Interview

„Wir ruhen uns auf dem Jubiläum nicht aus“

Das Haus der Katholischen Kirche ist ein Schaufenster für die Kirche mitten in Stuttgarts belebtester Einkaufsstraße. Vor zehn Jahren ist das kirchliche Haus eröffnet worden, im Jubiläumsjahr hat es einige Veränderungen erfahren. Roland Weeger, der Leiter des Hauses der Katholischen Kirche (HdKK) spricht im Interview über Visionen, Entwicklungen einer säkularen Gesellschaft und von Besuchern, die weit von der Kirche entfernt sind.

Was war die Motivation vor zehn Jahren ein katholisches Haus mitten in der Königstraße zu eröffnen?

Roland Weeger: Das zentrale Anliegen, mit dem Bau des HdKK umgesetzt werden sollte, war: Menschen eine niederschwellige Begegnung mit der Kirche zu ermöglichen – außerhalb der schon vorhandenen Orte und Formen. Die Menschen sollten unverbindlich und en passant mit der Kirche in Kontakt kommen können, noch dazu in Stuttgarts belebtester Einkaufsstraße, wo sie ganz anderes erwarten und dann vielleicht umso überraschter sind. Es ging und geht also um einen neuen Ort ganz spezifischer Präsenz in der City, der Entwicklungen einer säkularen Gesellschaft auf- und ernstnimmt. Wichtig war und ist aber die enge Verbindung zur Domkirche, an die sich unser Haus anlehnt.

Was ist das Besondere am Haus der Katholischen Kirche?

Weeger: Das ist augenfällig natürlich die Architektur. Wer ins Haus der Katholischen Kirche kommt, steht im lichtdurchfluteten Atrium. Die Kirche öffnet sich damit zur Königstraße. Aber der Raum ist quasi auch nach oben offen und lässt den Himmel sichtbar werden.

Erreicht man mit dem Haus auch Menschen, die sich von der Kirche längst entfernt haben?

Weeger: Dafür sind die Mitarbeiterinnen an unserem Info-Zentrum die besten Zeuginnen. Sie erleben Tag für Tag, dass Menschen hier Berührung mit der Kirche suchen, die weit von ihr entfernt sind. Sie erleben eine Kirche, die ihnen nichts aufdrängen will und spüren, dass sie willkommen sind.

Wohin wird sich das Haus in Zukunft entwickeln?

Weeger: Wir ruhen uns zum zehnten Jubiläum nicht aus. Gerade haben im Atrium ein neues Café und neue Läden eröffnet. Wir setzen dabei auf bewährte und neue Partner, mit denen wir unser Haus für noch mehr Menschen lebendig und attraktiv machen wollen. Mein Ziel ist es, das HdKK noch stärker zu einem Forum für Dialog, für Begegnung und Diskurs in der Stadt zu machen. Wir haben da als kirchliches – aber eben nicht sakral bestimmtes – Haus ein ganz eigenes Potential.

Wie schafft man die Gratwanderung zwischen einem Haus, in dem Religion eine Rolle spielt, in das man aber auch kommen kann, ohne mit Kirche in Berührung kommen zu wollen?

Weeger: Da ist die Gratwanderung der Kirche in einer säkularen Gesellschaft überhaupt angesprochen. Es geht aus meiner Sicht darum, ein Sinn- und Deutungsangebot für das Leben zu machen und dies möglichst überzeugend ,rüber zu bringen´; selbstbewusst, aber nicht aufdringlich. Für uns sind seit der Eröffnung vor zehn Jahren dabei fünf Felder prägend, in denen sich diese Grundausrichtung manifestieren soll: Gastfreundschaft, Information, Seelsorge, Bildung und Kultur.

Wie viele Menschen besuchen das Haus jedes Jahr?

Weeger: Wir haben trotz einer sehr großen Konkurrenz in der Innenstadt rund 1.000 Veranstaltungen und Belegungen jährlich, die einerseits von kirchlichen Einrichtungen – nicht nur aus dem Haus –, aber auch von öffentlichen Institutionen oder auch Firmen verantwortet werden. Und jeden Tag besuchen jetzt wieder Hunderte das Café und die Läden.

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