Homebase

„Wir wollen Menschen ansprechen, die sich von der Kirche abgewandt haben“

Während die etablierten Kirchen an Mitgliedern verlieren, verzeichnen viele Freikirchen einen enormen Zulauf. Dieser Entwicklung wollte der katholische Diakon Martin Fischer nicht länger tatenlos zuschauen. Ende Januar ist mit „homebase“ ein charismatisch- katholisches Projekt in Neugereut gestartet. Im Ökumenischen Zentrum in Neugereut wird von jetzt an jeden Sonntag um 12 Uhr zum Gottesdienst geladen. Auf die Besucher warten zeitgemäße Lobpreismusik, moderne Lichttechnik, an die Wand geworfene Liedtexte, aber eben auch alle Elemente einer klassischen Eucharistiefeier.

Diakon Martin Fischer kennt nicht nur die katholische Kirche, sondern hat viele Einblicke in Freikirchen gesammelt. Der 52 Jahre alte Theologe war aus der katholischen Kirche ausgetreten, hatte sich einige Jahre in einer Freikirche im Rems-Murr-Kreis engagiert, um dann wieder zurückzukehren. „Ich habe den deutlichen Ruf Gottes gespürt, dass ich in die katholische Kirche zurückkehren soll, um dort Diakon zu werden“, erzählt Fischer, der dem Erlebnis Taten folgen ließ. Und so wurde der studierte Betriebswirt  nach Theologiestudium und diözesaner Ausbildung 2014 zum Diakon geweiht. Ehrenamtlich arbeitete er fortan als Diakon im Ehrenamt in der katholischen Gemeinde in Beutelsbach mit, hauptberuflich blieb er selbstständiger Unternehmer, der Führungskräfte weiterbildete. Seine Erfahrung mit Freikirchen lässt Fischer zu dem Schluss kommen: „Die freikirchlichen Gemeinden machen einiges gut und richtig, das in der katholischen Kirche fehlt.“

In die katholische Kirche zurückgekehrt

Seit Januar ist Martin Fischer Diakon im Hauptberuf und die Hälfte seiner Arbeitszeit und Energie wird er darauf verwenden, das Projekt homebase aufzubauen, ein charismatisches Angebot, angesiedelt in der katholischen Kirche. Die andere Hälfte arbeitet er als Diakon in der Gesamtkirchengemeinde Stuttgarter Madonna mit. „Ich habe mich immer gefragt, warum gibt es so etwas nicht auf Katholisch?“, so Fischer. Sein Ziel ist es, die Traditionen und Schätze der katholischen Kirche zu wahren, diesen aber einen modernen, zeitgemäßen Rahmen zu geben und eben auch das zu bieten, was Menschen in Freikirchen erleben. Dazu zählt Fischer zeitgemäße Musik, die den heutigen Hörgewohnheiten der Menschen entspricht. „Musik ist enorm wichtig. Die Menschen müssen mitsingen können, sich angesprochen fühlen. Die alten Kirchenlieder kennen viele gar nicht mehr“, sagt Fischer. Dazu zählt er aber auch eine ausgeprägte Willkommenskultur. „Wer in unseren Sonntagsgottesdienst kommt, wird immer schon am Eingang freundlich begrüßt und willkommen geheißen“, so der Diakon, der bereits ein Begrüßungsteam gewonnen hat.

„Warum geht charismatisch nicht auf Katholisch?“

Zentrales Angebot ist der sonntägliche Gottesdienst sein, der ab dem 27. Januar regelmäßig um 12 Uhr in der katholischen Kirche im Ökumenischen Zentrum gefeiert wird. Verschiedene Priester werden den Diakon unterstützen, so dass in der Regel eine Eucharistiefeier angeboten werden kann. Parallel dazu wird es mindestens einen Kindergottesdienst geben. „Für Jesus sind Kinder das wichtigste, deshalb werden auch wir ein offenes Herz für Kinder haben“, sagt Martin Fischer, der langfristig nach Alter gestaffelte Gottesdienste für Kinder und Jugendliche anbieten möchte. Gesangbücher wird es auch im Hauptgottesdienst keine geben, die Liedtexte werden an die Wand geworfen. „Auf diese Weise sagen wir den Menschen auch, wann sie aufstehen müssen. So führen wir sie durch den Gottesdienst, der gut anderthalb Stunden dauern wird“, so der Diakon. Wichtig für Fischer ist eine herausfordernde Predigt, die an die Lebenswirklichkeit der Menschen anknüpft, ihre Sprache spricht. „Es muss ein lebendiger Gottesdienst sein.“ Wichtig sei auch eine ansprechende Atmosphäre, deshalb gehöre auch eine gute Lichttechnik dazu.

Junge Erwachsene treffen sich zum Gebetskreis

Neben dem Gottesdienst sollen in der homebase viele Kleingruppen entstehen, je nach den Neigungen der Mitglieder. Ein Gebetskreis für junge Erwachsene trifft sich in Neugereut seit November, es gibt ein Lobpreisteam, das sich um die Musik kümmert, eine Kindergottesdienst-Gruppe und ein Alpha-Team, das darauf hinarbeitet, in Neugereut auch Glaubenskurse anbieten zu können. Auf mehr als 30 feste Unterstützer kann das Projekt bereits zählen. „Wir suchen immer noch Menschen, die sich unserer Jahresmannschaft anschließen, um zum Beispiel ein Segnungsteam einrichten zu können, das nach den Gottesdiensten anbietet, für einzelne Menschen zu beten. Der Bedarf ist da.“ Für unterstützenswert hält Fischer auch bereits bestehende sozial-missionarische Aktivitäten, zu denen es gehört, hinauszugehen, mit Obdachlosen ins Gespräch zu kommen und zu beten.

homebase will Menschen aus der ganzen Region ansprechen

Das zunächst auf drei Jahre angelegte Projekt homebase wird von der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde St. Augustinus getragen und finanziell von der Bischof-Moser-Stiftung unterstützt. Wirken soll homebase deshalb auch weit über Stuttgart hinaus. „Wenn jetzt allerdings nur Menschen aus anderen katholischen Gemeinden zu uns kommen, dann haben wir unser Ziel nicht erreicht. Wir wollen vor allem Menschen  ansprechen, die sich von der katholischen Kirche abgewandt haben, weil sie dort eine charismatische Spiritualität vermissen“, so Fischer. Anders als die Kirchengemeinden bekommt homebase aber keine Kirchensteuermittel, so dass die Aktivitäten über Spenden finanziert werden müssen. Eine Fördergemeinschaft für homebase wurde bereits gegründet.

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