Statement Stuttgarter Ordensfrau

Die Grundlagentexte aus Deutschland sind in der Welt

Für Schwester Nicola Maria ist klar: Nach diesem Eklat werden sich noch mehr Menschen von der Kirche abwenden. „An der Infotheke im Haus der Katholischen Kirche bekomme ich die Reaktionen der Menschen ganz unmittelbar mit. Viele haben das Bedürfnis zu reden, aber ihren Beschluss haben sie schon gefasst“, erzählt die Vinzentinerin, die als Vertreterin der Ordensgemeinschaften am Synodalen Weg mitwirkt.

Von Bischöfen enttäuscht

Auch bei Schwester Nicola Maria ist die Enttäuschung groß: Sie hat an dem Grundsatzpapier mitgeschrieben, an der Passage über das zölibatäre Leben maßgeblich mitgewirkt. „Auch wir Ordensleute leben in gelingenden Beziehungen, auch wir leben unsere Sexualität.“ Die Vinzentinerin ärgert sich über die Arroganz einiger Bischöfe, die sich im Vorfeld nicht die Mühe gemacht hätten, sich mit dem Papier auseinanderzusetzen, dann aber einfach mit Nein gestimmt haben. „Was ist das für eine Art des Umgangs? Die meisten Mitglieder des Synodalen Weges sind ehrenamtlich dabei, geben ihre Freizeit her, um Reformen in der Kirche möglich zu machen, lesen die Papiere abends und am Wochenende.“ Und was die Bischöfe angehe, sei diesen sogar ein separates Hearing zu dem Grundsatzpapier angeboten worden, zu dem aber nur sechs gekommen seien.

Die Bischöfe beraten, die anderen warten

Die Stuttgarterin kritisiert auch, dass sich die Bischöfe nach dem Eklat immer wieder zu eigenen Beratungen zurückgezogen haben, während die anderen warten mussten. „Die Folge war, dass wir andere wichtige Texte gar nicht mehr beraten konnten, zum Beispiel das Papier zu den Maßnahmen gegen Missbrauch an Frauen in der Kirche sowie das Papier zu den Grundrechten der Gläubigen. Diese Texte können wir auch im März nicht mehr verabschieden“, bedauert Schwester Nicola Maria.

Ihr Trost: die Beobachter, die aus anderen europäischen Ländern bei der Vollversammlung in Frankfurt dabei waren, haben auch diese Texte längst gelesen und arbeiten in ihren jeweiligen Ländern weiter daran. „Die Texte sind in der Welt, egal wie sich die Bischöfe dazu positionieren.“

Hier finden Sie den Grundlagentext zur Sexualethik, an dem die Stuttgarter Ordensfrau Nicola Maria Schmitt mitgearbeitet hat.

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