Angebot in Coronazeiten

Zum Austausch in die digitale Kneipe

In die Lieblingskneipe gehen und sich mit anderen Eltern über Kinder, Schule und das eigene Befinden austauschen, geht inzwischen wieder. Von Normalität aber sind die meisten Familien noch immer weit entfernt. Wer in Zeiten des Lockdowns Spaß gefunden hat am digitalen Austausch ist am 22. Juni und am 10. Juli um 20 Uhr zur nächsten Digibar eingeladen. Jeder, der sich zuschaltet, kann sich sein Lieblingsgetränk bereitstellen. Angela Schmid, Theologin, Mutter und Dekanatsbeauftragte für Familienpastoral, erzählt von ihrer eigenen Situation zwischen Homeoffice und Homeschooling und wie die Idee eines Elternstammtisches entstanden ist. Die Zugangsdaten lauten: https://meet.jit.si/DigibarWirsindda

Wie ist die Idee zu einem digitalen Elternstammtisch entstanden?

Von Fachleuten lernen! Wir haben uns von engagierten Jugendlichen die Idee abgeschaut. Der BDKJ hat in der Corona-Zeit schon mehrfach zum digitalen Lagerfeuer eingeladen, wir versuchen es jetzt mit der digitalen Bar. Die Jugendlichen kommen gerne zusammen. Wir wollten den Eltern, die sich im Moment im Homeoffice und mit Homeschooling abmühen, eine unkomplizierte Möglichkeit zum Austausch anbieten. Auch wenn wir nicht abschätzen können, ob Eltern nach womöglich hundert dienstlichen Videokonferenzen noch Lust haben, sich bei uns reinzuklicken.

Trifft Corona Familien besonders hart?

Corona trifft verschiedene Gruppen besonders hart. Und Familien gehören je nach Alter der Kinder, Größe der Wohnung, technischer Ausstattung und ähnlichem auch dazu. Meine Familie und ich, wir haben Glück. Wir haben ein eigenes Zimmer für jeden, einen kleinen Garten und genug Endgeräte, um zweimal Homeoffice und dreimal Homeschooling parallel machen zu können. Außerdem sind unsere Kinder schon zwischen 10 und fast 15 Jahren alt. Da geht auch "Coronapause" gut. Richtig heftig wäre es für uns vor fünf oder zehn Jahren gewesen. Mit drei Kleinkindern Homeoffice? Mega Stress!

Ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch schwieriger zu schaffen als sonst?

Auch das kommt wieder auf die Situation der Familie an. Wenn die technischen Voraussetzungen fehlen, man dicht aufeinandersitzt und es dann noch am Arbeitsplatz kriselt, weil die Aufträge eingebrochen sind, dann birgt dies enormes Eskalationspotential. Schwierig ist es auch, wenn man keine Möglichkeit hat, ins Homeoffice zu gehen und jeden Tag hofft, dass die Kinder es daheim allein gut hinbekommen haben und nicht nur an der Spielkonsole saßen, sondern auch an die Schule gedacht haben. Oder richtig stressig kann es auch werden, wenn man kleine Kinder hat, die ständig am Rockzipfel hängen, soziale Interaktion unbedingt brauchen, ihren Freundeskreis vermissen und man selbst muss mal ein wichtiges einstündiges Telefonat führen. Dann ja – dann ist es aktuell noch viel schwieriger Beruf und Familie zusammenzukriegen. Deswegen zeigen aktuelle Untersuchungen auch, dass die Arbeitszufriedenheit von Eltern mit Kindern im Verhältnis zu Kinderlosen jetzt gravierend niedriger ist als vor der Pandemie. Übrigens ist auch die Arbeitszufriedenheit von Müttern im Verhältnis zu Vätern viel schlechter. Da habe ich das Glück, dass sich mein Mann und ich Arbeit und Familie schon immer gleichmäßig aufteilen.

Wie schaffen Sie es, Homeoffice und Homeschooling zu vereinbaren?

Konkret ist unser Tagesablauf in etwa der, dass ich direkt nach dem Frühstück im Arbeitszimmer verschwinde und mich an die Mails mache. Parallel scheucht mein Mann die Kinder an ihre Arbeitstische und schaut mit ihnen durch, was für heute ansteht, druckt aus, hat im Blick, wer wann in welche Videokonferenz muss. Ich komme am späteren Vormittag wieder hoch und drehe dann meine Runde bei den Kids und er schaut, was er dienstlich zu tun hat. Einer von uns kocht dann. Jetzt in der Coronaphase oft mit den Kindern. Nach dem Mittagessen ist unser Viertklässler längst fertig mit der Schule und wir kontrollieren seine Arbeitsblätter nochmal zusammen. Unser Siebtklässler hat am Nachmittag noch vereinzelt Schulaufgaben, während unsere Neuntklässlerin meist auch mittags viel für die Schule tun muss. Die Kinder fangen dann an zu spielen, lesen, gamen. Parallel machen mein Mann und ich abwechselnd oder gleichzeitig weiter mit dem Homeoffice. Und meist ist der Tag schnell vorbei und irgendjemand ruft zum Abendessen zusammen.

Bringt Corona Familien auch wieder enger zusammen?

Bei uns ja. Wir essen fast jede Mahlzeit miteinander. Das haben wir sonst nur in wenigen Wochen im Jahr so, denn in der Schulzeit kommen alle unterschiedlich heim oder essen in der Mensa oder Kantine und in den Ferien sind die Kinder viel bei den Großeltern oder im Sommerlager. Jetzt so viel miteinander zu kochen und am Tisch zu sitzen ist für unsere Familie ein Geschenk. Das löscht das Vermissen der Freundinnen und Freunde zwar nicht aus, finden aber sogar unsere Kinder schön. Bei Familien, bei denen die Bedingungen allerdings schwieriger sind als bei uns, da steigt der Druck jetzt immer weiter. Deswegen ist es gut, wenn die Familien auch wieder auf Spielplätze können und die Kinderbetreuung schrittweise wieder startet.

Muss ich einen Bezug zur Kirche haben, um an dem Stammtisch teilnehmen zu können?

Nein, alle Eltern sind herzlich willkommen, wenn sie einfach mal mit anderen Eltern über alles Mögliche reden und ein paar Impulse und einen Segen bekommen möchten.

Welches Getränk werden Sie sich bereitstellen?

Ich schwanke zwischen Chai Latte, - trinke ich gerne, wenn ich es mal in eine Bar schaffe - einem Tee oder einem alkoholfreien Bier (bin im Dienst!). Ich glaube, ich muss warten, auf was ich eine halbe Stunde vor der DigiBar am meisten Lust habe.

 

Zur DigiBar: Angela Schmid organisiert die DigiBar zusammen mit Markus Vogt, Vater und Referent im Fachbereich Ehe und Familie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Wer Interesse hat, ist am Montag, 22. Juni, sowie am Freitag, 10. Juli, herzlich eingeladen, sich um 20 Uhr zuzuschalten und auszutauschen.

Die Zugangsdaten: meet.jit.si/DigibarWirsindda

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