Event für junge Erwachsene

Von der Tunnelbaustelle zum Flashmob

Die Statistik zeigt: Junge Erwachsene treten häufiger aus der Kirche aus als Menschen anderen Alters. Bei jungen erwachsenen Männern ist die Austrittswahrscheinlichkeit sogar drei- bis viermal höher als in anderen Altersgruppen. Der 36-jährige Mathematiker Bernhard Wieland und die 25-jährige Ingenieurin Elena Staber denken nicht daran, aus der Kirche auszutreten, auch wenn es durchaus Reibungspunkte gibt, wie sie sagen. Sie begeistern sich für ein junges, flexibles und ungezwungenes Angebot der katholischen Kirche in Stuttgart: die Gruppe junger Erwachsener, die sich im Schnitt alle drei Monate trifft, mal um in den S-21-Tunnel abzutauchen, mal um gemeinsam Maultaschen zu machen. Das nächste Treffen ist ein musikalischer Flashmob an diesem Sonntag, um 16.30 Uhr, im Gemeindezentrum St. Konrad in der Stafflenbergstraße 52.

Die Gruppe der Jungen Erwachsenen hat sich in diesem Sommer zu einer Tunnelführung auf dem S-21-Gelände getroffen. Hier ein Foto vor dem Tunnel.

Man muss nicht musikalisch sein und auch keine Choräle singen können, um am nächsten Sonntag mitzumachen, man sollte einfach nur spontan sein: „Wir möchten den Sonntagabendgottesdienst in St. Konrad mit dem musikalischen Flashmob ein wenig aufmischen“, sagt Bernhard Wieland, der das kleine Event mit dem Titel „Authentische Töne! Überraschung: Flashmob“ mit organisiert hat. Wer möchte, kann Trommeln oder andere Instrumente mitbringen. Der promovierte Mathematiker, der seit fünf Jahren im Kirchengemeinderat von St. Georg aktiv ist, gehört zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe der Jungen Erwachsenen. „Ich habe festgestellt, dass es für Menschen in meiner Lebenssituation keine kirchlichen Angebote gibt und beschlossen, mich einzubringen“, erzählt der 36-Jährige. Bernhard Wieland hat noch keine Familie, ist dabei, sich beruflich neu zu orientieren und Fuß zu fassen, schätzt das Leben in der Großstadt. „Aus der Jugendarbeit bin ich rausgewachsen, Studentengemeinde passt auch nicht mehr, umso mehr freue ich mich über die Treffen in der Gruppe der jungen Erwachsenen, wo ich unkompliziert Gleichgesinnte finde.“

Von der Turmbesteitung in den S-21-Tunnel

Wichtig für ihn und auch die anderen: es wird keine Verbindlichkeit erwartet. Wer Zeit und Lust hat, kommt. Eingeladen aber sind alle im Alter grob zwischen Mitte 20 und Mitte 30.  Zum ersten Mal an einem Sonntagabend eingeladen hat die Gesamtkirchengemeinde Mitte die jungen Erwachsenen im Mai 2018 zu einer Turmbesteigung und Bunkerbesichtigung in St. Konrad. Seither gab es fünf kleine Events. Zuletzt waren die jungen Erwachsenen im Juli mit dem Betriebsseelsorger Peter Maile auf der Baustelle von S 21, um einen Tunnel zu besichtigen und mit den Tunnelbauern im Anschluss ins Gespräch zu kommen und miteinander zu grillen. An diesem Sonntag, 22. September,  folgt der musikalische Flashmob in St. Konrad. Die jungen Leute treffen sich um 16.30 Uhr im Gemeindesaal, um den musikalischen Auftritt vorzubereiten, im Gottesdienst um 18 Uhr folgt dann die musikalische Einlage, nach dem Gottesdienst stehen noch Feierabendgetränke und Snacks zum Ausklang in der Konradsbar bereit.

Gleichgesinnte Menschen zwanglos treffen

An diesem Sonntag dabei sein wird auch Elena Staber, die an der Gruppe die Ungezwungenheit und auch den Termin schätzt: „Die Wochenenden sind meist voll, aber Sonntagabend kann ich mir gut einrichten. Das ist auch eine gute Zeit für Wochenendpendler oder Menschen mit einer Fernbeziehung“, sagt die 25-Jährige. Sie schätzt es, Menschen zu treffen, mit denen sie viele Gesprächsthemen hat, die sozial eingestellt sind, ihre Werte teilen, in einer ähnlichen Lebenssituation sind und doch ganz andere Erfahrungen einbringen. Sie freut sich auch über das abwechslungsreiche Programm. Die Ingenieurin war viele Jahre in der katholischen Jugendarbeit in Weil im Schönbuch engagiert, war anschließend in der Studentengemeinde zu finden, um dann nicht mehr zu wissen, wo sie kirchlich andocken soll. „In der Wohnortgemeinde fühle ich mich nicht heimisch, da ist der Altersschnitt zu hoch“, sagt Elena Staber freimütig. Die jungen Erwachsenen sind für sie ein guter Anlaufpunkt, aber keine zu drückende Verpflichtung. „Ich muss nicht jede Woche irgendwo hin, sondern bin alle paar Monate zu einem tollen Event eingeladen, ohne selbst etwas vorbereiten zu müssen.“ Den Bezug zur Kirche möchte sie behalten, auch wenn sie vieles durchaus kritisch sieht und sich zum Beispiel eine Öffnung der Weiheämter für Frauen wünscht.

Wer neu in der Stadt ist, kann einfach vorbeischauen

Zu jedem Event gehört auch ein kurzer geistlicher Impuls, um den sich junge Erwachsene aus dem Vorbereitungsteam und hauptamtliche pastorale Mitarbeiterinnen kümmern. „Uns ist es wichtig, dabei die Lebenswelt der Menschen einzubeziehen, ihre Sprache zu sprechen und nicht aufdringlich zu sein“, sagt die Pastoralassistentin Monika Kling-Witzenhausen, die gemeinsam mit der Pastoralreferentin Beatrice Dörner die Treffen begleitet. „Eingeladen sind auch junge Erwachsene, die neu in Stuttgart sind und unkompliziert Anschluss suchen“, sagt Monika Kling- Witzenhausen, die bereits mit anderen jungen Erwachsenen dabei ist, das nächste Event am Sonntag, 24. November, zu organisieren, das auf den Advent einstimmen soll und bei dem doch viel Zeit zum Plaudern und Austausch bleibt.

Ansprechpartnerin

Wer Fragen zum nächsten Event hat, kann sich per E-Mail an Monika Kling-Witzenhausen wenden: monika.kling-witzenhausen@drs.de

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