Kinderschutz

„Wir dürfen beim Thema Missbrauch nicht nachlassen“

Der Missbrauchsgipfel im Vatikan vor einigen Wochen hat den Blick der Öffentlichkeit erneut auf die vielen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche gerichtet. „Wir dürfen beim Thema Kinderschutz nicht nachlassen und müssen sicherstellen, dass wir vor Ort alles tun, um Kinder zu schützen und Missbrauch zu verhindern“, sagt Stadtdekan Christian Hermes. Er lud im März die Präventionsbeauftragten aus den Stuttgarter Gesamtkirchengemeinden, den muttersprachlichen Gemeinden und den katholischen Einrichtungen zum ersten Vernetzungstreffen ins Haus der Katholischen Kirche.

Bei dem Vernetzungstreffen ging es darum, Informationen auszutauschen, aber auch Schwierigkeiten zu benennen. Zu Beginn stellte Stadtdekan Christian Hermes den Stand der Präventionsmaßnahmen im Überblick dar. In Stuttgart haben alle zwölf Gesamtkirchengemeinden sowie alle muttersprachlichen Gemeinden ein institutionelles Schutzkonzept zur Prävention von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen und erwachsenen Schutzbefohlenen verabschiedet. In diesem ist beispielsweise geregelt, dass sowohl Haupt- als auch Ehrenamtliche, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen sowie eine Selbstauskunftserklärung unterzeichnen müssen. Unterzeichnet werden muss zudem ein Verhaltenskodex, der zu besonderer Achtsamkeit im Umgang mit Kindern und Jugendlichen verpflichtet.

Regelmäßige Kontrollen gehören dazu

Außerdem haben alle Gesamtkirchengemeinden, muttersprachlichen Gemeinden und Einrichtungen jeweils einen Präventionsbeauftragten benannt, zu dessen Aufgaben es gehört, darauf zu achten, dass in regelmäßigen Abständen kontrolliert wird, ob alle Maßnahmen auch umgesetzt werden und beispielsweise alle erforderlichen Führungszeugnisse vorliegen. Die Präventionsbeauftragten sind in der Regel die Pfarrer oder von ihnen beauftragte pastorale Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter. „Es darf nicht passieren, dass in einer Gemeinde einmal alles korrekt gemacht wird und dann jahrelang nichts mehr passiert, weil sich keiner mehr für diesen hochsensiblen und wichtigen Bereich zuständig fühlt“, sagte Stadtdekan Hermes. Vielmehr müssten regelmäßige Kontrollen und Überprüfungen zur Selbstverständlichkeit werden. Dazu sollen auch die Vernetzungstreffen der Präventionsbeauftragten beitragen, die von jetzt an mindestens einmal im Jahr stattfinden. „Wir sind auf einem guten Weg, die Eckpfeiler sind gesetzt. Was uns noch fehlt, ist der ganz selbstverständliche Umgang mit der Prävention“, so Hermes.

Frage nach den erwachsenen Schutzbefohlenen

Ein weiterer wichtiger Bereich sind Schulungen, in denen vermittelt wird, durch welche konkrete Maßnahmen man Missbrauch vorbeugen kann, in welchen Situationen man genauer hinschauen muss und was zu tun ist, wenn ein Missbrauchsfall vorliegt. Es gibt bereits seit vielen Jahren grundlegende Schulungen in diesem Bereich sowohl für Haupt- als auch für Ehrenamtliche. Was bei dem Treffen aber deutlich wurde, dass es einer größeren inhaltlichen Bandbreite an Schulungen bedarf, vor allem dann, wenn diese immer wieder aufgefrischt werden müssen. 

In der Diskussion und in der Arbeit in den Kleingruppen kamen dann auch Schwierigkeiten und offene Fragen zur Sprache. Etwa, was zu tun sei, wenn sich ein Ehrenamtlicher weigere, an den Schulungen teilnehmen. „Dann kann er nicht für uns ehrenamtlich tätig sein“, stellte der Stadtdekan fest. Bemängelt wurde auch, dass der Begriff der erwachsenen Schutzbefohlenen zu vage sei und einer genaueren Definition bedürfe.

Angesprochen wurden auch konkrete Situationen, die für die Verantwortlichen schwierig sein können. Falle beispielsweise bei den Sternsingern ein ehrenamtlicher Begleiter krankheitsbedingt kurzfristig aus und es könne nur jemand einspringen, von dem kein erweitertes Führungszeugnis vorliege. Die gängige Praxis in diesem Fall: wenn ein weiterer Begleiter mit Führungszeugnis dabei sei, dann sei dies zu verantworten. Diskutiert wurde auch über die Frage, was zu tun sei, wenn bei einem Ehrenamtlichen im Führungszeugnis ein Eintrag vorliege, der aber einen ganz anderen strafrechtlichen Bereich betreffe. Kirche müsse Menschen schließlich auch eine Chance geben. In diesem Fall gelte es, genau hinzuschauen, den Einzelfall zu prüfen und gut zu überlegen, in welchem Bereich der Betreffende mitarbeiten könne und ihn in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit dann auch längerfristig zu begleiten.

Kennen Sie unseren Newsletter?

Wir informieren Sie gerne über unsere aktuellen Themen. Melden Sie sich hier für unseren Newsletter an.

ANMELDEN