Öffentliche Gottesdienste

„Wir hoffen, dass wir nicht auf Ewigkeit zwei Meter Abstand halten müssen“

Premiere nach fast zweimonatiger Pause: An diesem Samstagabend ist in St. Eberhard wieder der erste öffentliche Gottesdienst mit gut 60 Besuchern gefeiert worden. Viele Gläubige haben lange auf diesen Moment gewartet genauso wie der Dompfarrer und Stadtdekan Christian Hermes. „Wir sind hocherfreut, dass wir endlich wieder zusammen Gottesdienst feiern können. Und wir hoffen, dass wir in der Kirche nicht auf Ewigkeit zwei Meter Abstand voneinander halten müssen.“

© Max Kovalenko/Lichtgut

Bei der Premiere mit dabei gewesen ist auch Johanna Beck, die sich sehr darüber freute, dass die Zeit der Gottesdienstübertragungen endlich vorbei ist. „Es ist ein ganz anderes Gefühl, wieder in Gemeinschaft in der Kirche zu sein, als zuhause im Wohnzimmer vor dem Schirm zu sitzen und alles nur aus der Ferne zu sehen.“ Aber auch sie setzte sich beim Eintritt in die Kirche erst einmal die Maske auf, desinfizierte sich die Hände und gab ihren Anmeldezettel für den Sonnabendgottesdienst ab. Denn in Corona-Zeiten dürfen in der großen Domkirche nur 80 Plätze ausgewiesen werden, damit nach allen Seiten ein Abstand von zwei Metern zum Nächsten eingehalten werden kann. Deshalb sind die Hälfte der Bankreihen mit dünnen Bändern abgesperrt und Plätze mit gelben Quadraten markiert. Familien freilich dürfen zusammen sitzen.

Pfeile auf dem Boden markieren den Weg

Um den Abstand auch beim Rein -und Rausgehen einzuhalten, weisen den Besuchern Pfeile auf dem Boden den Weg. Die Fächer mit den Gesangbüchern sind leer, die meisten Gläubigen haben ohnehin ihr eigenes Gesangbuch mitgebracht. Laut singen freilich dürfen in den nächsten Wochen ohnehin lediglich die Kantoren, nicht aber die Gläubigen, da die Infektionsgefahr beim Singen zu groß ist. Die Besucher begnügen sich deshalb damit, die Wechselgesänge leise in ihre Maske zu summen. So wie sie sich beim Friedensgruß damit begnügen, den Nachbarn freundlich zuzunicken.

Auch die Kommunionhelfer tragen Mundschutz

Um die Menschen im Gottesdienst vor Infektionen zu schützen, desinfizieren sich die Kommunionhelfer vorher die Hände und tragen Mundschutz, während sie die Hostie an die Gläubigen austeilen. Trotz aller Schutzmaßnahmen, Abstandsregelungen und Markierungen überwiegt das Vertraute des Gottesdienstes. Das machte denn auch Dompfarrer und Stadtdekan Christian Hermes deutlich: „Die Einschränkungen, die wir erleben, sind gut zu ertragen und überlagern keineswegs die Liturgie.“

„Lasst euch nicht erschüttern“

Corona prägte auf unbestimmt Zeit das Aussehen der Kirchen, die Pandemie war denn auch Ausgangspunkt der Predigt: „Es ist eine verwirrende Zeit für uns alle. Beziehungen werden erschüttert, Familien werden erschüttert, die Wirtschaft wird erschüttert. Dennoch: schauen wir auf die Zeit Jesu, so waren die wirtschaftlichen und politischen Unklarheiten viel gravierender als heute. Schauen wir auf den Zweiten Weltkrieg, an dessen Ende wir uns in diesen Tagen erinnern, haben wir es mit ganz anderen Unsicherheiten und einer Spirale der Vernichtung zu tun.“ Im Sinne Jesu riet er den Gläubigen: „Lasst euch nicht erschüttern. Ihr habt den an eurer Seite, der Weg, Wahrheit und Fülle des Lebens ist.“

Anmeldeformulare für die nächsten Gottesdienste liegen in der Kirche aus

Was am Ende des Gottesdienstes nicht fehlen durfte, waren noch ein paar organisatorische Erläuterungen. Die Anmeldeformulare für die Gottesdienste in St. Eberhard liegen in der Kirche aus. Vorgesehen ist, dass jeder nur eine Anmeldung für sich und seine Familie mitnimmt, um den anderen auch die Chance zu geben, einen Platz zu bekommen. Beim ersten Gottesdienst waren alle Anmeldeformuale in der Kirche weg gewesen, im Gottesdienst am Samstagabend aber einige Plätze frei geblieben. „Lassen Sie uns solidarisch sein und keine Formulare horten, sondern möglichst vielen die Chance geben, am Gottesdienst teilzunehmen“, appellierte Christian Hermes an die Besucher. Die Formulare müssen dann ausgefüllt zum Gottesdienst mitgebracht werden. Die Domgemeinde bewahrt diese zwei Wochen auf, um im Notfall Infektionsketten nachvollziehen zu können. Nach zwei Wochen werden die Formulare geschreddert und damit sichergestellt, dass keine persönlichen Daten irgendwo gespeichert werden.

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