Der nächste Gast ist:

Manfred Hofmann Notfall Geburtshilfe Donnerstag, 11. Juli, 19 Uhr Haus der Katholischen Kirche

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